Gibt sich Moskau mit der Krim zufrieden? Der Westen befürchtet, dass sich Russland auch andere Regionen einverleiben könnte. Die G7 hat Russland ausgesperrt und will den internationalen Druck auf Wladimir Putin weiter erhöhen. Die aktuellen Entwicklungen in der Ukraine im Ticker.

17:57 Eine russische Moderatorin hat sich antisemitisch geäußert. Nach Meinung von Evelina Zakamskaya seien die Juden am Holocaust selbst schuld gewesen. Das berichtet "Radio Free Europe". Die Moderatorin arbeitet bei dem staatlichen Fernsehsender "Rossiya 24 TV", der nach der Linie des Kremls verbreiten lässt, die neue Regierung in Kiew bestehe aus Faschisten und Antisemiten.

In einem Interview mit ihr behauptet der russische Autor Alexander Prohkanow, dass jüdische Organisationen aus Europa und Russland angeblich den Maidan unterstützen. "Verstehen sie nicht, dass sie damit einen zweiten Holocaust einleiten?", fragt Prohkanow. Zakamskaya antwortet darauf: "Sie haben es beim ersten Mal auch gemacht." Eine Erklärung, warum die Juden an dem Holocaust schuld sein sollen, lieferten allerdings weder die Moderatorin noch der Autor.

17:46 Deutsche Politiker kritisieren die Attacken von Julia Timoschenko gegen Russland. In einem mitgeschnittenen Telefonat hatte die ukrainische Politikerin geäußert, sie sei "bereit, eine Kalaschnikow zu nehmen und dem Dreckskerl (Putin) in den Kopf zu schießen". Der SPD-Außenpolitiker Niels Annen sagte der "Bild"-Zeitung: "Ich halte die hetzerischen Äußerungen von Frau Timoschenko für unverantwortlich. Sie geben Anlass zur Sorge, dass eine von Timoschenko geführte Regierung auf eine militärische Lösung setzen könnte."

Auch für CDU-Politiker Philipp Mißfelder sind Timoschenkos Äußerungen "inakzeptabel". "Dieser Vorfall zeigt erneut, dass wir auf die Kräfte im Land setzen sollten, die für Frieden stehen und keinen Hass sähen", so Mißfelder weiter.

17:12 US-Präsident Barack Obama verteilt verbale Ohrfeigen an Wladimir Putin. Auf einer Pressekonferenz beim Nukleargipfel in Den Haag griff Obama die russische Politik in der Ukraine scharf an und setzte Russland als "Regionalmacht" herab, "die ihre unmittelbaren Nachbarn bedroht, nicht aus Stärke, sondern aus Schwäche." Das Vorgehen Russlands sei für die USA aber nicht die größte Bedrohung für die nationale Sicherheit. Sie seien besorgter darüber, dass nukleare Waffen in Manhattan hochgehen könnten. "Wir sind mit Russland nicht in einen Krieg eingetreten, aber Russland ist isolierter als in der meisten Zeit des 20. Jahrhunderts, als es Teil der Sowjetunion war", sagte Obama weiter.

16:38 Investoren fliehen aus Russland: Der Ukraine-Konflikt hat schon jetzt negative Auswirkungen für Moskau. Der Kreml rechnet mit massiven Kapitalabflüssen. Vizewirtschaftsminister Andrej Klepach erwartet einem Bericht der "Financial Times" zufolge, dass im ersten Quartal bis zu 70 Milliarden US-Dollar (51 Mrd. Euro) abgezogen wurden. Das würde bedeuten, dass innerhalb von drei Monaten mehr Geld das Land verlassen hätte als im gesamten vergangenen Jahr. 2013 waren 63 Milliarden Dollar aus Russland abgeflossen.

Am stärksten verunsichere Investoren derzeit die Möglichkeit von verschärften wirtschaftlichen Sanktionen gegen Russland, sagte Experte Chris Weafer von der Moskauer Beratungsfirma Macro Advisory der "FT". Nach Einschätzung des Münchner Ifo-Instituts würden umfassende Wirtschaftssanktionen Russland deutlich stärker treffen als die EU. Nach Ifo-Berechnungen machen die Ausfuhren Russlands in die EU 15 Prozent der Wirtschaftsleistung des Landes aus. Umgekehrt seien es nur etwa 1 Prozent. Auch der Rubel hat deutlich an Wert verloren.

15:49 Die Ukraine will einen Milliarden-Kredit vom Internationalen Währungsfond (IWF). Das nahezu bankrotte Land hofft in den Verhandlungen mit dem IWF auf mindestens 15 Milliarden US-Dollar (10,86 Milliarden Euro) Kredit. Die Höhe der IWF-Soforthilfe könne sogar bis zu 20 Milliarden Dollar betragen, sagte Finanzminister Alexander Schlapak vor einer Kabinettssitzung in Kiew. "Hoffentlich können wir morgen die letzten Hürden beseitigen." Schlapak räumte zugleich ein, dass sich der IWF zuvor mit anderen potenziellen Geldgebern abstimmen wolle. Die Ukraine steht allein beim Nachbarn Russland nach Moskauer Angaben mit rund 16 Milliarden Dollar in der Kreide.

