Eskaliert der Konflikt zwischen Russland und der Ukraine? Russland hat die Krim offiziell aufgenommen, der Westen ist empört. Die Regierung in Kiew hält die "militärische Phase" des Konflikts mit Russland jetzt für angebrochen. Die Diskussion um härtere Sanktionen gegen Russland geht weiter. Verfolgen Sie in unserem Ticker die aktuelle Entwicklung in dem osteuropäischen Krisengebiet.

21:05 Nach dem international nicht anerkannten Beitritt der Krim zu Russland will die Ukraine eine Visapflicht für Russen einführen. Der nationale Sicherheitsrat in Kiew beauftragte das Außenministerium, entsprechende Schritte einzuleiten. Das sagte der Chef des Gremiums, Andrej Parubij, der Agentur Interfax zufolge. Die Regelung würde Millionen Menschen in Russland betreffen, die Verwandte in der Ukraine haben. Aber auch jene Einwohner der abtrünnigen Krim, die ihren ukrainischen Pass gegen einen russischen eintauschen.

Eine Demonstrantin berichtet aus dem Protestcamp in Kiew.

20:18 Das Parlament in Moskau stimmt am Donnerstag über die Aufnahme der Krim in die Russische Föderation ab. Die Staatsduma will in einer Sondersitzung den Beitrittsvertrag ratifizieren, den Präsident Wladimir Putin und die moskautreue Führung der Krim am Dienstag unterzeichnet hatten. Es wird allgemein mit einer überwältigenden Zustimmung gerechnet. Die prowestliche Regierung der Ukraine kritisiert im Einklang mit der Europäischen Union und den USA das Vorgehen Russlands als Verstoß gegen das Völkerrecht.

19:27 Die Ukraine stellt die Weichen für den Abzug ihrer Soldaten von der durch prorussische Kräften besetzten Krim. Der Sicherheitsrat in Kiew beauftragte das Kabinett, einen entsprechenden Plan auszuarbeiten. Die Maßnahme sei nur vorübergehend, kündigte der Chef des Gremiums, Andrej Parubij, am Mittwochabend der Agentur Unian zufolge an. Zudem befahl der Rat, die Ausreise derjenigen Ukrainer vorzubereiten, welche die Krim nach dem international nicht anerkannten Beitritt zur Russischen Föderation verlassen wollten. Das ukrainische Militär sowie die Einheiten des Innenministeriums wurden zudem in volle Kampfbereitschaft versetzt.

In einer Rede vor dem Parlament hat der russische Präsident Wladimir Putin die Krim zum Teil seines Landes erklärt – und den Westen scharf attackiert. Die Russland-Expertin Margarete Klein erklärt im Gespräch die Hintergründe der neuen Provokation und was der Westen jetzt tun sollte.

18:31 Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) hat angesichts der Krim-Krise ein Geschäft des Rüstungskonzerns Rheinmetall mit der russischen Armee vorerst gestoppt. "Die Bundesregierung hält in der gegenwärtigen Lage die Ausfuhr des Gefechtsübungszentrums nach Russland für nicht vertretbar", teilte das Wirtschaftsministerium am Mittwochabend auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur mit. Das Geschäft hat eine Größenordnung von etwa 120 Millionen Euro.

17:17 Friedensnobelpreisträger Michail Gorbatschow, Gründer der kremlkritischen russischen Zeitung "Nowaja Gaseta" und einer der Väter der Deutschen Einheit, fordert den Westen auf, den Willen der Krim-Bewohner zu akzeptieren - und von weiteren Spannungen abzusehen.

Michail Gorbatschow hatte bereits am Montag das umstrittene Referendum über den Anschluss der Krim an Russland gelobt: "Die Menschen (auf der Halbinsel) wollen es, und das bedeutet, dass man ihnen entgegenkommen muss", sagte der frühere Sowjetpräsident der Agentur Itar-Tass zufolge in Moskau. Die Bevölkerung habe die Gelegenheit gehabt, in einem Referendum ihre Meinung zu sagen. "Das ist gut", betonte Gorbatschow. Zuvor hatte er den damaligen Präsidenten Boris Jelzin (1931-2007) kritisiert, weil dieser bei der "Zerstörung der Sowjetunion" 1991 keine tragfähige Lösung für die Krim gefunden habe.

16:21 Nach der ukrainischen Krim-Marinebasis haben pro-russische Kämpfer auch den Militärstützpunkt Nowoosjornoje im Osten der Halbinsel eingenommen. Reporter der Nachrichtenagentur AFP beobachteten nach eigenen Angaben, wie rund 50 ukrainische Soldaten unter russischer Aufsicht den Stützpunkt verließen. Zeitgleich hissten die Milizen die russische Flagge. Auch hier fielen keine Schüsse.

