Der russische Außenminister Sergej Lawrow hat den mutmaßlichen Chemiewaffeneinsatz in Syrien als Inszenierung bezeichnet. Zuvor hatten einige westliche Staaten - allen voran die USA - mit militärischen Angriffen gedroht.

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Sergej Lawrow, der russische Außenminister, hat den mutmaßlichen Chemieangriff in Syrien als eine Inszenierung der Amerikaner bezeichnet.

Bei dem Angriff auf die Stadt Duma sollen zwischen 42 und 85 Menschen getötet worden sein.

Lawrow spricht von "russophober Kampagne"

"Wir haben unwiderlegbare Informationen, dass dies eine neuerliche Inszenierung von Geheimdiensten eines Staates war, der sich darum reißt, in der ersten Reihe der russophoben Kampagne zu stehen", sagte Lawrow am Freitag in Moskau bei einer Pressekonferenz mit Stef Blok, dem niederländischen Außenminister.

Die beiden Diplomaten sprachen über die Lage in Syrien. Lawrow rief die USA angesichts ihrer Drohung mit einem Militäreinsatz auf, keine Ultimaten zu stellen.

Russland wirft vor allem den USA immer wieder vor, eine antirussische Stimmung zu schüren. Washington beschuldigt die syrische Armee, beim Kampf um die Stadt Duma Chemiewaffen eingesetzt zu haben.

Macron will sich mit Moskau abstimmen

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron will sich indes noch enger mit Moskau abstimmen. Ziel sei es, Frieden und Stabilität in Syrien zu schaffen, teilte der Élyséepalast am Freitag nach einem Telefongespräch zwischen Macron und seinem russischem Amtskollegen Wladimir Putin mit.

Macron habe gegenüber dem Kremlchef das russische Veto im UN-Sicherheitsrat nach dem jüngsten Chemiewaffenangriff in Duma bedauert, hieß es. Dieses habe eine geeinte und entschlossene Antwort auf diesen Angriff verhindert.

OPCW: Schnelle Ergebnisse nicht zu erwarten

Ermittler der Organisation für ein Verbot der Chemiewaffen (OPCW) sollen am Samstag mit Untersuchungen des Angriffs in Duma beginnen.

Dabei sind nach Angaben eines Experten keine schnellen Ergebnisse zu erwarten. Die Untersuchung des OPCW-Teams in Duma werde sicherlich mehrere Tage dauern und die Analysen der Proben in Labors dann noch zwei Wochen, sagte der deutsche Chemiker Ralf Trapp der Deutschen Presse-Agentur.

Es besteht der Verdacht, dass in Duma Chlorgas eingesetzt wurde. Aber auch ein Einsatz des Nervengiftes Sarin ist nicht ausgeschlossen. Trapp zufolge können auch eine Woche nach dem Anschlag noch Spuren des Kampfstoffes gefunden werden. "Es ist nicht so einfach, Spuren zu beseitigen und Gebäude zu entgiften", sagte er.

Die OPCW-Experten werden Gewebe-, Blut- und Umweltproben entnehmen sowie Zeugen befragen. Das Team soll zunächst feststellen, was für ein Kampfstoff eingesetzt worden war. Ihr Bericht kann aber auch zur Feststellung der Verantwortlichen genutzt werden.

Entscheidung der USA noch nicht gefallen

Das Weiße Haus hatte am Donnerstag erklärt, eine Entscheidung über einen Militäreinsatz als Reaktion auf den mutmaßlichen Giftgasangriff der syrischen Regierung sei noch nicht gefallen. Zunächst sollten weitere Geheimdiensterkenntnisse ausgewertet werden.

US-Verteidigungsminister James Mattis deutete vor dem Verteidigungsausschuss des Repräsentantenhauses an, dass die US-Regierung eine Reaktion prüfe.

Diese solle vor allem eine Eskalation in der Region verhindern, als auch eine deutliche Botschaft an Syriens Machthaber Baschar al-Assad senden. (ank/dar/dpa)

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