14:25 Die Krim-Krise erschwert Russland die Kapitalaufnahme. Der Kreml hat die vierte Auktion von Staatsanleihen in Serie abgesagt. In einer auf der Internetseite veröffentlichten Mitteilung begründet das Finanzministerium die Entscheidung mit "unvorteilhaften Marktbedingungen". Investoren ziehen massiv Kapital aus Russland ab, das treibt die Zinsen in die Höhe. Russische Experten sagen jedoch, dass das Land derzeit nicht auf frische Mittel angewiesen sei. Dmitry Dudkin, der die Anleihenanalyse des Finanzunternehmens UralSib in Moskau leitet, erklärte, die Regierung könne bis zur Jahresmitte ohne Anleiheauktionen auskommen.

12:59 Die Ukraine hat nach dem Verlust ihrer Halbinsel Krim an Russland einen neuen Verteidigungsminister. Das Parlament in Kiew bestätigte als neuen Ressortchef am Dienstag den Generaloberst Michail Kowal. Der bisherige Verteidigungsminister Igor Tenjuch hatte zuvor seinen Rücktritt eingereicht, dem die Oberste Rada zuerst nicht, dann aber angesichts der neuen Personalie doch zustimmte. Interimspräsident Alexander Turtschinow bot zudem seinen Rücktritt an. Die Abgeordneten lehnten aber einen von ihm selbst eingereichten Misstrauensantrag bei zwei Gegenstimmen ab. Der Ex-Profiboxer und Parlamentsabgeordnete Vitali Klitschko hatte die Entlassung Turtschinows verlangt, der auch Parlamentspräsident ist. Zwei Monate vor der Präsidentenwahl kritisierte Kandidat Klitschko, die Regierung arbeite ineffektiv. Zudem würden nicht alle an der Koalition beteiligten Kräfte, darunter seine Partei Udar (Schlag), in die Entscheidungen einbezogen.

12:12 Der ukrainischen Verteidigungsminister Igor Tenjuch ist nun offziell zurückgetreten. Auch das ukrainische Parlament stimmte dem zu. Bereits am Vormittag hatte Tenjuch seinen Rücktritt eingereicht, da hatte das Parlament in Kiew noch abgelehnt.

11:09 Julia Timoschenko äußert sich bei Twitter zu dem abgehörten und bei Youtube veröffentlichten Telefonat, bei dem sie drohte, "Putin in den Kopf zu schießen". Die ukrainische Politikerin bestätigte die Echtheit des Mitschnitts in weiten Teilen. Sie widersprach aber Angaben, wonach sie in dem Gespräch vom 18. März den Einsatz von Atomwaffen gegen die russische Minderheit in der Ukraine gefordert habe. An dem Tag hatte Putin den Vertrag über die Aufnahme der völkerrechtlich zur Ukraine gehörenden Halbinsel Krim in die Russische Föderation unterzeichnet. Außerdem habe sie nicht gesagt, die etwa acht Millionen Russen in der Ukraine umbringen zu wollen, sondern dass diese "Ukrainer" seien.

Eine Kandidatur Timoschenkos bei der Präsidentenwahl am 25. Mai in der Ukraine gilt als wahrscheinlich. Kritiker schlossen nicht aus, dass der zunächst von russischen Staatsmedien aufgegriffene Mitschnitt ein Teil von Timoschenkos Wahlkampagne ist. Damit wolle sich die 53-Jährige, der immer wieder enge Bande mit Putin vorgeworfen werden, als Nationalistin beweisen und im antirussisch geprägten Westen des Landes Stimmen sammeln.

10:52 Der Ultranationalist Alexander Musytschko soll bei einem Festnahmeversuch getötet worden sein. Wie zuvor berichtet, wurde der Anführer der rechtsextremen Gruppe "Rechter Sektor" erschossen. Örtliche Medien berichteten, Musytschko sei nahe der Stadt Rowno überwältigt und dann mit Schüssen in die Brust hingerichtet worden. Das Innenministerium in Kiew betonte hingegen, der unter dem Kampfnamen "Saschko Bilyj" bekannte Aktivist habe bei der Polizeiaktion in der Westukraine selbst das Feuer eröffnet. Bei dem Einsatz wurden unterschiedlichen Angaben zufolge drei oder fünf weitere Mitglieder des Rechten Sektors festgenommen sowie ein Polizist verletzt. Musytschko soll in den 1990er Jahren im tschetschenischen Bürgerkrieg gegen moskautreue Truppen gekämpft haben und war von Russland international zur Fahndung ausgeschrieben. In der Ukraine war wegen zahlreicher Verbrechen wie Schutzgelderpressung gegen ihn ermittelt worden. Zuletzt war Musytschko als Koordinator des Rechten Sektors im Westen der Ex-Sowjetrepublik für die Mobilisierung neuer Einheiten der paramilitärischen Organisation zuständig.

