Ersten Hochrechnungen zufolge konnte Recep Tayyip Erdogan, der amtierende Präsident der Türkei, gemeinsam mit seiner Partei AKP die absolute Mehrheit im Parlament verteidigen. Der Spitzenkandidat der aussichtsreichsten Oppositionspartei CHP, Muharrem Ince, appellierte an die Wahlbeobachter sich trotz der vermeintlichen Niederlage nicht entmutigen zu lassen und die weiteren Auszählungen zu verfolgen. Die pro-kurdische Oppositionspartei HDP bangt um den Einzug ins Parlament über die Zehn-Prozent-Hürde.

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Bei der Präsidentschaftswahl in der Türkei liegt Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan nach ersten, allerdings noch nicht belastbaren Teilergebnissen vorne. Nach Auszählung von mehr als einem Viertel der Stimmen kam der Amtsinhaber am Sonntagabend auf 58,33 Prozent, wie die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu meldete. Muharrem Ince, der Kandidat größten Oppositionspartei CHP, lag demnach mit 26,53 Prozent auf dem zweiten Platz. Erdogans Vorsprung schrumpfte mit fortschreitender Auszählung jedoch.

Finale Ergebnisse könnten stark variieren

Wegen der bislang geringen Zahl der ausgezählten Stimmen sind die Ergebnisse noch nicht aussagekräftig. Auch bei früheren Wahlen startete Erdogans Lager bei Anadolu mit großem Vorsprung, der dann kleiner wurde. Beim Verfassungsreferendum im vergangenen Jahr lag das Erdogan-Lager nach Auszählung von einem Viertel der Stimmen bei 62,6 Prozent. Am Ende kam sein Lager nur auf eine knappe Mehrheit von 51,5 Prozent.

Anadolu ist die einzige offizielle Quelle für Teilergebnisse. Sollte Erdogan am Sonntag die absolute Mehrheit verlieren, müsste er am 8. Juli gegen den Zweitplatzierten in die Stichwahl.

HDP bangt um Zehn-Prozent-Hürde

Bei der Parlamentswahl waren am frühen Abend erst gut 12,5 Prozent der Stimmen ausgezählt. Nach diesen Teilergebnissen lag das von Erdogans islamisch-konservativer AKP geführte Regierungsbündnis mit 64,74 Prozent der Stimmen vorne. Auf Platz zwei kam demnach mit 25,57 Prozent das Oppositionsbündnis, dem unter anderem die Mitte-Links-Partei CHP angehört.

Die pro-kurdische HDP würde diesen Teilergebnissen zufolge mit 7,44 Prozent die Zehn-Prozent-Hürde verfehlen. Auch hier schrumpfte allerdings das AKP-Lager, während die Oppositionsparteien zulegten.

Opposition appelliert an Wahlbeobachter

Ince hatte seine Anhänger nach Schließung der Wahllokale aufgerufen, sich nicht von zunächst oftmals hohen Teilergebnissen von Anadolu für Erdogan "in die Irre führen" zu lassen. Experten bemängelten, dass dadurch Wahlbeobachter der Opposition bei der Auszählung der Stimmen entmutigt würden und womöglich frühzeitig nach Hause gingen. Ince forderte Wahlbeobachter dazu auf, unbedingt bis zum Vorliegen der unterschriebenen Ergebnisprotokolle an den Urnen zu bleiben.

Gleichzeitig bezeichneten hochrangige Vertreter der CHP die Teilergebnisse mit der absoluten Mehrheit für Erdogan als Wahlmanipulation. Nach den seiner Partei vorliegenden Teilergebnissen habe der amtierende Staatspräsident zu keiner Zeit 48 Prozent der Stimmen überschritten, sagte CHP-Sprecher Bülent Tezcan am Sonntagabend vor Journalisten in Ankara. "Das ist eine ganz offene Manipulation."(mc/dpa)

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