Donald Trump kündigt verschärfte Sanktionen gegen den Iran auf Twitter mit einem Bild im Stil eines "Game of Thrones"-Werbeplakats an. Aha. Was der US-Präsident der Welt damit sagen will, bleibt sein Geheimnis. Die Macher der Serie jedenfalls sind wenig begeistert und der Iran gibt sich sowohl von Trumps Kreativität als auch von den Sanktionen an sich unbeeindruckt.

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Was ist Drama, was ist Politik? Was ist Wahrheit, was ist Fantasie? Was ist Realität, was entstammt einer anderen Welt? In der politischen Sphäre von Donald Trump sind die Übergänge bisweilen fließend. Das zeigt der US-Präsident jetzt einmal mehr.

Kurz nachdem die US-Regierung für kommenden Montag, den 5. November, die zweite Runde von Sanktionen gegen den Iran ankündigte, postete Trump bei Twitter ein Bild von sich - im Stil eines Film-Werbeplakats.

Darauf: ein einigermaßen ernst in die Ferne schauender Trump in Anzug und Krawatte, vor verschwommenem Hintergrund. Dazu in großen Lettern die Worte: "Sanctions are coming - November 5" - also in etwa: "Die Sanktionen nahen - 5. November".

Die Worte und die Schriftart in dem Trump-Tweet sind angelehnt an die erfolgreiche Fantasy-Serie "Game of Thrones". Dort ist der Satz "Winter is coming" ("Der Winter naht") ein dramatisches Mantra - die ständig wiederholte Warnung vor einer heranziehenden Katastrophe und größtmöglichem Ungemach. Denn: der Winter bringt nichts Gutes in der Serie.

Was hat die Serie mit Politik zu tun?

Aber was genau hat das Fantasy-Epos mit der Politik der US-Regierung zu tun? Was ist die Botschaft dieses Tweets, vier Tage vor den Kongresswahlen in den USA? Dass Politik nichts anderes ist als Unterhaltung? Dass der Konflikt mit dem Atomstaat Iran eher ein Spiel ist?

Trump hat schon in der Vergangenheit erkennen lassen, dass er ein Faible für Hollywood-Elemente in der Politik hat: etwa als er dem nordkoreanischen Machthaber Kim Jong Un bei deren Singapur-Gipfel einen Video-Clip in dramatischem Kino-Trailer-Stil präsentierte, um seine politische Ansage für das Treffen zu untermauern.

Was Trump mit seinem aktuellen Tweet sagen will, bleibt sein Geheimnis. In den sozialen Netzwerken sorgte dieser jedenfalls für einigen Spott. Und der US-Fernsehsender HBO, der "Game of Thrones" produziert, äußerte sich nicht gerade begeistert über die Nachahmungsversuche aus dem Weißen Haus.

"Was heißt Markenzeichen-Missbrauch auf Dothraki?", schrieb der Sender bei Twitter. Dothraki ist eine der vielen Sprachen in der Welt von "Game of Thrones".

Neue Sanktionen sollen iranische Ölindustrie treffen

Die zweite Runde der Iran-Sanktionen, die vor allem die Ölindustrie treffen sollen, ist der nächste Schritt der konfrontativen Politik von US-Präsident Donald Trump gegenüber Teheran. Indem er die Wirtschaft unter Druck setzt, will Trump die aggressive Außenpolitik des Iran sanktionieren und das Mullah-Regime schwächen, wenn nicht stürzen.

Russland hat die verschärften US-Sanktionen am Samstag ein "zerstörerisches Vorgehen der USA" genannt und kritisiert, alle internationalen Bemühungen um einen Erhalt des Atomabkommens mit Teheran würden zunichte gemacht.

"Wir lehnen alle einseitigen Sanktionen unter Umgehung des UN-Sicherheitsrates ab", hieß es in einer Mitteilung des Außenministeriums. Auch die EU lehnt den Alleingang der USA ab.

Mullah-Regime betont unbeeindruckt

Die iranische Führung gibt sich indes betont unbeeindruckt. Nachdem das iranische Außenministerium am Freitag erklärt hatte, auf die erweiterten Sanktionen vorbereitet zu sein, nannte der oberste Führer des Landes die Sanktionen einen weiteren vergeblichen Versuch, den Gottesstaat zu lähmen.

"Das versuchen die USA schon seit 40 Jahren, aber in all diesen Jahren war der Iran der Gewinner und die USA der Verlierer", sagte Ajatollah Ali Chamenei.

Die US-Sanktionen der letzten Jahrzehnte hätten eher dazu geführt, dass der Iran viele Waren selbst herstelle und daher unabhängiger und selbstständiger geworden sei.

Sorge der iranischen Bevölkerung wächst

Soweit die öffentlichen Verlautbarungen. Dass der wirtschaftliche Druck das Regime in Teheran tatsächlich völlig kalt lässt, ist allerdings zu bezweifeln.

Das Land steckt schon jetzt in einer akuten Finanzkrise. Die nationale Währung Rial hat mehr als 60 Prozent an Wert verloren. Anders als von der iranischen Führung dargestellt, machen sich die Menschen sehr wohl Sorgen, wie sich die Wirtschaftskrise nach dem 5. November weiterentwickeln wird. (dpa/mcf)

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