Am Ende war der Druck zu groß: Auch in der republikanischen Partei rumorte es angesichts verstörender Bilder von getrennten Familien an der mexikanischen Grenze. Donald Trump knickte nun ein und beendete das Prozedere, das weltweit für Entsetzen gesorgt hatte. Mit seinem Dekret überführt sich der US-Präsident allerdings selbst der Lüge.

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Die Bilder wurden einfach zu hässlich, der weltweite Aufschrei zu eindringlich. Nun sollen Flüchtlingsfamilien in den USA also nicht mehr getrennt, sondern zusammen eingesperrt werden.

Verfügt hat dies US-Präsident Donald Trump mit einem Erlass, von dem er bislang behauptet hatte, er könne ihn nicht erteilen - eine Lüge.

Kinder kommen jetzt mit den Eltern ins Gefängnis

Es ist eine Schadensbegrenzung ohne ein Abrücken vom politischen Kern: US-Präsident Donald Trump hat verfügt, dass die von seiner Regierung selbst begonnene Trennung illegaler Einwanderer von ihren Kindern ein Ende haben soll. "Wir müssen die Familien zusammenhalten", sagte Trump im Weißen Haus.

Kinder- oder Familienfreundlichkeit dürften allerdings nicht das Leitmotiv sein, werden mit Trumps am Mittwoch unterzeichneten Dekret Kinder doch nun gemeinsam mit ihren Eltern eingesperrt und nicht mehr getrennt von ihnen.

Laut Dekret soll von einer Inhaftierung der Kinder nur abgesehen werden, wenn Haft schädlich für ihr Wohl sein könnte.

In den vergangenen Wochen hatten die US-Behörden an der Südgrenze zu Mexiko die Familien von illegal eingewanderten Menschen aus Süd- und Mittelamerika konsequent getrennt. Die Praxis der Trennung von Eltern und Kindern hatte international zu einem Aufschrei geführt.

"Diese Regierung achtet Familien und Kinder. Aber wir sind auch ein Land mit Gesetzen", sagte ein Regierungsberater zu Reportern.

Er antwortete ausweichend auf die Frage, was nun mit den Kindern geschehen soll, die bereits von ihren Eltern getrennt wurden.

Der Berater sagte, das Dekret sei auf jeden Fall legal. Das gilt aber rechtlich als nicht vollständig gesichert, gleiches gilt für die Geltungsdauer des Dekrets.

Trumps Unwahrheit: Hände gebunden, auch Dekret nicht möglich

Trump selbst hatte das vor seiner jähen Wende über Tage anders dargestellt. Er behauptete, er könne nichts gegen die Politik einer Trennung der Kinder tun, denn dies sei Aufgabe des Kongresses. Das lasse sich auch nicht per Dekret lösen.

Nach Informationen der "New York Times" werden mindestens 2.300 Kinder, die aktuell von ihren Eltern getrennt sind, nicht rasch zu ihren Eltern zurückkönnen, solange diese vom Staat festgesetzt sind.

Trump hatte sich tagelang geweigert, trotz steigenden Drucks auch aus seiner eigenen Partei von seiner Position abzurücken. Eine harte Hand bei der Einwanderung und das Image eines Präsidenten, der niemals zurückweicht, sind ihm und seinen Anhängern sehr wichtig.

Der US-Präsident gab sich überzeugt, dass jedem, der ein Herz habe, das Dekret gut gefallen müsse. Die Null-Toleranz-Politik solle aber weitergehen. Die vorübergehende Regelung, die nach Worten Trumps "das Problem erledigt", solle von einem Gesetz ersetzt werden.

Die Aufnahmezentren für die Immigrantenkinder sind auf 17 Bundesstaaten verteilt. In einem ehemaligen Walmart-Supermarkt- Gebäude in Texas sollen sich allein 1.500 Jungen befinden.

Das Heimatschutzministerium hatte am Montag mitgeteilt, dass mindestens 2.342 Kinder in den vergangenen Wochen von ihren Eltern getrennt wurden.

Kinder in Drahtkäfigen interniert

US-Medien zeigten Bilder von Aufnahmelagern, in denen Kinder auf Gummimatten in Maschendrahtkäfigen nächtigten. Ein Tonbandschnitt verriet, wie Kleinkinder bitterlich weinten und nach ihren Müttern schrien. Am Mittwoch war bekanntgeworden, dass eigene Lager für "Kinder im zarten Alter" eingerichtet worden waren.

Trump hatte bisher die oppositionellen Demokraten dafür verantwortlich gemacht, dass es nicht zu einer gesetzlichen Regelung gekommen ist. Es gibt aber kein Gesetz, dass eine Trennung der Kinder von ihren Eltern vorschriebe.

Auch die republikanische Mehrheitsfraktion konnte bisher keine klare Mehrheit für ein Gesetz zur Einwanderung herstellen. Am Donnerstag soll es einen neuen Anlauf geben. Er hat wenig Aussicht auf Erfolg.

Der mexikanische Außenminister Luis Videgaray schrieb auf Twitter, es sei unzweifelhaft eine gute Nachricht, dass die US-Regierung die grausame und unmenschliche Trennung der Migrantenkinder von ihren Eltern beendet habe.

Von der Trennung sind rund 20 mexikanische Kinder betroffen. Darunter ist nach offiziellen Angaben auch eine Zehnjährige mit Down-Syndrom, die getrennt von ihrer Mutter untergebracht wurde.

Die guatemaltekische Regierung freue sich über die Entscheidung, erklärte sie in einer Mitteilung auf Twitter.

Sie hoffe, dass Familien aus dem lateinamerikanischen Land möglichst schnell wieder zusammengeführt werden könnten, ohne dass die Kinder und Eltern einem bleibenden Einfluss der Trennung ausgesetzt sein.

Nach Angaben von Außenministerin Sandra Jovel befinden sich 465 Kinder aus Guatemala in Herbergen in Texas und Arizona.

Unterdessen sind gegen mehr als ein Dutzend Unterkünfte für Einwandererkinder in den USA einem Bericht zufolge Vorwürfe von Verstößen laut geworden.

Die mutmaßlichen Verstöße hätten sich in privat geführten Unterkünften ereignet, in denen die Kinder langfristig untergebracht seien, berichteten das Internetportal der "Texas Tribune" und das Center for Investigative Reporting am Mittwoch.

Demnach soll es zu körperlichem und sexuellem Missbrauch gekommen sein sowie zu Verstößen gegen die Sicherheit und Betreuung von Kindern, wie es unter Berufung auf Regierungs- und andere Berichte heißt.

Behördenvertreter im Bundesstaat Texas berichteten demnach von mangelnder medizinischer Versorgung.

Die Vorwürfe reichen dem Bericht zufolge teilweise bis zu 20 Jahre zurück, teilweise bezögen sie sich aber auf Vorfälle, die sich erst im vergangenen Monat ereignet hätten. (mwo/dpa/afp)