10:01 Nach dem Verlust der Schwarzmeerhalbinsel Krim hat der kommissarische Verteidigungsminister Igor Tenjuch seinen Rücktritt eingereicht. Das Parlament lehnte allerdings am Dienstag das Gesuch ab. Tenjuch war massiv kritisiert worden, nachdem sich die Truppen auf der abtrünnigen Krim über fehlende Befehle aus Kiew beschwert hatten. Am Vortag hatte dann Interimspräsident Alexander Turtschinow den Abzug von der von Russland kontrollierten Halbinsel ins Kernland angeordnet. Insgesamt würden etwa 6500 ukrainische Soldaten und ihre Familien von der Krim in Sicherheit gebracht, sagte Tenjuch.

8:37 Schwere Foltervorwürfe gegen pro-russische Milizen auf der Krim: Zwei ukrainische Aktivisten seien von moskautreuen Einheiten verschleppt und tagelang misshandelt worden, teilt die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) mit. "Seit Wochen dürfen irreguläre bewaffnete Einheiten auf der Halbinsel Amok laufen ohne offensichtliche legale Befugnis", sagte HRW-Experte Hugh Williamson. Dies habe auf der von der Ukraine abtrünnigen Krim zu "Unsicherheit, mutwilligen Festnahmen, Verschleppungen sowie Folter" geführt. Die ukrainischen Aktivisten Andrej Schtschekun und Juri Schewtschenko waren nach eigenen Angaben von Mitgliedern der moskautreuen Bürgerwehr gequält worden. Die Männer hätten einen Teil von Schewtschenkos rechtem Ohr abgeschnitten und ihm in die Beine geschossen, berichten ukrainische Medien.

7:55 Ein Telefonmitschnitt bringt die ukrainische Präsidentschaftskandidatin Julia Timoschenko in Erklärungsnot. In dem Telefonat, welches im Internet veröffentlicht wurde, schimpft sie in drastischer Sprache über Russlands Machthaber Wladmir Putin: "Ich bin bereit, eine Maschinenpistole zu nehmen und diesem Bastard (Putin) in den Kopf zu schießen", sagte Timoschenko im Gespräch mit Nestor Schufrytsch, dem Ex-Vizesekretär des Nationalen Sicherheits- und Verteidigungsrates der Ukraine. Das berichtet "Focus Online".

Das Telefonat soll vor etwa einer Woche kurz nach der offiziellen Annektierung der Krim durch Russland stattgefunden haben. "Es ist Zeit, dass wir unsere Gewehre nehmen und diese verdammten Russen abknallen, gemeinsam mit ihrem Führer." Auf die Frage Schufrytschs, was nun mit den "acht Millionen Russen, die in der Ukraine geblieben sind" zu tun sei, antwortete Timoschenko: "Man sollte sie mit Nuklearwaffen erledigen." Die ukrainische Präsidentschaftskandidatin soll sich inzwischen für ihre Wortwahl entschuldigt haben.

7:30 Einer der Anführer der rechtsextremen Partei "Rechter Sektor" ("Prawy Sektor") soll in der Ukraine von Unbekannten ermordet worden sein. Das melden verschiedene lokale Medien unter Berufung auf einen Abgeordneten des ukrainischen Parlaments. Demnach soll Alexander Musytschko, der sich auch "Sascha der Weiße" nannte, nahe der westukrainischen Stadt Rivne von unbekannten bewaffneten Männern entführt und erschossen worden sein.

7:15 Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) steht wegen ihrer Forderung nach einer stärkeren Rolle der Nato im Konflikt um die Ukraine weiter in der Kritik - auch in der eigenen Partei. Der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses im Bundestag, Norbert Röttgen (CDU), stellte klar, "dass es auf das militärische Agieren Putins (des russischen Präsidenten) vom Westen keine militärische Antwort geben wird". Der "Neuen Westfälischen" sagte er: "Daran wird und darf es keinen Zweifel geben."

Von der Leyen hatte mit Blick auf die Krim-Krise erklärt: "Jetzt ist für die Bündnispartner an den Außengrenzen wichtig, dass die Nato Präsenz zeigt." Später betonte sie, es gehe nicht darum, Truppen in die baltischen Staaten zu verlegen.

Die Entwicklungen des gestrigen Tages können Sie in unserem Ticker-Archiv nachlesen.