Nach "Spiegel"-Informationen gehen die deutschen Sicherheitsbehörden davon aus, dass die Röhren der Nord-Stream-Pipelines durch massive Sprengsätze beschädigt wurden. Das lässt Rückschlüsse auf den möglichen Täterkreis zu.

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Nach Überzeugung der deutschen Sicherheitsbehörden waren für die Unterbrechung der Nord-Stream-Pipelines in der Ostsee hochwirksame Sprengsätze nötig. "Spiegel"-Informationen zufolge berechnete man, dass für die Zerstörung der Röhren jeweils Sprengsätze eingesetzt worden sein müssen, deren Wirkung mit der von 500 Kilogramm TNT vergleichbar ist. In die Schätzung wurden auch die von diversen Messstationen registrierten seismischen Signale einbezogen.

Die bisher nicht bekannten Schätzungen untermauern die Vermutung, dass nur ein staatlicher Akteur hinter der Aktion stecken kann. Bisher hält sich die Bundesregierung mit Spekulationen über die Hintergründe der Unterbrechung der Pipelines zurück.

Zwar gibt es viele Spekulationen, die Russland hinter der Aktion vermuten. Die russische Führung indes bezeichnete den Vorgang als internationalen Terrorismus, der sich gegen Russland richte.

Genaue Untersuchung der Pipelines soll Aufklärung bringen

Weitere Informationen erhofft sich die Bundesregierung von einer genaueren Untersuchung der Pipelines Nord Stream 1 und 2, die nordöstlich und südöstlich von der Ostseeinsel Bornholm unterbrochen sind. In Sicherheitskreisen hieß es, dass Taucher oder ein ferngesteuerter Roboter möglicherweise schon am Wochenende die Schäden begutachten könnten.

Dann könnte man im besten Fall erste Rückschlüsse auf die Art der Explosion unter Wasser und den dabei eingesetzten Sprengstoff ziehen, hieß es in Sicherheitskreisen. Wie viele Spuren man allerdings noch finden könne, sei schwer vorauszusehen.

Eine Reparatur der Pipeline wird in Sicherheitskreisen mittlerweile als sehr unwahrscheinlich bezeichnet. Da die beschädigten Röhren derzeit mit Meerwasser vollliefen, korrodiere die spezielle Innenbeschichtung sehr schnell, hieß es in Berlin. Wenn die Röhren einmal geflutet seien, so die Analyse, sei die Pipeline nicht mehr zum Durchleiten von Gas zu verwenden.

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Teaserbild: © dpa / Swedish Coast Guard/dpa