Die Übergriffe auf Flüchtlingsheime in Deutschland haben ein dramatisches Ausmaß erreicht. Das geht aus einem vertraulichen Lagebild ("Straftaten gegen Asylunterkünfte") des Bundeskriminalamts (BKA) hervor.

Wie das Nachrichten-Magazin "Der Spiegel" berichtet, wurden allein in der ersten Jahreshälfte bundesweit 199 Übergriffe gezählt (Stichtag 6. Juli).

In seiner Analyse hat das BKA die Anschläge genauer untersucht und durch Erkenntnisse aus den Jahren 2012 bis 2014 vertieft. Es sei davon auszugehen, dass die "hetzerische Aufbereitung" des Flüchtlingsthemas "die Vorstellung einer völkischen Ideologie weiter verstärkt", heißt es in dem 19-seitigen Papier, aus dem der "Spiegel" zitiert.

Dass diese Vorstellungen inzwischen nicht nur auf extremistische Kreise beschränkt sind, zeigt nach "Spiegel"-Informationen der Blick auf die 341 Tatverdächtigen. Demnach konnten 148 namentlich ermittelt werden. Von ihnen waren lediglich 41 wegen ähnlicher Delikte schon vorher in Polizeiakten aufgetaucht, die Mehrheit hatte als völlig unbescholten gegolten; nur 32 Täter enthemmten sich mit Alkohol; knapp 100 Tatverdächtige waren jünger als 25 Jahre, 19 sogar jünger als 18 Jahre.

Das BKA stellt eine "drastische Erhöhung von Übergriffen" fest, schreibt das Magazin. Und weiter: 37 mal wurde Feuer gelegt oder mit Feuerwerkskörpern hantiert. Dabei sei die Entwicklung in den Bundesländern unterschiedlich. Während in Berlin die Zahl der Angriffe offenbar abnahm, zeigen vier Länder einen klaren Anstieg: Rheinland-Pfalz und Schleswig-Holstein, Niedersachsen und Sachsen. Das Thema Flüchtlingspolitik sei "geeignet", am rechten Rand der Gesellschaft "einen inhaltlich-ideologischen Konsens zu generieren", konstatiert das BKA. (far)