Sigmar Gabriel: (S)ein Leben für die Politik

Seit über 40 Jahren macht Sigmar Gabriel Politik. Der SPD-Mann, der am 12. September seinen 60. Geburtstag feiert, hat im Laufe seiner Karriere schon so manches ehrwürdige Amt bekleidet. Und doch, so scheint es, steht er am Ende mit leeren Händen da. Ein Überblick. © spot on news

Sigmar Gabriel feiert am 12. September seinen 60. Ehrentag. 1959 wird er in Goslar im Harz geboren. Seine Mutter ist Krankenschwester, sein Vater Beamter. Sie trennen sich, als Gabriel drei Jahre alt ist. Er wird bis zu seinem zehnten Lebensjahr vom Vater großgezogen, der auch in der Nachkriegszeit noch Anhänger des Nationalsozialismus ist. Anschließend zieht Gabriel zur Mutter zurück und der Kontakt zu seinem Vater reißt ab.
Eine gute Bildung wird im Hause Gabriel großgeschrieben. Also macht der Junge erst die mittlere Reife, dann das Abitur. Nach zwei Jahren bei der Bundeswehr studiert Gabriel schließlich Germanistik, Politik und Soziologie auf Lehramt. Diese Erfahrung ist ihm im Dezember 2017 sicher von Nutzen, als er im Amt des Bundesaußenministers an der Universität Bayreuth die Weihnachtsvorlesung hält. Aber von vorne.
Sigmar Gabriel tritt 1976 – im Alter von 17 Jahren – in den eigenständigen deutschen Kinder- und Jugendverband "Die Falken" ein. In der SPD-nahen Organisation sammelt er erste Politik-Erfahrung, ehe er ein Jahr darauf festes Mitglied der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands wird. Mehrere Jahre gestaltet Gabriel die Kommunalpolitik seiner Heimatstadt Goslar mit, 1990 folgt der Sprung in den niedersächsischen Landtag.
Die harte Arbeit Gabriels zahlt sich aus: 1999 wird er unter dem sozialdemokratischen Bundeskanzler Gerhard Schröder (Bild) zum Ministerpräsidenten von Niedersachsen gewählt. Die Schmach sollte vier Jahre später folgen. Bei der Landtagswahl 2003 verliert Gabriels SPD gegen Christian Wulffs CDU die absolute Mehrheit.
Der SPD-Politiker scheidet schließlich aus dem Amt des Ministerpräsidenten aus und bekleidet fortan das neugeschaffene Amt des Beauftragten für Popkultur und Popdiskurs in der SPD. Das brachte ihm den Spitznamen Siggi Pop ein, der an jenen des US-amerikanischen Sängers Iggy Pop angelehnt ist. Trotz der Demütigung hält Gabriel in den Jahren eine wichtige Position inne: Von 1999 bis 2005 gehört der SPD-Mann dem Parteivorstand an.
Zur etwa gleichen Zeit machen weitere Schlagzeilen um Gabriel die Runde. Dem SPD-Mann wird unterstellt, er habe seiner damaligen Freundin, der Industriewirtin Ines Krüger (Bild), einen Job beim Automobilhersteller Volkswagen verschafft. Bei der AG sitzt Gabriel bis 2003 im Aufsichtsrat. Die Vorwürfe weist er von sich. Er bestreitet, Einfluss auf die Einstellung Krügers, mit der er insgesamt neun Jahre liiert ist, genommen zu haben.
Im Jahr 2005 erfährt die politische Karriere Gabriels neuen Aufschwung. Bei der Bundestagswahl gewinnt er das Direktmandat im Wahlkreis Salzgitter - Wolfenbüttel, das er bis heute erfolgreich verteidigen kann. Außerdem wird er zum Bundesminister für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit ernannt. Dieses Amt bekleidet Gabriel bis 2009. Dann übernimmt er den Bundesvorsitz seiner Partei.
Nicht nur unter Bundeskanzler Schröder kann Gabriel punkten. 2013 erfahren er und seine Arbeit auch unter Bundeskanzlerin Angela Merkel Würdigung. In ihrem III. Kabinett, also bis ins Jahr 2017 hinein, hält er den Posten des Bundesministers für Wirtschaft und Energie und ist zudem Vizekanzler der Bundesrepublik Deutschland.
Was kommt als nächstes? Die SPD-Kanzlerkandidatur? Denkbar wäre es. Doch völlig überraschend verzichtet Gabriel im Jahr 2017 auf seine Chance. Bei den Bundestagswahlen lässt er seinem Parteikollegen Martin Schulz (Bild) den Vortritt. Stattdessen…
…legt Gabriel auch sein Amt als Bundeswirtschaftsminister nieder. Und das aus gutem Grund: Nur wenige Tage nach seinem Verzicht auf die SPD-Kanzlerkandidatur wird er im Januar 2017 zum Nachfolger Frank-Walter Steinmeiers (Bild) und somit zum Bundesaußenminister ernannt. Lange hält das Glück jedoch nicht an. Im März 2018 heißt Gabriels Amtsnachfolger Heiko Maas. Die Vize-Kanzlerschaft führt Olaf Scholz weiter.
Sie ist eine Konstante im Leben Sigmar Gabriels: Zahnärztin und Ehefrau Anke Stadler. Am 50. Geburtstag des Politikers im Jahr 2009 tritt sie erstmals als Frau an seiner Seite in der Öffentlichkeit auf. Drei Jahre später wird geheiratet. Heute hat das Paar zwei Töchter und lebt in Goslar. Aus Gabriels erster Ehe stammt eine weitere Tochter.
Neben der Politik scheint Gabriel ein weiteres Steckenpferd zu haben: Er schreibt Bücher. Zu seinen Werken zählen bislang "Mehr Politik wagen" (2002) und "Zeitenwende in der Weltpolitik: Mehr Verantwortung in ungewissen Zeiten" (2018). Ob künftig noch welche dazukommen? Im Mai dieses Jahres kündigte der Politiker in einer TV-Sendung an, dass er 2021 nicht noch einmal als Abgeordneter für den Bundestag kandidieren werde. Zeit hätte er dann vermutlich allemal.