Als US-Präsident Trump in einer Rede den erfolgreichen Angriff auf IS-Chef Abu Bakr al-Baghdadi verkündete, ging er sehr ins Detail. In dem nun vom US-Militär veröffentlichten Video ist davon nichts zu sehen - allerdings lässt sich ein Eindruck von dem Einsatz im Norden Syriens gewinnen.

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Bomben machen das von hohen Mauern geschützte Gehöft in Sekunden dem Erdboden gleich: Nach dem Tod des Anführers der Terrormiliz Islamischer Staat (IS), Abu Bakr al-Baghdadi, hat das US-Militär erstmals Fotos und Videos des gefährlichen Einsatzes im Nordwesten Syriens veröffentlicht. Auch weitere Einzelheiten zu dem Angriff vom Wochenende gaben die Streitkräfte am Mittwoch bekannt.

Der Einsatz der US-Spezialkräfte begann demnach in der Nacht zum Sonntag auf einem Stützpunkt in Syrien, von wo aus die Soldaten etwa eine Stunde lang mit Helikoptern über feindliches Gebiet zu al-Baghdadis Versteck flogen. Die Aufnahmen zeigen einen schmucklosen Hof und ein scheinbar einfaches Gebäude in karger Landschaft, direkte Nachbarn gibt es keine.

Ein Video zeigt, wie sich die Soldaten nach der Landung auf die Mauer zubewegen. Auf weiteren Aufnahmen ist zu sehen, wie Kämpfer außerhalb des Hofs aus der Luft angegriffen werden. Nach Darstellung des US-Militärs hatten sie das Feuer auf die Helikopter eröffnet.

Donald Trump über al-Baghdadi: "Er ist wie ein Hund gestorben"

Was sich im Innern des Hauses nur wenige Kilometer von der türkischen Grenze abgespielt hat, ist auf den Bildern nicht zu sehen. Trump hatte den Hergang des Einsatzes am Sonntag bereits ausführlich beschrieben - und auch geschildert, wie die letzten Minuten des Terroristen ausgesehen haben sollen.

"Er ist wie ein Hund gestorben. Er ist wie ein Feigling gestorben", hatte Trump gesagt. "Winselnd und weinend und schreiend." Dem Präsidenten zufolge war er beim Herannahen der US-Soldaten in einen Tunnel unter dem Anwesen geflohen, wo er eine Sprengstoffweste zündete.

Als der Kommandeur der US-Streitkräfte im Nahen Osten (Centcom), General Kenneth McKenzie, den Hergang des Angriff am Mittwoch (Ortszeit) vor Journalisten schilderte, bestätigte er die spektakuläre Schilderung nicht.

Er sagte auf Nachfrage lediglich: "Ich kann Ihnen Folgendes sagen: Er kroch mit zwei kleinen Kindern in ein Loch und jagte sich in die Luft." Daraus lasse sich schließen, "was für eine Person" al-Baghdadi gewesen sei, sagte er.

Nach bisherigen Angaben hatte al-Baghdadi drei Kinder mit in den Tod gerissen. Das sei nach jüngsten Erkenntnissen nicht zutreffend gewesen, sagte McKenzie. Die Kinder seien jünger als 12 Jahre gewesen. Neben dem IS-Anführer und den Kindern seien fünf weitere IS-Kämpfer getötet und zwei Personen in Gewahrsam genommen worden, sagte McKenzie.

Einsatz von Drohnen und Kampfflugzeugen überwacht

Elf Kinder wurden demnach von den Soldaten in Sicherheit gebracht. Es sei ein "schwieriger, komplexer und präziser" Angriff gewesen. Aus der Luft überwachten Drohnen und Kampfflugzeuge den Einsatz. Al-Baghdadis Hof wurde zum Abschluss bombardiert, um keine Pilgerstätte zu schaffen, wie der General sagte. Das Gelände gleiche nun einem "Parkplatz mit großen Schlaglöchern".

Die Soldaten stellten in dem Haus eine "bedeutende" Menge Dokumente und elektronische Geräte sicher, die nun ausgewertet würden, sagte McKenzie. Ein Militärhund, der al-Baghdadi in den Tunnel gefolgt war, wurde verletzt. Die Spezialkräfte flogen in den acht Hubschraubern wieder quer über Syrien zurück zu ihrem US-Stützpunkt. Wie viele Soldaten an dem Einsatz beteiligt waren, hält das Militär geheim.

Militärhund wurde zum Held

Bislang wurde einzig ein Foto des mancherorts als Helden verehrten Hundes veröffentlicht - dessen Name ist aber weiter Staatsgeheimnis. Der Hund diene seit vier Jahren und habe bereits an rund 50 Einsätzen teilgenommen, sagte der General. Er sei inzwischen wieder im Dienst.

Vierbeiner soll beim Militäreinsatz in Syrien zum Helden geworden sein.

"Diese Tiere schützen US-Truppen, retten die Leben von Zivilisten, trennen Kämpfer und Nicht-Kämpfer und immobilisieren Individuen, die sich feindlich verhalten", sagte McKenzie.

Die sterblichen Überreste al-Baghdadis seien im Einklang mit dem Kriegsrecht innerhalb von 24 Stunden nach seinem Tod auf See bestattet worden, erklärte General McKenzie. Die Identität al-Baghdadis sei zweifelsfrei nachgewiesen worden. Das US-Militär habe seine DNA mit einer Probe aus dem Jahr 2004 verglichen, als dieser in einem US-Gefängnis im Irak inhaftiert gewesen war.

Al-Baghdadi war der meistgesuchte und gefürchtetste Terrorist weltweit, auf den die USA ein Kopfgeld von 25 Millionen US-Dollar (22,6 Millionen Euro) ausgesetzt hatten. Wer dieses Kopfgeld nun bekomme, wollte McKenzie nicht sagen.

Nach einem Bericht der "Washington Post" soll ein Abtrünniger des IS den entscheidenden Hinweis auf das Versteck gegeben haben. Bestätigt ist das aber nicht.  © dpa

US-Präsident Donald Trump bestätigt: IS-Anführer Abu Bakr al-Bagdadi ist tot

Nun ist ein wichtiger Schlag gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) gelungen: Ihr Anführer Abu Bakr al-Bagdadi ist bei einem US-Militäreinsatz in Syrien getötet worden. Das verkündete US-Präsident Donald Trump am Sonntag persönlich im Weißen Haus.
Teaserbild: © picture alliance/dpa