Steht die Ukraine vor der nächsten Revolution? Nach der Absage des Assoziierungsabkommens mit der EU und der Hinwendung des Landes zu Russland wollen die Proteste gegen Präsident Viktor Janukowitsch nicht abreißen. Russlands Präsident Wladimir Putin verurteilt die Demonstrationen mit scharfen Worten.

Putin sagte bei einem Besuch in Armenien, die Ereignisse in der Ukraine erinnerten ihn "mehr an ein Pogrom als an eine Revolution". Die Kundgebungen würden aus dem Ausland gesteuert und hätten "nicht viel mit den Beziehungen zwischen der Ukraine und der Europäischen Union zu tun".

Die ukrainische Regierung rückte die anhaltenden Oppositionsproteste in die Nähe eines Putsches. Ministerpräsident Asarow sprach von einem "unkontrollierbaren" Zustand im Land. Die Anführer der Kundgebungen bedienten sich "illegaler Methoden", sagte Asarow bei einem Treffen mit europäischen Botschaftern laut ukrainischen Nachrichtenagenturen. Den oppositionellen Politikern warf er vor, zur "Radikalisierung" der Proteste beigetragen zu haben, die einem "Staatsstreich" ähnelten.

Mehrere tausend Demonstranten forderten bei einer Kundgebung vor dem Parlament in Kiew die Abwahl der Regierung. Sicherheitskräfte der Sondereinheit Berkut (Steinadler) riegelten das Gebäude ab. Die Oberste Rada wollte auf Antrag der Opposition um Boxweltmeister Vitali Klitschko über einen Misstrauensantrag gegen Ministerpräsident Nikolai Asarow entscheiden. Dieser erhielt 186 von nötigen 226 Stimmen und ist damit gescheitert. Damit bleibt der Regierungschef der Ukraine weiter im Amt.

Im Regierungsviertel in Kiew blockierten erneut hunderte Demonstranten den Zugang zu den Ministerien. Auf dem zentralen Unabhängigkeitsplatz (Maidan) forderte Ex-Innenminister Juri Luzenko unterdessen die Menge auf, in ihren Protesten nicht nachzulassen. Trotz Temperaturen unter dem Gefrierpunkt hatten in Kiew mehrere tausend Oppositionsanhänger erneut die Nacht in Zelten verbracht.

Timoschenko bittet EU um Hilfe

Die inhaftierte Ex-Ministerpräsidentin Julia Timoschenko rief die Europäische Union zur Unterstützung der Regierungsgegner in der früheren Sowjetrepublik auf. Der Westen dürfe die "autoritäre Politik" von Präsident Viktor Janukowitsch nicht dulden, zitierte ihre Tochter Jewgenija Timoschenko aus einer Botschaft. Ihrer Mutter gehe es trotz eines achttägigen Hungerstreiks gut, sagte sie in einer Mitteilung von Timoschenkos Vaterlandspartei. Julia Timoschenko protestiert mit der Nahrungsverweigerung dagegen, dass die Führung um Janukowitsch ein Assoziierungsabkommen mit der EU auf Eis gelegt hat. (dpa/jfi)