• Die Finanzsanktionen gegen Russland zeigen Wirkung.
  • Erste europäische Tochterbanken der russischen Sberbank stehen vor der Pleite.
  • Anleger ziehen in großem Stil Gelder ab.

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Die wirtschaftlichen Sanktionen gegen Russland zeigen erste Auswirkungen - auch außerhalb Russlands: Die EZB-Bankenaufsicht rechnet damit, dass nicht nur die Sberbank Europe AG mit Hauptsitz in Wien, sondern auch ihre beiden Tochtergesellschaften in der Bankenunion, die Sberbank d.d. in Kroatien und die Sberbank banka d.d. in Slowenien, "ausfallen oder wahrscheinlich ausfallen" werden.

Das teilte die EZB in der Nacht zum Montag mit. Mit dieser Formulierung kennzeichnet die EZB-Bankenaufsicht Institute, die aus ihrer Sicht nicht mehr existenzfähig sind.

Laut EZB hatte es zuletzt "erhebliche Abflüsse von Einlagen gegeben" und die Liquidität der Bank habe sich verschlechtert. Folgen der umfassenden Finanzsanktionen, die die Nato und die EU gegen Russland wegen des Angriffs auf die Ukraine verhängt hatten. Die EZB schätzt es als nicht realistisch ein, dass sich die Sberbank Europe AG davon erholt.

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Sberbank-Tochter in Wien stark eingeschränkt: 100 Euro abheben pro Tag - und nur im Notfall

Als Reaktion auf die EZB-Einschätzung hat die österreichische Finanzmarktaufsicht (FMA) den Geschäftsbetrieb der Sberbank-Europatochter vorübergehend fast komplett unterbunden. Wie die FMA mitteilte, darf die in Wien ansässige Bank "keinerlei Auszahlungen, Überweisungen oder andere Transaktionen durchführen".

Die einzige Ausnahme gibt es für Einleger, die zur Sicherung des nötigsten täglichen Bedarfs 100 Euro pro Tag abheben dürfen. Das Moratorium sei bis Dienstag (1. März), 23:59 Uhr, befristet. Begründet wurde die Maßnahme mit einem drohenden Ausfall der Bank.

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Die Sberbank Europe ist eine 100-prozentige Tochter der mehrheitlich in Staatsbesitz stehenden Sberbank in Moskau. Sie hat eigenen Angaben zufolge 187 Filialen mit 3.800 Mitarbeitern und etwa 773.000 Kunden in Zentral- und Osteuropa, davon 65.000 Kunden in Österreich und Deutschland.

Privatanlagen bis 100.000 Euro geschützt

Einlagen von Privatanlegern sind in der EU bis zu einer Höhe von 100.000 Euro je Einleger und Bank gesetzlich geschützt. Dieser Schutz werde durch die Einlagensicherungssysteme in Österreich, auch für die Zweigniederlassung der Bank in Deutschland, sowie in Kroatien und in Slowenien gewährt, erklärte die EZB.

Die deutsche Finanzaufsicht Bafin bekräftigte, Einlagen deutscher Einleger bei der Zweigniederlassung in Frankfurt am Main ("Sberbank Direct") seien über die österreichische Einlagensicherung geschützt. Im Falle einer Entschädigung sei es Aufgabe der österreichischen Entschädigungseinrichtung, Ansprüche zu prüfen und Maßnahmen zu ergreifen, erklärte die Bafin. Die deutsche Entschädigungseinrichtung kümmere sich wiederum um die Durchführung der Auszahlungen.

Die EZB beaufsichtigt seit November 2014 die größten Banken und Bankengruppen im Euroraum direkt. Derzeit sind dies 115 Institute, die für fast 82 Prozent des Marktes im Währungsraum der 19 Länder stehen. (dpa/tar)