Einen "großen Auftritt" hat Russlands Präsident Wladimir Putin für seine Rede im Kreml gewählt. Die internationale Presse sieht in seinem rhetorischen Rundumschlag nicht nur ungewöhnlich viel Emotionalität, sondern auch ein wenig "Beleidigtsein" und "Angst um seine eigene Herrschaft".

15:30 Die Bundesregierung rechnet vorerst nicht mit schärferen Sanktionen gegen Russland. "Nach heutigem Stand" sei nicht zu erwarten, dass der EU-Gipfel an den kommenden beiden Tagen deutlich härtere Strafmaßnahmen beschließen werde, hieß es aus Regierungskreisen. Gesprochen werde voraussichtlich über zusätzliche Maßnahmen der Stufe zwei, also über Reisebeschränkungen und das Einfrieren von Konten.

15:07 Wegen der Krim-Krise will UN-Generalsekretär Ban Ki Moon kurzfristig nach Russland und in die Ukraine reisen. Ban werde morgen Präsident Wladimir Putin, Außenminister Sergej Lawrow und andere hochrangige Politiker in Moskau treffen, hieß es von den Vereinten Nationen in New York. Einen Tag später wolle er in Kiew mit Übergangspräsident Alexander Turtschinow, Arseni Jazenjuk und anderen Offiziellen sprechen. Zudem werde er mit UN-Menschenrechtsbeobachtern die Situation beraten.

14:40 Der ukrainische Präsidentschaftskandidat Vitali Klitschko fordert einen Abzug ukrainischer Truppen von der Krim: Klitschko sagte der "Bild"-Zeitung (Donnerstagausgabe): "Die Situation spitzt sich durch russische Provokationen immer weiter zu, die Nachricht des getöteten ukrainischen Soldaten hat uns schwer erschüttert. Die russischen Kräfte sind durch die Invasion auf der Krim klar in der Überzahl. Wir müssen jetzt dafür sorgen, dass unsere Soldaten geschützt und an sichere Orte außerhalb der Krim gebracht werden."

14:19 Die Bundesregierung verteidigt die geplante Unterzeichnung von Teilen des Assoziierungsabkommens zwischen der Europäischen Union und der Ukraine. Der für Freitag vorgesehene Schritt sei "ein wichtiges Signal der Unterstützung" für das Land und ein "deutliches Signal an Russland", sagte Regierungssprecher Steffen Seibert. Zuvor hatte das Bundeskabinett grünes Licht unter anderem für die Teile des Abkommens zur Außen- und Sicherheitspolitik gegeben.

13:47 Die ukrainische Oppositionsführerin Julia Timoschenko hat die Berliner Charité verlassen und sich auf den Weg nach Kiew gemacht. Das berichtet die "Bild"-Zeitung per Twitter. Erst gestern hatte die frühere Regierungschefin der Ukraine Russlands Präsident Wladimir Putin mit drastischen Worten angegriffen und ihm "faschistische Propaganda" vorgeworfen.

13:30 Droht Russland die totale internationale Isolation? Der britische Premierminister David Cameron bringt einen permanenten Ausschluss Russlands aus der Gruppe der G8-Staaten ins Gespräch. Sollte die russische Regierung in der Ukraine weitere Schritte unternehmen, müsse mit den Verbündeten darüber gesprochen werden, sagt er. Indes sieht US-Vizepräsident Joe Biden Russland auf einem "finsteren Weg" in die Isolation, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters. Die USA würden auf jeden aggressiven Akt gegen seine Nato-Verbündeten reagieren, sagt er in Litauen.

12:25 Pro-russische Milizen haben nach Angaben der Regierung in Kiew einen weiteren ukrainischen Militärstützpunkt auf der Krim angegriffen. Das meldet der Nachrichtensender N24. Wie ein Sprecher des Verteidigungsministeriums in Kiew mitteilte, griffen die Milizen den Stützpunkt in Nowoosjornoje im Westen der Halbinsel an.

11:55 Das Hauptquartier der ukrainischen Marine auf der Krim ist unter Kontrolle pro-russischer Kräfte. Nach mehr als 30 Soldaten hätten auch die Kommandeure den Stützpunkt verlassen, meldete die Agentur Interfax.

11:35 Ukrainische Soldaten verlassen die am Morgen von pro-russischen Milizen erstürmte Marine-Basis in Sewastopol. Sie wurden von der Besetzung durch rund 200 vermummte, aber unbewaffnete pro-russische Soldaten offenbar völlig überrascht: Marinechef Sergej Gajduk habe sich im Jogginganzug gestellt. Es habe weder Gewalt noch Verletzte gegeben. An der Stelle, an der zuvor eine ukrainische Flagge hing, hissten die Besetzer die russische Fahne. Einem ukrainischen Soldaten standen Tränen in den Augen, als er die Basis verließ und die Fahne sah.

