- Teilnehmer des G7-Gipfeltreffens in Elmau verfolgen zwei klare Ziele.
- Solidarität mit der Ukraine demonstrieren und klare Kante gegen Putin zeigen.
- Doch auch Moskau macht sich zum Auftakt des Treffens bemerkbar.
Es könnte alles so schön sein. Als Bundeskanzler
Wenige Stunden vorher werden aus Kiew russische Raketeneinschläge vermeldet - zum ersten Mal seit drei Wochen wird die Stadt am Sonntag wieder beschossen. Eines der Geschosse habe ein neunstöckiges Wohnhaus getroffen, schreibt ein Berater des ukrainischen Innenministers. Eine weitere Rakete sei auf dem Gelände eines Kindergartens eingeschlagen.
G7-Gipfel: Biden beschwört Einheit im Kampf gegen Russland
Hier das G7-Treffen der führenden demokratischen Wirtschaftsmächte in einem malerischen Alpental. Dort die Brutalität des Krieges. Drastischer könnte der Kontrast kaum sein. Ob die Raketen auf Kiew auch ein Gruß des russischen Präsidenten
Umgekehrt ist aber auch klar, dass der Gipfel in Elmau vor allem zweierlei sein soll: Eine Botschaft der Solidarität an Kiew und ein Signal der Stärke und Geschlossenheit an Putin. Die Chefs der führenden westlichen Wirtschaftsmächte - Deutschland, die USA, Großbritannien, Frankreich, Italien, Kanada und Japan - kommen vier Monate nach Kriegsbeginn erstmals physisch zusammen, um klare Kante gegen den Kriegstreiber aus Moskau zu zeigen.
"Wir müssen zusammenbleiben", sagt Biden bei seinem Treffen mit Scholz. "Putin hat von Anfang an darauf gezählt, dass die Nato und die G7 sich spalten", so der Präsident. "Das haben wir nicht getan und wir werden es nicht tun." Der Kanzler sagte auf Englisch: "Die gute Nachricht ist, dass wir alle es geschafft haben, vereint zu bleiben."
G7-Gipfel: Johnson und Trudeau witzeln über Putin
Nach ihrem Gespräch treffen sich Biden und Scholz im sogenannten Yoga Pavillon mit den anderen Staats- und Regierungschefs. Auch EU-Ratspräsident Charles Michel und EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen sind dabei. Die Neun sitzen ziemlich eng nebeneinander an einem runden Tisch. Auch das passt zur Botschaft: Schulterschluss.
Obwohl die weltwirtschaftliche Lage auf der Tagesordnung steht, wird zunächst über Putin gewitzelt. Der britische Premier Johnson scherzt bei der Frage, ob er das Jackett ausziehen darf: "Wir alle müssen zeigen, dass wir härter sind als Putin." Sein kanadischer Kollege
Aber was hat die G7 an Druck auf Russland und Unterstützung für die Ukraine nun konkret zu bieten?
Gold-Embargo gegen Russland, Waffen und Geld für die Ukraine
Kurz vor Gipfel-Beginn verkündet Biden per Twitter, dass die G7-Staaten ein Importverbot für Gold aus Russland erlassen werden. Ein US-Regierungsmitarbeiter sagt, Gold sei für Russland nach Energie das zweitwichtigste Exportgut. "Damit wird Russland weiter von der Weltwirtschaft isoliert."
"Die Ukraine braucht mehr und wir sind entschlossen, mehr zu liefern": Mit diesem Versprechen ging EU-Ratspräsident Charles Michel in die Gipfel-Beratungen. Konkrete Ankündigungen gab es allerdings am Sonntag weder von ihm, noch von anderen G7-Teilnehmern. So blieb beispielsweise unklar, ob die EU im Juni wie in den Vormonaten 500 Millionen Euro für Waffenlieferungen an die Ukraine zur Verfügung stellen wird.
Scholz will in Elmau für ein langfristiges Hilfsprojekt werben: einen "Marshall-Plan" für den Wiederaufbau der kriegszerstörten Ukraine. Mit einem solchen Plan halfen die USA zwischen 1948 und 1952 Deutschland und anderen europäischen Staaten, nach sechs Jahren Krieg wieder auf die Beine zu kommen.
G7-Gipfel in Elmau: Selenskyj wird am Montag zugeschaltet
Ein Vorschlag der USA sieht vor, Russland dazu zu zwingen, Öl künftig für einen deutlich niedrigeren Preis an große Abnehmer wie Indien zu verkaufen. Dies könnte funktionieren, indem der Westen Dienstleistungen wie Versicherungen für Öltransporte an die Einhaltung des Preisdeckels knüpft. Mit der Obergrenze soll einerseits dafür gesorgt werden, dass Russland nicht länger von Preisanstiegen auf dem Energiemarkt profitiert. Anderseits soll sie weltweit zu einer Entspannung auf den Ölmarkten beitragen. Nicht nur in der EU, sondern auch in den USA sind die hohen Spritpreise derzeit ein großes Thema.
Am Montag wird der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj per Video zum Gipfel zugeschaltet, um an den Beratungen teilnehmen zu können. Dann wird er noch einmal seine Wünsche an den Westen formulieren.
Als Reaktion auf die Raketenangriffe fordert sein Außenminister Dmytro Kuleba am Sonntag bereits härtere Sanktionen gegen Russland und zusätzliche Waffenlieferungen. Auf Twitter veröffentlicht er ein Bild von einem Mädchen, das von Rettungskräften auf einer Trage transportiert wird. Dazu schreibt er: "Dieses sieben Jahre alte ukrainische Kind schlief friedlich in Kiew, als ein russischer Marschflugkörper sein Haus in die Luft sprengte." (mt/dpa)