Die radikalislamischen Taliban haben in der schwer umkämpften westafghanischen Provinz Farah ein Bezirkszentrum erobert. Der Leiter des Provinzrats, Farid Bachtawar, sagte am Montagmorgen, das Büro des Bezirksgouverneurs in Anar Dara und das Polizeihauptquartier seien seit der Nacht in der Gewalt der Taliban.

Die Taliban hätten gegen Mitternacht (Ortszeit) mit rund 300 Kämpfern angegriffen. 15 Sicherheitskräfte seien "verschwunden". Der Sender 1TV berichtet von mindestens zehn toten Polizisten.

Zwei weitere Provinzratsmitglieder, Dadullah Kani und Dschamila Amini, sagten, dass es derzeit schwere Gefechte um die örtliche Armeebasis gebe.

Dort seien 60 bis 70 Soldaten stationiert, die um Luftunterstützung gebeten hätten. Verstärkung komme auch aus der Provinzhauptstadt, aber erst am Nachmittag.

Taliban weiten ihren Einfluss aus

Farah gehört zu den am schwersten umkämpften Provinzen in Afghanistan. Erst Freitagnacht waren in einem anderen Bezirk mindestens 18 Sicherheitskräfte getötet worden.

Die Taliban kontrollieren oder beeinflussen nach Angaben des afghanischen Militärs heute wieder mindestens 14,3 Prozent des Landes.

Aus einer neuen Übersicht des Generalinspekteurs des US-Senats für den Wiederaufbau in Afghanistan (Sigar) über die Lage der mehr als 400 Bezirke im Land von Ende Februar geht hervor, dass die Taliban 13 Bezirke voll unter voll Kontrolle haben und 45 "beeinflussen". Andere Quellen sehen höhere Zahlen.

Der afghanische Präsident Aschraf Ghani hatte den Taliban vor knapp zwei Wochen ein umfassendes Friedensangebot gemacht. Die haben bisher offiziell nicht reagiert und ihre Angriffe fortgesetzt.  © dpa