Donald Trumps ehemaliger Anwalt Michael Cohen soll aus Angst im Gefängnis ein brisantes Manuskript verbrannt haben. In dem Buch soll es um Sexpraktiken gehen, um Geschäfte mit korrupten Russen, um Verschwörungen und Morde.

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Michael Cohen, der frühere persönliche Anwalt von US-Präsident Donald Trump, soll während seiner Haft das Original-Manuskript seines geplanten Enthüllungsbuches über seinen Ex-Chef verbrannt haben - aus Angst, es könnte von Wachen beschlagnahmt werden, berichtete das Magazin "Vanity Fair". Als Cohen im April wegen eines Konflikts mit einem anderen Insassen in Einzelhaft verlegt werden sollte, befürchtete er, dass Justizvollzugsbeamte den Inhalt des 500-seitigen Manuskripts an die Medien weitergeben würden.

Cohen hatte offenbar die Sorge, die Wachen seien loyal gegenüber dem US-Präsidenten eingestellt und würden das Manuskript auch an dessen Mitarbeiter weitergeben. In der ersten Nacht des Passahfestes - so berichtet es "Vanity Fair" - verbrannte Cohen das Manuskript in dem Feuer, das üblicherweise für jüdische Insassen entzündet wurde, um Hametz oder Sauerteigprodukte zu verbrennen. Cohens Frau soll jedoch Zugang zu einer Sicherungskopie des Manuskripts auf einem USB-Stick gehabt haben.

Cohen: "Ich weiß, wo die Skelette begraben sind"

Das Buch "Disloyal" soll in den kommenden Wochen erscheinen. "Ich weiß, wo die Skelette begraben sind, weil ich derjenige war, der sie begraben hat", schreibt Cohen in einem online veröffentlichten Vorwort. "Von goldenen Duschen ("golden showers") in einem Sexclub in Vegas über Steuerbetrug bis hin zu Geschäften mit korrupten Beamten aus der ehemaligen Sowjetunion, Geheimhaltungsverträgen ("Catch and kill conspiracies"), um Trumps heimliche Liebschaften zum Schweigen zu bringen, war ich nicht nur Zeuge des Aufstiegs des Präsidenten - ich war ein aktiver und eifriger Teilnehmer."

Cohen war im Mai kurzzeitig aus dem Gefängnis entlassen worden und stand unter Hausarrest, wurde aber ins Gefängnis zurückgebracht, weil er gegen Auflagen verstieß. Cohens Rechtsberater Lanny Davis spekulierte jedoch, die erneute Gefängniseinweisung könnte damit zu haben, dass der einstige Trump-Intimus in den kommenden Monaten sein Buch herausbringen wolle. Cohen habe sich zunächst den Auflagen widersetzen wollen, wonach er nicht mit den Medien sprechen und das Buch nicht veröffentlichen dürfe, sagte Davis zu Reportern.

Ärger mit der Trump-Familie

Der ehemalige Anwalt ist auch in einen Rechtsstreit mit der Trump-Organisation verwickelt, die sich verpflichtet hat, seine Anwaltskosten während der Strafverfolgung durch den ehemaligen Sonderberater Robert Mueller zu zahlen, bevor er zurücktrat. Cohen plant Berichten zufolge Aussagen vor der Staatsanwaltschaft zu Ermittlungen gegen die Trump-Organisation und die ältesten Söhne des Präsidenten, Don Jr. und Eric, sowie seinem Buchhalter Allen Weisselberg.

Cohen war im Dezember 2018 wegen Steuer- und Finanzdelikten sowie Falschaussagen zu drei Jahren Haft verurteilt worden. Der Anwalt hatte unter anderem vor der Präsidentschaftswahl 2016 Schweigegelder an zwei Frauen gezahlt, die nach eigenen Angaben Sex mit Trump gehabt hatten.

Eine von ihnen ist die Pornodarstellerin Stormy Daniels. Cohen verstieß damit gegen die Gesetze zur Wahlkampffinanzierung. Er hatte eigenen Angaben zufolge 130.000 Dollar Schweigegeld aus eigener Tasche finanziert. Die Zahlung ist juristisch brisant: Denn sollte sie geleistet worden sein, um kurz vor der Wahl eine negative Berichterstattung über Trump abzuwenden, hätte sie als Wahlkampfspende deklariert werden müssen.  © DER SPIEGEL