11:15 Die russische Luftwaffe startet ein großangelegtes Manöver im Nordwesten des Landes, wie Interfax unter Berufung auf Militärkreise berichtet. Demnach nehmen an den Übungen Kampfjets und Bomber teil.

11:01 Deutschland müsste härtere ökonomische Sanktionen gegen Russland nicht fürchten: Unsere Abhängigkeit vom russischem Gas ist offenbar deutlich weniger stark, als allgemein angenommen. Deutschland könne ohne russisches Gas leben, sagte Philipp Missfelder, außenpolitischen Sprecher der CDU/CSU-Fraktion, in einem Interview mit CNN International: "Wenn die Russen die Gasversorgung stoppen, oder wenn wir Sanktionen auf den Gas- und Ölsektor erheben, werden wir dennoch in der Lage sein, auf den vernetzten europäischen Energiemarkt zurückzugreifen – auch wenn das bedeuten würde, dass die Preise für die Energieversorgung in Deutschland steigen (...) Für das politische Kalkül ist es gut zu wissen, dass wir unabhängig von russischem Gas sind."

Ähnlich äußerte sich EU-Energiekommissar Günther Oettinger. Es gebe täglich Kontakte zu russischen Energieunternehmen, namentlich zu Gazprom auf höchster Ebene. "Wir sind uns einig, dass Gaslieferungen für diesen politischen Konflikt doch eher ungeeignet sind", sagte er am Rande des Wirtschaftsgipfels der Tageszeitung "Die Welt".

10:35 Das russische Verfassungsgericht hat die Angliederung der Krim an Russland als legal eingestuft. Der von Präsident Wladimir Putin unterzeichnete Vertrag sei verfassungsgemäß, urteilte das Gericht nach eigenen Angaben. Die Entscheidung fiel einstimmig, meldet die Nachrichtenagentur AFP.

10:15 Das hochmoderne US-Kriegsschiff "Truxtun" beginnt sein eintägiges Manöver im Schwarzen Meer. Gemeinsam mit der bulgarischen und rumänischen Marine soll der Lenkwaffenzerstörer eine Routinemission durchführen, teilt die US-Navy mit. Ein Sprecher ergänzte jedoch: Die Übung "gibt uns die Möglichkeit, unseren NATO-Verbündeten zu versichern, dass wir sie unterstützen".

09:29 Nicht alle Nationen verurteilen die Annexion der Krim durch Russland: Kasachstans Außenministerium erklärt, das Referendum auf der Halbinsel sei eine "freie Willensbekundung des Volkes" gewesen. Venezuelas Präsident Nicolas Maduro greift hingegen den Westen hart an: "Sie wollen Russland umzingeln, um es zu schwächen, zu zerstören", so der Nachfolger von Hugo Chavez.

08:37 Auf der Krim sind pro-russische Uniformierte auf das Gelände des Hauptquartiers der ukrainischen Marine in Sewastopol vorgedrungen. Dutzende zum Teil Maskierte hissten am Mittwochmorgen die russische Flagge. Mehrere ukrainische Soldaten sollen sich verbarrikadiert haben. Der Oberkommandeur der in Sewastopol stationierten russischen Schwarzmeerflotte, Alexander Witko, verhandele über eine friedliche Übergabe, meldeten russische Agenturen. Medien in Kiew berichteten, unter den Angreifern seien auch Frauen. Zuvor hatte das ukrainische Verteidigungsministerium die Erlaubnis zum Waffeneinsatz zur Selbstverteidigung erteilt.

08:16 Moskau vollzieht nach Unterzeichnung des umstrittenen Vertrags über den Anschluss der Schwarzmeerhalbinsel Krim an Russland die nächsten Schritte. Der Vertrag ging im Verfassungsgericht in St. Peterburg zur Prüfung ein, wie die Behörde am Mittwoch mitteilte. Anschließend sollen die Staatsduma und der Föderationsrat das am Dienstag von Kremlchef Wladimir Putin und der moskautreuen Krim-Führung in Moskau unterzeichnete Dokument ratifizieren.

08:04 Nach der EU, den USA und Japan hat auch Australien wegen der Annexion der Krim Sanktionen gegen Russland verhängt. Die Regierung veranlasste am Mittwoch Kontensperrungen und Einreiseverbote für zwölf Funktionäre. Außenministerin Julie Bishop nannte die Namen der Betroffenen nicht. "Internationales Recht erlaubt nicht den Diebstahl von Territorium eines anderen Staates auf der Basis eines Referendums, das weder als frei noch als fair beurteilt werden kann", sagte Bishop im Parlament in Canberra. "Ich verurteile die Gewalt gegen die Ukraine und ihre Bürger auf das Schärfste."

