Ist Kim Jong Un in Peking? Viele Anzeichen deuten darauf hin - auch wenn Peking es dementiert und er noch nie, seitdem er an der Macht ist, im Ausland war. Eine Visite des nordkoreanischen Machthabers wäre der vorläufige Höhepunkt des diplomatischen Tauziehens um sein Atom- und Raketenprogramm.

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Die Ankunft eines Sonderzuges mit einem hochrangigen Besucher aus Nordkorea in Peking hat Spekulationen ausgelöst, dass Machthaber Kim Jong Un überraschend China besucht.

Unter Hinweis auf drei Personen, die über die Visite Bescheid wüssten, berichtete die Nachrichtenagentur Bloomberg, es handele sich bei dem mysteriösen hohen Gast tatsächlich um Nordkoreas Machthaber.

Eine offizielle Bestätigung lag zunächst nicht vor, nun folgte das Dementi - auch wenn es doch sehr dünn ausfällt. "Ich weiß gegenwärtig nichts über die genannte Situation", antwortete eine Sprecherin des chinesischen Außenministerium mit einem einzigen Satz auf eine schriftlich eingereichte Frage.

Dennoch deutet vieles auf einen Kim-Besuch hin, wie die starken Sicherheitsvorkehrungen und der sonst nur bei Staatsbesuchen übliche große Empfang.

So zirkulierten im Internet zwei Videos von einem Konvoi mit einer Motorrad-Ehrengarde, der am streng gesicherten Bahnhof abfuhr und später die Stadt durchquerte.

Auch gab es Fotos von einer Ehrengarde am Bahnsteig. Der Ursprung der Aufnahmen konnte nicht geklärt werden.

Kim Jong Un hat Nordkorea sei Amtsantritt nicht verlassen

Es wäre das erste Mal seit seinem Machtantritt 2011, dass Kim Jong Un sein Land verlassen hat und China besucht.

Schon sein Vater Kim Jong Il hatte 2010 und 2011 ähnliche Geheimbesuche mit dem Zug in China gemacht, die erst nach seiner Rückreise bestätigt wurden. Er fuhr immer mit dem Zug, weil er Angst vorm Fliegen hatte.

Japanische Medien hatten am Montag von der Ankunft des grünen Sonderzuges berichtet, der jenem ähnele, den Kim Jong Il damals benutzt habe. Er sei am Sonntag über die Grenzstadt Dandong gekommen.

Es ist nicht ausgeschlossen, dass sich US-Präsident Donald Trump mit Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un einigt und das nordkoreanische Atomprogramm gestoppt wird. Wahrscheinlich ist dieses Szenario aber nicht. Nordkorea-Experte Gerhard Mangott warnt: Ein Scheitern könnte zum Krieg führen.

Das Weiße Haus konnte die Berichte nicht bestätigen. "Wir wissen nicht, ob sie notwendigerweise stimmen", sagte der Vizesprecher Raj Schah in Washington.

Wegen der "Kampagne des maximalen Drucks" auf Nordkorea durch die USA zusammen mit anderen Ländern habe sich die Lage verbessert und sei Nordkorea zurück an den Verhandlungstisch geholt worden. "Deswegen blicken wir auf einen möglichen Gipfel in den kommenden Monaten."

Besuch in Vorbereitung auf den Nordkorea-USA-Gipfel?

Ein Besuch in China wäre der vorläufige diplomatische Höhepunkt in dem Streit über Nordkoreas Atomwaffen- und Raketenprogramms.

Mit seiner überraschenden Annäherung an Südkorea seit Jahresanfang fasst Nordkoreas Machthaber voraussichtlich im April und Mai jeweils mögliche Gipfel mit dem südkoreanischen Präsidenten Moon Jae In sowie mit US-Präsident Donald Trump ins Auge. Am Donnerstag sind vorbereitende Gespräche mit Südkorea geplant.

In der Gipfeldiplomatie stand der große Nachbar China bisher etwas außen vor. Beide Länder pflegen eigentlich traditionell freundschaftliche Beziehungen, aber das Verhältnis ist wegen Nordkoreas Entwicklung von Atomwaffen und Langstreckenraketen sehr angespannt.

Peking setzt die im Weltsicherheitsrat beschlossenen Sanktionen der Vereinten Nationen gegen seinen Nachbarn verstärkt um, was in dem verarmten und isolierten Land zu Engpässen führt.

Beobachter spekulierten, dass Nordkoreas Machthaber vielleicht eine Lockerung der Sanktionen bewirken und sich in China Unterstützung für seine diplomatischen Bemühungen holen will.

Vor den geplanten Gipfeln mit Südkoreas Präsident Moon Jae In und US-Präsident Trump könnte Peking ausloten, wie ernst es Nordkoreas Machthaber mit der geforderten Denuklearisierung nimmt. (cai/dpa)