Bernie Sanders könnte stundenlang darüber reden, was ihn an Donald Trump stört. Er zählt zu den schärfsten Kritikern des US-Präsidenten. Besonders beunruhigt ihn, dass Trump Amerika auf einen autoritären Pfad führt.

Bernie Sanders konnte bei der US-Präsidentenwahl Donald Trump nicht herausfordern, weil er in den Vorwahlen bei den Demokraten Hillary Clinton unterlag.

Sein Kampf gegen den Wahlsieger geht aber weiter. Bei seinem zweiten Deutschlandbesuch überhaupt hat der 75-Jährige eine klare Botschaft im Gepäck: Trump ist nicht Amerika, sagt er im Interview der Deutschen Presse-Agentur.

Im Streit zwischen Trump und Bundeskanzlerin Angela Merkel über Handelsbilanzen und Militärausgaben lässt er keinen Zweifel daran, auf welcher Seite er steht.

Wie bewerten Sie den aktuellen Streit zwischen Trump und Merkel nach dem G7-Gipfel? Trump hat die deutsche Handels- und Militärpolitik als "very bad" bezeichnet ...

Sanders: Ich glaube, viele von uns teilen nicht, was Präsident Trump gesagt hat. Die Vereinigten Staaten, Deutschland und natürlich auch Europa haben langjährige und lebenswichtige Beziehungen und diese müssen aufrecht erhalten werden.

Ich glaube, ich spreche für die meisten Mitglieder des Kongresses, wenn ich das sage. (...) Einen langjährigen Verbündeten wie Deutschland zu beleidigen ist etwas, womit viele von uns sich unwohl fühlen. (...) Meiner Ansicht nach ist es nicht akzeptabel, dass der Präsident die Kanzlerin öffentlich attackiert.

Was bedeutet Trump für die globale Führungsrolle der USA?

Ich glaube nicht, dass die Vereinigten Staaten wieder schwächer werden. Ich glaube, dass die gesamte Welt mit großen Krisen konfrontiert ist. Und wir müssen als Weltgemeinschaft zusammenarbeiten.

Steigen USA aus Klimaabkommen aus? Tweet lässt alle Möglichkeiten offen.


Wir haben mit Klimawandel zu tun, wir müssen mit dem Terrorismus umgehen. (...) Es gibt viele Dinge zusammen zu tun.

Deutschland wird den Klimawandel nicht alleine bewältigen und die Vereinigten Staaten auch nicht. (...) Donald Trump ist nicht die ganze US-Regierung. Er ist eine Person, er ist der Präsident.

Die US-Bevölkerung, die große Mehrheit im Kongress, befürworten eine starke und positive Rolle der Vereinigten Staaten - zusammen mit Europa und mit allen anderen Staaten der Welt.

Was beunruhigt Sie am meisten an Trump?

Wir können viele Stunden darüber sprechen, was mich beunruhigt. Aber eine Sache - neben der Tatsache, dass er andauernd lügt und einen schrecklichen Haushaltsplan vorgelegt hat - ist, dass er versucht, Amerika auf einen autoritären Pfad zu bringen. Das beunruhigt mich.

Wir haben einen Präsidenten, der die Medien in einer Art und Weise attackiert, die es so noch nie gegeben hat. Jeder - auch ich - hat Probleme mit den Medien.

Aber zu sagen, dass jedes Mainstream-Medium mit Fake News zu tun hat, dass die Medien ständig Lügen verbreiten, heißt, den Kern der Demokratie zu attackieren.

Wenn es keine freie Presse mehr gibt, dann ist die Existenz der Demokratie bedroht. (...)

Nach Kritik von Merkel schlägt der US-Präsident zurück - auf Twitter.


Trump hat seine erste Auslandsreise in Saudi-Arabien begonnen und dort einen milliardenschweren Waffendeal abgeschlossen. Das hat für Irritationen bei den westlichen Verbündeten gesorgt ...

Es ist ziemlich bemerkenswert, dass er sich wohler bei autoritären Persönlichkeiten wie Putin oder der Führung Saudi-Arabiens fühlt als in Gesprächen mit Staats- und Regierungschefs demokratischer Länder. Das ist das Ergebnis seines Trips.

Wie sie wissen, ist Saudi-Arabien eine autoritäre Gesellschaft, Frauen werden wie Bürger dritter Klasse behandelt, und trotzdem war er voll des Lobes für die Führung Saudi-Arabiens.

Wie geht es weiter mit Trump? Was können die Demokraten ihm entgegensetzen?

Ich glaube, was passieren wird ist, dass die Amerikaner beginnen werden zu verstehen, dass Trump den ganzen Wahlkampf über gelogen hat. Er sagte, dass er eine andere Art von Republikaner sei. Er hat gesagt, dass er sich für Arbeiterfamilien einsetzen würde. Und er macht jetzt genau das Gegenteil.

Der Haushaltsplan, den er vorgelegt hat, ist der schlimmste in der jüngeren Geschichte dieses Landes. Wir können die Republikaner besiegen, wenn wir die amerikanische Öffentlichkeit gegen diese reaktionäre Politik aufbringen.

Bernie Sanders, geboren 1941 im New Yorker Stadtteil Brooklyn, nennt sich selbst einen demokratischen Sozialisten. Im vergangenen Jahr wollte er für die Demokraten gegen den Republikaner Donald Trump antreten, unterlag aber Hillary Clinton in den Vorwahlen. Der 75-Jährige Senator für den Bundesstaat Vermont zählt weiterhin zu den schärfsten Kritikern Trumps. Jetzt besucht er Berlin, um sein Buch "Unsere Revolution" vorzustellen.

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