So ungerecht ist Deutschland: 15 alarmierende Fakten

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Die Reichen werden reicher, die Armen ärmer. Das ist die schlichte Wahrheit hinter der Entwicklung der Einkommen und Vermögen in Deutschland. 15 Fakten, die das Ausmaß der sozialen Ungleichheit zeigen.

So weit die offiziellen Zahlen. Doch Superreiche fallen bei Stichproben häufig durchs Raster. Das Institut für Wirtschaftsforschung hat deshalb die Daten der EZB-Vermögenserhebung mit der Reichen-Liste des "Manager Magazins" kombiniert und herausgefunden: In Deutschland besitzen die 45 reichsten Haushalte so viel wie die ärmere Hälfte der Bevölkerung.
In dieser ärmeren Hälfte hat jeder Erwachsenen im Durchschnitt weniger als 17.000 Euro angespart. Dafür kann man sich gerade einmal einen VW Golf leisten - oder drei Quadratmeter Neubauwohnung in Frankfurt am Main.
Gut ein Fünftel aller Erwachsenen in Deutschland verfügt über gar kein nennenswertes Vermögen.
Auch im Vergleich zu anderen Ländern der Euro-Zone schneidet Deutschland damit bei der Vermögensverteilung schlecht ab.
Ein Grund für die Vermögensungleichheit ist das Auseinanderdriften der Einkommen: Unter Berücksichtigung der Kaufkraft verdiente das untere Zehntel der Einkommensskala 2016 rund 14 Prozent weniger als 1999, das oberste Zehntel 17 Prozent mehr.
Über sechs Millionen Menschen sind aus der Mittelschicht herausgefallen: Ein Viertel ist aufgestiegen, drei Viertel sind abgestiegen.
Ein anderer Aspekt ist die Chancenungleichheit des Bildungssystems: Während an Hauptschulen im Schnitt jeder Zweite aus einer Einwandererfamilie stammt, ist es am Gymnasium nur jeder Vierte.
70 Prozent der Akademiker-Kinder besuchen eine Universität, aber nur 20 Prozent der Arbeiterkinder. Nicht immer entscheidet der Bildungsabschluss über das spätere Einkommen. Meist aber gilt die Formel "je besser die Ausbildung desto höher das Gehalt".
Für die Vermögensbildung weit entscheidender als das Gehalt sind jedoch die Kapital-Einkünfte aus Wertpapieren und Immobilien. Hierbei befeuern die geltenden Steuergesetze die soziale Ungleichheit.
Anders als bei der progressiven (schrittweise steigender) Einkommensteuer werden Aktiengewinne in Deutschland pauschal mit einer Abgeltungssteuer von 25 Prozent gedeckelt.
Auch die Erbschaftssteuer begünstigt Vermögende: Ein Elternteil kann bis zu 400.000 Euro steuerfrei an seine Kinder vererben oder verschenken - und zwar alle zehn Jahre. Wenn Vater und Mutter gleich nach der Geburt mit dem Schenken loslegen, können sie ihrem Kind bis zum 20. Lebensjahr gemeinsam also 2,4 Millionen Euro übertragen. Kapital, das sich ohne Gegenleistung des Beschenkten aus sich selbst allein durch Zinsen weiter vermehrt - und zwar über Generationen hinweg.
So kommt es, dass fast ein Drittel des gesamten Privatvermögens in Deutschland nicht von den Eigentümern selbst erarbeitet, sondern leistungslos ererbt wurde. Als im Jahr 2016 Forscher der Uni Potsdam 150 Menschen mit einem Vermögen von mindestens einer Million Euro nach der Geldquelle befragten, gaben zwei Drittel an, dass nicht Arbeit, sondern allein Erbschaften und Schenkungen ein wesentlicher Grund für ihr Vermögen seien.
Dass Immobilien in den Städten, vor allem in den Ballungszentren, in den vergangenen Jahren massiv an Wert hinzugewonnen haben, hat die Ungleichverteilung obendrein befeuert.
So ist es in Deutschland in den vergangenen Jahrzehnten deutlich schwerer geworden, den sozialen Aufstieg zu schaffen. Einziger - wenn auch schwacher - Trost: In anderen Ländern, darunter Großbritannien, Frankreich, Italien und USA, ist der Weg vom Tellerwäscher zum Millionär noch steiniger. Doch um diese Sphären geht es bei sozialer Ungleichheit ohnehin nicht - es geht vielmehr um die Diskrepanz zwischen Einkommen aus Arbeit und leistungslosem Einkommen aus sich selbst vermehrenden Kapital.
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