Ein "schlechter Witz", "eines Präsidenten unwürdig": Politiker verschiedener Parteien haben die von der türkischen Regierung unter Recep Tayyip Erdogan herausgegebene "Reisewarnung" für Deutschland kritisiert, darunter Bundeskanzlerin Angela Merkel.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) ist der von der Türkei ausgesprochenen "Reisewarnung" für Deutschland mit deutlicher Kritik an Ankara entgegengetreten.

"Ich will hier ganz deutlich auch sagen: Zu uns kann jeder türkische Staatsbürger reisen. Bei uns wird kein Journalist verhaftet, kein Journalist in Untersuchungshaft gesteckt, bei uns herrscht Meinungsfreiheit und Rechtsstaatlichkeit. Und darauf sind wir stolz", sagte sie am Sonntag bei einem Wahlkampfauftritt im westfälischen Delbrück.

Reisewarnung als Retourkutsche

Merkel kritisierte dabei erneut den Umgang der Türkei mit dem dort inhaftierten Journalisten Deniz Yücel. "Er sitzt nach unserer Meinung völlig unbegründeterweise im Gefängnis", sagte Merkel. "So wie mindestens elf andere Deutsche."

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Die türkische Regierung hatte die "Reisewarnung" für Deutschland am Samstag veröffentlicht. Darin werden die in Deutschland lebenden oder dorthin reisenden Türken zur "Vorsicht" aufgerufen.

Zudem wird vor "wahrscheinlicher fremdenfeindlicher und rassistischer Behandlung" gewarnt.

Der Schritt wurde als Retourkutsche für die Verschärfung der Reisehinweise des Auswärtigen Amts Mitte Juli verstanden.

Vor Angela Merkel hatten bereits andere Politiker das Vorgehen der Türkei kritisiert.

"Reisewarnung der Türkei gegen Deutschland ist ein schlechter Witz! Grundlose Haft für viele Deutsche ist Unrecht! Nazivergleiche verletzen unsere Ehre!", schrieb Kanzleramtschef Peter Altmaier (CDU) am Sonntag auf Twitter.

Özdemir: Erdogan will spalten

SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz sagte am Samstag am Rande einer Wahlkampfveranstaltung in Mainz: "Die Regierung in Ankara verliert das Maß. Die Beziehungen zwischen der Türkei und der Bundesrepublik Deutschland dürfen sich nicht so entwickeln, wie das offensichtlich systematisch in Ankara vorangetrieben wird."

CDU-Generalsekretär Peter Tauber erklärte über den Kurznachrichtendienst Twitter: "Warnt Erdogan vor Reisen nach Deutschland, damit die Menschen dort nicht sehen, wie Freiheit, Recht und Weltoffenheit ein Land stark machen?"

Grünen-Spitzenkandidat Cem Özdemir erklärte: "Erdogans Verhalten ist eines Präsidenten unwürdig. Er will den Spaltpilz nach Deutschland tragen, das dürfen wir nicht zulassen."

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