Ost-Aleppo und Ost-Ghuta wurden im syrischen Bürgerkrieg in Schutt und Asche gelegt, Hunderte Zivilisten starben. Der Rebellenhochburg Daraa im Süden des Landes droht jetzt das gleiche Schicksal.

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Bei heftigen Luftangriffen auf Rebellengebiete im Süden Syriens am Donnerstag sind Aktivisten zufolge mindestens 22 Zivilisten getötet worden.

Allein im Ort Al-Musaifra nahe der Stadt Daraa seien 17 Menschen in einem Kellerschutzraum ums Leben gekommen, darunter fünf Kinder, meldete die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte am Donnerstag. Die Zivilisten hätten aus Angst vor Luftangriffen in dem Raum Zuflucht gesucht.

Die Menschenrechtler machten russische Jets für die Bombardierung Al-Musaifras verantwortlich. Es sei die höchste Opferzahl bei einem Angriff seit Beginn der Eskalation vor zehn Tagen.

Den Angaben zufolge kamen in der Region in den vergangenen zehn Tagen fast 100 Zivilisten ums Leben. Zehntausende sind in dem Gebiet um Daraa auf der Flucht vor Bombardierung und Kämpfen.

Versorgungsader unterbrochen

Der UN-Syriengesandte Staffan de Mistura warnte vor einer neuen humanitären Tragödie. Wegen der heftigen Kämpfe stoppten die Vereinten Nationen ihre Hilfslieferungen aus dem benachbarten Jordanien.

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Die Versorgungsader über die Grenze sei seit zwei Tagen unterbrochen, sagte der UN-Hilfskoordinator für Syrien, Jan Egeland.

Die Region um Daraa gehört zu den letzten Rebellengebieten in dem Bürgerkriegsland. Russland als Verbündeter der Regierung sowie die USA und Jordanien hatten sich vor einem Jahr auf eine Deeskalationszone für die Region geeinigt.

Die Armee und verbündete Milizen begannen in der vergangenen Woche jedoch mit Angriffen. Seit Montag versuchen sie, die Verbindung zwischen der teilweise von Rebellen kontrollierten Stadt Daraa und Jordanien zu kappen.

Nach Angaben der Menschenrechtsbeobachter flogen die syrische und russische Luftwaffe in der Nacht zum Donnerstag rund 200 Angriffe.

"Die Angriffe hören nicht auf"

Die syrische Hilfsorganisation Weißhelme erklärte, Dutzende Gebäude seien zerstört worden. Ein Video der Organisation zeigte, wie Helfer ein Kind nahe Daraa aus den Trümmern retten. Wegen der Angriffe sind in Al-Musaifra und in anderen Orten die Krankenhäuser außer Betrieb. "Seit gestern hatten wir mehr als 300 Angriffe", sagte der Aktivist Mohammed aus Al-Musaifra. "Die Angriffe hören nicht auf."

Das Vorgehen der Regierungstruppen erinnert an Ost-Aleppo und Ost-Ghuta bei Damaskus. Armee und Verbündete hatten beide Gebiete nach wochenlangen Luftangriffen und Kämpfen wieder unter Kontrolle gebracht. Dabei starben Hunderte Zivilisten, Zehntausende wurden vertrieben.

Angriffe und Kämpfe legten große Teile von Ost-Aleppo und Ost-Ghuta in Schutt und Asche. Nach Angaben des UN-Menschenrechtsrats wurde im Ort Duma in Ost-Ghuta auch Giftgas eingesetzt.

Der UN-Syriengesandte Staffan de Mistura warnte am Mittwoch im UN-Sicherheitsrat davor, dass sich in Daraa ein Szenario wie in Aleppo und Ost-Ghuta wiederholen könne. "Wir (...) können nicht erlauben (...), dass dies ein weiteres Ghuta, ein weiteres Duma oder ein weiteres Aleppo wird, wo so viele Zivilisten geopfert wurden und starben", sagte er vor dem Sicherheitsrat in einer Videoschalte aus Genf. "Und doch sehe ich, dass sich die Dinge in diese Richtung bewegen."  © dpa

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