Der ehemalige US-Präsident Barack Obama veröffentlicht am Dienstag seine Memoiren. Darin blickt der Vorgänger von Donald Trump kritisch auf die Entwicklungen in der US-Politik. In einem auf "Spiegel.de" vorab erschienen Ausschnitt erzählt er außerdem, wie er sich das erste Mal mit Trump konfrontiert sah.

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Auf 768 Seiten erscheint am kommenden Dienstag der erste Band der Memoiren des ehemaligen US-Präsidenten Barack Obama zu seiner Amtszeit im Weißen Haus. Unter dem Titel "A Promised Land" blickt der demokratische Politiker nach ersten Vorabmeldungen amerikanischer Medien kritisch auf die Entwicklungen der US-Politik seit 2008. Zeitgleich erscheint auch die deutsche Übersetzung unter dem Titel "Ein verheißenes Land".

In einer Besprechung für die "New York Times" schrieb die nigerianische Schriftstellerin Chimamanda Ngozi Adichie, dem Autor gehe es mehr um Politik als um persönliche Dinge - "aber wenn er über seine Familie schreibt, geschieht dies mit einer fast nostalgischen Schönheit".

Die undatierte Aufnahme, am 17.09.2020 vom Verlag Penguin Random House herausgegebene Aufnahme, zeigt den Einband des Buches «A Promised Land» («Ein gelobtes Land»), den Memoiren des ehemaligen US-Präsidenten Barack Obama. (zu dpa: «Obama veröffentlicht Memoiren - US-Politik unterm Brennglas»)

Seine Erinnerungen an die frühen Jahre in Honolulu und Chicago und den Beginn der politischen Karriere hat Obama bereits in zwei Büchern festgehalten, die 1995 und 2006 erschienen. Nun erfahren Obamas Leser, wie der Präsident seinen Einzug ins Weiße Haus erlebt hat, die eigene Innen- und Außenpolitik sowie die Zusammenarbeit mit seinem Vizepräsidenten und gewählten Nachnachfolger Joe Biden.

Natürlich wird auch Obamas Nachfolger, der amtierende Präsident der USA, Donald Trump, im Buch erwähnt. In einem Ausschnitt, den "Spiegel.de" (hinter der Bezahlschranke) vorab veröffentlichte, beschreibt Obama, wie er erstmals mit Trump konfrontiert und dieser schließlich 2011 seine politische Karriere mit Lügen über Obama selbst startete.

Trump beginnt Attacken auf Obama

Er sei Trump nie begegnet, schreibt Obama, habe aber am Rande Notiz von ihm genommen, "zuerst von dem nach Aufmerksamkeit lechzenden Baulöwen, später und Unheil verheißender von dem Mann, der sich in den Fall der "Central Park Five" eingemischt hatte."

Obama sei es schwer gefallen, "ihn allzu ernst zu nehmen".

Doch dann beginnt Trump öffentlich anzuzweifeln, dass Obama in den USA geboren sei (wie er es aktuell auch bei Kamala Harris tut) und verbreitet immer krudere Theorien über den damaligen US-Präsidenten.

Obama schreibt, man habe es nicht für nötig gehalten, "eine offizielle Antwort aus dem Weißen Haus auf solche Sachen zu geben, wir hatten wichtigere Dinge zu tun und kein Interesse, Trump noch mehr öffentliche Aufmerksamkeit zu verschaffen".

Michelle Obama sorgt sich um ihre Familie

Doch vor allem Obamas Frau, Michelle betrachtet die Entwicklung offenbar schon früh mit Sorge um ihre eigene Familie. "Die Leute glauben, es sei alles nur ein Spiel", zitiert Obama Michelle in seinem Buch. "Sie denken nicht darüber nach, dass da draußen Tausende bewaffnete Männer herumlaufen, die jedes Wort glauben, das ihnen erzählt wird."

Und auch Obama selbst ist klar, "dass Trump keinen Gedanken daran verschwendete, welche Konsequenzen es hatte, Verschwörungstheorien zu verbreiten, von denen er ziemlich sicher wusste, dass sie falsch waren, solange er nur seine Ziele erreichte." Zudem habe Trump durchschaut, "dass sämtliche Regeln für das, was in der politischen Auseinandersetzung akzeptabel war, vor langer Zeit ihre Gültigkeit verloren hatten".

Dennoch glaubt Obama zu diesem Zeitpunkt 2011 noch nicht daran, dass er sich um Trumps politische Ambitionen ernsthaft Gedanken machen müsse. Er sollte Unrecht haben.

Obamas Biografie erscheint am 17. November. (ska/dpa)

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