07:51 Die frühere ukrainische Regierungschefin Julia Timoschenko hat Russlands Präsident Wladimir Putin mit drastischen Worten angegriffen. Mit seiner Kreml-Rede habe Putin der Ukraine und dem Westen die Botschaft übermittelt: "Ich schere mich einen Dreck um euch", sagte Timoschenko der "Bild"-Zeitung. In dem Interview bezeichnete Timoschenko Putins Rede als "faschistische Propaganda". Putin lege es darauf an, "die Welt zu zerstören" und wende dabei "Kriegsmethoden" an. Nach der Kreml-Rede könne "niemand bestreiten, dass dieser Mann psychische Probleme hat", sagte Timoschenko über Putin.

Indirekt verglich die frühere ukrainische Regierungschefin Russland Präsidenten mit Adolf Hitler. Sie glaube, die Welt habe "seit 1938 keine Rede mehr gehört wie die, die Putin gestern hielt", sagte Timoschenko. "Die Neuzeichnung von Weltkarten durch Kriege, Massenmord und Blut wird zu seinem "Mein Kampf", sagte Timoschenko weiter. Timoschenko kündigte an, die Ukrainer würden ihr Land "verteidigen – koste es, was es wolle". Das ukrainische Volk werde "nicht zulassen, dann irgendjemand unser Land angreift", sagte sie.

07:34 Trotz internationaler Proteste gegen das russische Vorgehen in der Krim-Krise hält Rheinmetall Defence an einem Rüstungsgeschäft mit dem Land fest. Das Unternehmen komme seinen vertraglichen Verpflichtungen nach, sagte ein Sprecher des Rüstungskonzerns der "Neuen Osnabrücker Zeitung". Ein Gefechtsübungszentrum bei Mulino soll demnach noch in diesem Jahr dem russischen Heer übergeben werden. Im Moment sehe man keine Risiken für eine termingerechte Lieferung und wolle über die Folgen einer etwaigen weiteren Verschlechterung der Beziehungen zu Russland nicht spekulieren, sagte der Sprecher weiter. Das Volumen des im Jahr 2011 von Russland erteilten Auftrages beträgt dem Bericht zufolge 100 Millionen Euro.

07:14 Die EU-Kommission will heute Details ihrer geplante Finanzhilfe für die Ukraine vorstellen. Das Land soll in einem ersten Schritt 1,6 Milliarden Euro erhalten. Die Ukraine steht nach Angaben der Regierung in Kiew vor der Pleite. Die EU hatte deswegen Anfang März ein Milliardenpaket geschnürt, mit dem es der Ukraine unter die Arme greifen will. Insgesamt will Brüssel das Land in den kommenden Jahren mit elf Milliarden Euro unterstützen, und zwar in Form von Zuschüssen und Krediten.

07:10 US-Außenminister John Kerry strebt in der Krim-Krise nach eigenen Angaben weiter nach einer diplomatischen Lösung. "Unsere Hoffnung ist, dass wir einen Ausweg finden können", sagte er am Dienstag vor Studenten in Washington. Allerdings habe ihn die Rede an die Nation des russischen Präsidenten Wladimir Putin überrascht und enttäuscht. "Das war heute sehr konfrontativ und sehr triumphierend über einen Bruch internationalen Rechts. Und ich glaube, dass die Menschen darüber zutiefst besorgt sind." Komme es zu einer "Annexion" der Halbinsel Krim durch Russland, gebe es keine andere Wahl, als die Regeln der internationalen Gemeinschaft durchzusetzen, sagte er.

07:07 Hunderttausende haben in Russland am Dienstagabend die Eingliederung der Krim gefeiert. Allein auf dem Roten Platz in Moskau versammelten sich nach Angaben des Innenministeriums rund 120.000 Menschen zu einem Konzert. Allen Protesten und Strafmaßnahmen des Westens zum Trotz hatte Präsident Wladimir Putin den Vertrag über die Aufnahme der völkerrechtlich zur Ukraine gehörenden Halbinsel in die Russische Föderation unterzeichnet. Ein Zwischenfall mit zwei Toten schürt inzwischen Ängste vor einer bewaffneten Auseinandersetzung.

07:03 Das Bundeskabinett befasst sich heute mit dem Assoziierungsabkommen der Europäischen Union mit der Ukraine. Der erste, politische Teil des Abkommens soll bei dem am Donnerstag beginnenden EU-Gipfel in Brüssel unterzeichnet werden. Zudem sollen der Ukraine Zollerleichterungen eingeräumt werden. (jfi/men/dpa)

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