• Das russische Außenministerium sieht in der Entscheidung für einen möglichen EU-Beitritt der Ukraine und der Republik Moldau eine gegen Moskau gerichtete Politik.
  • Die EU setze damit ihre Linie fort, in die Gemeinschaft Unabhängiger Staaten (GUS) weiter vorzudringen.
  • Laut Kreml hat das "aggressive Vorgehen" der EU das Potenzial, neue Spaltungen und tiefe Krisen in Europa zu schaffen.

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Der Kreml hat die Verleihung des EU-Kandidatenstatus an die Ukraine und Moldau als geopolitisches Manöver gegen Moskau verurteilt. Die Entscheidung bestätige, dass "eine geopolitische Vereinnahmung" der ehemaligen Sowjetrepubliken "aktiv vorangetrieben" werde, "um Russland in Schach zu halten", sagte die Sprecherin des russischen Außenministeriums, Maria Sacharowa, am Freitag.

Die EU verfolge damit das Ziel, mit den östlichen Nachbarländern Beziehungen auf der Grundlage eines Abhängigkeitsprinzips zu etablieren. Brüssel wende "politische und wirtschaftliche Erpressungsmethoden" an und zwinge die Kandidatenländer, "unrechtmäßige Sanktionen" gegen Moskau zu verhängen. Das "aggressive Vorgehen" der EU habe das Potenzial, neue Spaltungen und tiefe Krisen in Europa zu schaffen, fuhr Sacharowa fort.

Kreml-Sprecher Dmitri Peskow hatte sich zuvor zurückhaltender geäußert und die Entscheidung als "innere Angelegenheit" Europas bezeichnet. Allerdings dürfe die Entwicklung nicht zu Problemen für Russland führen, sagte er weiter.

Lawrow: EU und Nato wollen Krieg gegen Russland führen

Der russische Außenminister Sergej Lawrow erklärte seinerseits, ein EU-Beitritt der Ukraine und Moldaus stelle "kein Risiko" für Russland dar, da die EU kein Militärbündnis sei. Er erinnerte daran, dass auch Präsident Wladimir Putin nichts dagegen einzuwenden habe.

Allerdings beschuldigte Lawrow die EU und die Nato, einen Krieg gegen Russland führen zu wollen und stellte einen historischen Vergleich an: Hitler habe einen großen Teil Europas hinter sich versammelt, "um gegen die Sowjetunion Krieg zu führen", sagte Lawrow während einer Reise nach Aserbaidschan. Heute "bilden die EU und die Nato ein solches zeitgenössisches Bündnis", um "Krieg gegen Russland zu führen", fügte er hinzu.

Die Staats- und Regierungschefs der EU hatten am Donnerstag auf ihrem Gipfeltreffen in Brüssel den ehemaligen Sowjetrepubliken Ukraine und Moldau den Status von EU-Beitrittskandidaten verliehen. Diese Entscheidung ist allerdings nur der erste Schritte eines langwierigen Beitrittsprozesses.

Selenskyi: Ukraine hat keine Angst auf Weg zu EU-Mitgliedschaft

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj ist indes zuversichtlich, dass sein von Russland angegriffenes Land die Kriterien für einen EU-Beitritt erfüllen wird. Die Ukraine konzentriere sich nun auf die Anforderungen der EU, sagte das Staatsoberhaupt in seiner abendlichen Videoansprache. "Aber macht uns das Angst? Nein. Weil wir davor Hunderte erfolgreich abgeschlossen haben." Zu den Kriterien für einen Beitritt gehören unter anderem Rechtsstaatlichkeit, Kampf gegen Korruption, Garantie der Grundrechte und eine funktionierende Marktwirtschaft.

Selenskyj rief seine Landsleute auf, sich über den Beschluss des EU-Gipfels, der Ukraine den Status eines Beitrittskandidaten zu geben, zu freuen. Er verglich den Weg hin zu einer Mitgliedschaft mit dem Besteigen des Mount Everests. Wer auf den letzten 1.848 Metern darüber rede, wie schwierig die weitere Strecke werde, entwerte seinen Erfolg, den Berg bereits auf 7.000 Metern bezwungen zu haben.

Die Ukraine habe den Kandidatenstatus erworben, sagte Selenskyj. "Das ist nicht vom Himmel gefallen. Dafür hat die Ukraine viel getan." (afp/dpa/fra)

EU macht es offiziell: Ukraine und Moldau sind EU-Kandidaten

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