Der Anführer der ukrainischen Opposition Vitali Klitschko erwartet in den nächsten Tagen mehr Demonstranten auf den Straßen als bei der orangenen Revolution 2004. In einem Gastbeitrag für eine Boulevard-Zeitung schildert der Box-Weltmeister seine Eindrücke aus Kiew.

Der Oppositionsführer schreibt in der "Bild"-Zeitung: "Ich erwarte in den nächsten Tagen Millionen Menschen auf der Straße, mehr als je zuvor. Wenn es so weitergeht, werden auf den Straßen sogar bald mehr Menschen demonstrieren als bei der orangenen Revolution."

Klitschko kritisierte in dem Beitrag Präsident Janukowitsch so scharf wie bisher noch nie. Vitali Klitschko schreibt: "Janukowitsch klammert sich weiter feige allein an Russland, benimmt sich wie eine Marionette Putins, weil ihm offenbar Unterstützung für den Wahlkampf zugesagt wurde. Dass die Regierung jetzt 20 Milliarden Euro von der EU fordert [...] ist ein Ablenkungsmanöver. Janukowitsch kann und will sich nicht für die EU öffnen."

Vitali Klitschko spricht von Überfall

Klitschko schildert in der "Bild" auch, wie er die Auseinandersetzungen mit den Sicherheitskräften in der Nacht zu Mittwoch wahrgenommen hat. Klitschko: "Es war wie ein Überfall für uns mitten in der Nacht. Die Regierung hatte am Nachmittag noch so getan, als wolle sie einen runden Tisch mit uns. Aber dann zeigte Präsident Janukowitsch wieder sein wahres Gesicht: Er schickte seine Schergen auf den Unabhängigkeitsplatz."

Vitali Klitschko weiter: "Es war eine Horror-Nacht für alle Demonstranten, auch für mich. Die Sicherheitskräfte schlugen Zelte kaputt, trieben Demonstranten mit Schlagstöcken auseinander. Es war eine eisige Stimmung bei Minus neun Grad - und eine Jagd der Regierung auf friedliche Menschen. Dass die Polizei am Ende abgezogen wurde, liegt nur daran, dass wir mittlerweile viel zu viele für sie sind." (cfl)