Im Zuge der Eskalation des Streits zwischen der Bundesregierung und dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan rücken Hermes-Bürgschaften in den Blickpunkt - weil Berlin diese prüfen will. Was Hermes-Bürgschaften sind.

Exporte von Maschinen, Anlagen oder Autos sind ein wichtiger Motor der deutschen Wirtschaft. Allerdings bergen Ausfuhren manchmal auch Zahlungsrisiken, die normalerweise über Versicherungen abgedeckt werden.

In einigen Fällen, etwa bei Lieferungen in Entwicklungsländer, mögen private Versicherer solche Risiken aber nicht schultern. An dieser Stelle springt der Staat mit Exportkreditgarantien ein.

Sie sind ein wichtiges Instrument zur Exportförderung und schützen die deutschen Unternehmen vor Verlusten durch ausbleibende Zahlungen ihrer ausländischen Geschäftspartner: Zahlt der ausländische Abnehmer nicht, übernimmt der deutsche Staat die Rechnung.

Weil beim Management dieser Garantien seit Jahrzehnten der Kreditversicherer Euler Hermes federführend ist, hat sich dafür die Bezeichnung "Hermes-Bürgschaften" eingebürgert.

Der Rahmen für solche Garantien beträgt derzeit 160 Milliarden Euro, die aber in der Regel längst nicht ausgeschöpft werden. Nach Angaben des Bundesfinanzministeriums hat der Bund zuletzt (2016) für Aufträge im Volumen von 20,6 Milliarden Euro Garantien übernommen.

Zum Vergleich: Die gesamten deutschen Warenexporte hatten im vorigen Jahr einen Umfang von etwa 1,2 Billionen Euro.

Die diplomatische Krise zwischen Deutschland und der Türkei spitzt sich immer weiter zu. Ankara wirft Berlin eine große politische Verantwortungslosigkeit vor, nachdem Außenminister Sigmar Gabriel zuvor eine "Neuausrichtung" der Türkei-Politik der Bundesregierung angekündigt hatte - unter anderem mit einem verschärften Reisehinweis.


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