Nach den Luftschlägen vom Samstag greift die Türkei Syrien jetzt auch mit Bodentruppen an. Die Militäroperation zielt auf die Kurdenmiliz YPG.

Türkische Bodentruppen sind in die von kurdischen Milizen kontrollierte Region Afrin in Syrien einmarschiert. Das sagte der türkische Ministerpräsident Binali Yildirim am Sonntag, wie die Nachrichtenagentur DHA berichtete.

Die Türkei hatte am Samstag mit Luftschlägen eine groß angelegte Offensive gegen kurdische Truppen im Nordwesten Syriens begonnen. Die "Operation Olivenzweig" zielt auf die mit den USA verbündeten YPG.

Kurden sprechen auch von zivilen Opfern

Die kurdische Nachrichtenagentur Firat berichtete, bei den Angriffen seien am Samstag sechs Zivilisten und drei kurdische Kämpfer getötet worden.

Anadolu meldete, es gebe Tote und Verletzte, die alle der YPG angehörten. Beide Seiten berichteten übereinstimmend, es seien mehr als 100 Ziele aus der Luft angegriffen worden.

Die YPG, die das Militärbündnis der Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF) anführen, sind der syrische Ableger der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK in der Türkei.

Die USA haben die YPG im Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) mit Waffen ausgerüstet, was Ankara empört. Ankara fühlt sich von einer starken kurdischen Präsenz an seiner Grenze bedroht. Die PKK ist in der Türkei, der EU und in den USA als Terrororganisation eingestuft.

Auswärtiges Amt besorgt

Die türkische Militäroffensive hat in Berlin und Moskau Besorgnis ausgelöst. "Wir beobachten die Entwicklung dieser Situation sehr genau", teilte das russische Außenministerium in Moskau mit.

Man fordere alle Seiten zur Zurückhaltung auf. Auch aus dem Auswärtigen Amt in Berlin hieß es: "Wir rufen alle Beteiligten auf, jetzt besonnen zu handeln und keine neue Gewalt aufkommen zu lassen."

Der scheidende Grünen-Vorsitzende Cem Özdemir hinterfragte die deutsche Haltung zur türkischen Regierung, nachdem Außenminister Sigmar Gabriel (SPD) in seiner Heimatstadt Goslar seinen türkischen Amtskollegen Mevlüt Cavusoglu empfangen hatte.

"Während das Regime in Ankara den ISIS-Barbaren Unterschlupf gewährte, haben Kurden für den Westen gekämpft. Jetzt lässt sie Erdogan bombardieren. Gibts in Goslar bald wieder eine Teezeremonie für Cavusoglu?", schrieb Özdemir auf Twitter.

Bereits 2016 marschierte die Türkei an der Seite von pro-türkischen Rebellen in den Norden Syriens ein.

Damals war das Ziel offiziell die Vertreibung von Dschihadisten der Terrormiliz Islamischer Staat von der eigenen Grenze. Die Aktion traf jedoch auch kurdische Einheiten.© dpa