Seit dem Putschversuch vor knapp zwei Jahren wirft die türkische Regierung Deutschland vor, Anhängern der Gülen-Bewegung Schutz zu gewähren. Nun hat Ankara den "starken Verdacht", dass sich ein "Putschist" in Deutschland versteckt - angeblich mitten in Berlin.

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Vor den Wahlen in der Türkei droht neuer Streit mit Deutschland: Die türkische Regierung vermutet einen der Hauptdrahtzieher des gescheiterten Putsches von 2016 in der Bundesrepublik, wie Innenminister Süleyman Soylu nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu am Mittwochabend sagte.

Es gebe den "starken Verdacht", dass sich Adil Öksüz in Deutschland aufhalte. Anadolu hatte zuvor die konkrete Adresse der Berliner Wohnung veröffentlicht, in der sich Öksüz angeblich verstecken soll.

Die Türkei fordert die Auslieferung des Flüchtigen, der ein enger Vertrauter des in den USA lebenden Predigers Fethullah Gülen sein soll. Die türkische Regierung macht Gülen für den Putschversuch vom Juli 2016 verantwortlich. Gülen weist das zurück.

Cavusolglu mit Vorwürfen an Deutschland

Außenminister Mevlüt Cavusoglu hatte am Mittwoch nach Angaben von Anadolu gesagt: "Diese Person ist ein Putschist, und Deutschland ist sich dessen sehr bewusst." Sollte Öksüz in Deutschland gefasst werden, werde der Auslieferungsprozess beginnen.

Sollten deutsche Behörden Öksüz ausfindig machen und ihn nicht ausliefern, begebe sich Deutschland in dieselbe Position wie die USA. Bislang sind die USA Forderungen Ankaras nach einer Auslieferung Gülens nicht gefolgt. Der Fall belastet das bilaterale Verhältnis erheblich.

Der damalige Bundesaußenminister Sigmar Gabriel hatte bei einem Treffen mit Cavusoglu im Januar in Goslar gesagt, es stehe nicht fest, dass sich Öksüz in Deutschland aufhalte. Sollten ausreichende Beweise gegen Öksüz vorliegen, würden deutsche Behörden aktiv werden.

Ankara kritisiert immer wieder, dass Anhänger der Gülen-Bewegung nach dem Putschversuch Zuflucht in Deutschland gefunden haben. Nach der schweren Krise zwischen Berlin und Ankara im vergangenen Jahr hat sich das Verhältnis in den vergangenen Monaten etwas entspannt.

Welche Rolle Öksüz gespielt haben soll

Der Theologiedozent Öksüz soll nach Angaben türkischer Medien der oberste Verantwortliche der Gülen-Bewegung in der türkischen Luftwaffe gewesen sein.

Öksüz war nach der Niederschlagung des Putsches in der Nähe des Luftwaffenstützpunkts Akinci bei Ankara festgenommen worden, der eine wichtige Basis der Umstürzler war.

Er war dann aber unter Auflagen wieder freigelassen worden und außer Landes geflohen.

Anadolu berichtete am Donnerstag, Öksüz' Ehefrau sei in den USA gesehen worden. Gülen lebt im Exil in den USA.© dpa