Es sind harsche Worte, mit denn Ex-CIA-Chef John Brennan mit Donald Trump ins Gericht geht. Er spricht von einer "nationalen Schande". Auch führende Republikaner wenden sich ab - Applaus für den US-Präsidenten gibt es dagegen vonseiten des Ku-Klux-Klan.

Der frühere CIA-Chef John Brennan hat sich in einem Brief an den US-Fernsehmoderator Wolf Blitzer mit harschen Worten über Präsident Donald Trump beklagt.

"Herrn Trumps Worte und die Einstellung, die sie repräsentieren, sind eine nationale Schande", schrieb Brennan in dem Brief, den der Nachrichtensender CNN auf seine Internetseite stellte.

Der 1948 in Augsburg geborene CNN-Moderator Blitzer hatte kurz zuvor in einer Sendung erwähnt, seine vier Großeltern seien während der Nazi-Herrschaft ums Leben gekommen.

Seine Eltern hatten das Nazi-Konzentrationslager Auschwitz überlebt.

"Hässliche und gefährliche Kommentare"

"Alle Amerikaner, die bei Vernunft sind, müssen seine hässlichen und gefährlichen Kommentare zurückweisen", schreibt Brennan.

Ansonsten werde Donald Trump der US-Gesellschaft und der Stellung des Landes in der Welt dauerhaften Schaden zufügen.

Amerikas rechte Szene ist unübersichtlich und vor allem eins: gefährlich.


"Mit seinen Worten setzt Herr Trump unsere nationale Sicherheit und unsere gemeinsame Zukunft einem großen Risiko aus."

Eine gnadenlose Abrechnung mit dem amtierenden US-Präsidenten und eine Reaktion auf Trumps Äußerungen nach Charlottesville.

Hitze Debatte nach Krawallen in Charlottesville

Am Samstag war dort bei rassistischen Ausschreitungen eine Gegendemonstrantin von einem Auto erfasst und getötet worden.

Der Fahrer hatte anscheinend vorsätzlich gehandelt. 19 Menschen wurden verletzt. Vorher war es zu Zusammenstößen gekommen.

Erst am Montag, zwei Tage später, hatte Trump sich von Rassisten und dem Ku Klux Klan distanziert, US-Medien zufolge nur unter großem Druck enger Berater.

Seine Kritik hatte der US-Präsident aber nur wenige Stunden später wieder entschärft und damit mitunter für Zustimmung beim Ku-Klux-Klan gesorgt.

Erinnerung an Sklaverei - Denkmal als Auslöser für Charlottesville-Krawalle.


Trump gab plötzlich beiden Seiten die Schuld für die Eskalation und relativierte die Gewalt rechtsextremer Gruppen in Charlottesville.

"Es gab auf der einen Seite eine Gruppe, die schlimm war, und es gab auf der anderen Seite eine Gruppe, die ebenfalls sehr gewalttätig war", sagte er.

Ex-Chef des Ku-Klux-Klan bedankt sich bei Trump

Nach Trumps Einlassungen twitterte der frühere Ku-Klux-Klan-Chef David Duke, er danke dem Präsidenten für seine Aufrichtigkeit und den Mut, die Wahrheit zu Charlottesville auszusprechen und die "Linksterroristen" in der Bewegung "Black Lives Matter" und der Antifa zu verdammen.

Prominente Republikaner reagierten perplex auf die Äußerungen Trumps.

Der Top-Republikaner im Abgeordnetenhaus, Paul Ryan, twitterte: "Wir müssen uns im Klaren sein. Die Bewegung der Weißen Vorherrschaft ist abstoßend. Diese Bigotterie geht gegen alles, wofür dieses Land steht. Es darf da keine moralische Mehrdeutigkeit geben."

Fox News findet keine Pro-Trump-Stimme

Der republikanische Senator Floridas, Marco Rubio, richtete auf Twitter direkt seine Worte an Trump: "Sie können den weißen Rassisten nicht erlauben, nur einen Teil der Schuld zu tragen. Sie unterstützen Ideen, die dieser Nation und der Welt so viel Schmerz zufügen."

Trotz hartnäckiger Versuche der Redaktion hatte der rechtskonservative US-Sender Fox News nach eigenen Angaben keinen Republikaner auftreiben können, der die Äußerungen von US-Präsident Donald Trumps in der Rechtsextremismusdebatte verteidigen wollte.

"Unser Buchungsteam hat Republikaner aller Lager aus dem ganzen Land kontaktiert", sagte Moderator Shepard Smith am Mittwochabend in seiner Sendung. "Wir konnten niemanden bekommen, der herkommen und ihn (Trump) verteidigen wollte."

Sigmar Gabriel unterstellt Trump "Riesenfehler"

Kritik an Trumps Haltung gab es auch aus Israel, Großbritannien und Deutschland.

Außenminister Sigmar Gabriel (SPD) erklärte: "Natürlich ist eine Gleichsetzung beider Seiten statt einer klaren Distanzierung vom nazistischen Potenzial, das sich da gezeigt hat, ein Riesenfehler."

Zudem sei sie falsch, so Gabriel. Doch die Äußerungen zeigten, "wie verwoben ein Teil der Unterstützer Trumps mit der rechtsradikalen Szene der Vereinigten Staaten ist. Sein Chefideologe (Steve) Bannon steht ihnen nahe."

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Trump nach Charlottesville weiter in der Kritik

Ausnahmezustand in Charlottesville: Eine Kundgebung von Rechtsextremisten artet in Gewalt aus, es gibt ein Todesopfer und Dutzende Verletzte.


© dpa