Donald Trump und der Maulwurf: Wer hinter der stillen Opposition im Weißen Haus stecken könnte

Die "New York Times" veröffentlichte im Editorial einen anonymen Kommentar. Darin offenbart sich eine stille Opposition gegen US-Präsident Donald Trump innerhalb des Weißen Hauses. Sofort kochten Gerüchte hoch, wer es sein könnte. Trump selbst behauptete, den Kreis der Verdächtigen auf zwölf Personen eingekreist zu haben. Eine Liste der möglichen Verdächtigen.

Trump selbst glaubt anscheinend nicht daran, dass es jemand aus dem inneren Machtzirkel des Weißen Hauses ist. "Es scheint nicht jemand sehr weit oben zu sein, denn jeder von denen sehr weit oben hat bereits gesagt: 'Ich war's nicht'", äußerte sich der US-Präsident. Tatsächlich haben nahezu alle Kabinettsmitglieder ihre Unschuld beteuert.
Im Weißen Haus wird nun fieberhaft nach dem Verfasser gesucht. Donald Trump soll eine Liste mit zwölf Personen angefertigt haben. Wer darauf steht, kann nur vermutet werden. Eine Liste der möglichen Kandidaten ...
Vizepräsident Mike Pence gilt vielen als wahrscheinlichster Verdächtiger. Er dementierte dies zwar prompt, doch immerhin würde er Präsident werden, wenn Trump sein Amt verliert. Auch verdächtig ist der Gebrauch des Wortes "lodestar" (Leitstern) in dem anonymen Artikel. Das nicht alltägliche Wort verwendet Pence gerne in seinen Reden.
Verteidigungsminister James Mattis wurde immer wieder von Trump in wichtigen Fragen übergangen. Der Präsident überraschte Mattis mit der Ankündigung, die US-Manöver in Südkorea auszusetzen. Zudem war Mattis weder mit der Verlagerung der US-Botschaft nach Jerusalem noch mit dem Ausstieg aus dem Iran-Atomabkommen einverstanden. Gründe genug, Trump zu sabotieren?
Trumps Stabschef John Kelly ist für Trumps Tochter Ivanka und deren Mann Jared Kushner die Quelle vieler Informationen des Enthüllungsbuchs "Fear". "Er zerstört deine Präsidentschaft", soll Ivanka ihren Vater gewarnt haben. Kelly bestreitet die Vorwürfe, gilt aber auch vielen unabhängigen Beobachtern als verdächtig.
Finanzminister Steven Mnuchin gilt als einer der wenigen Moderaten im Weißen Haus. Er kämpft gegen die rechtskonservativen Hardliner in der Regierung. Immer wieder versucht er, Trump von einem umfassenden Handelskrieg mit China und anderen Ländern abzuhalten. In der Veröffentlichung seines Protests könnte er seine letzte Chance sehen, Trump aufzuhalten.
Außenminister Mike Pompeo gilt als loyal Trump gegenüber und hat seine Unschuld an der Veröffentlichung beteuert. In der Außenpolitik aber spielt Pompeo im Vergleich zu Trump nur eine Nebenrolle. Trump zu schaden, könnte seine Rache sein - oder ein Versuch, sich selbst wieder in den Vordergrund zu bringen.
Kirstjen Nielsen ist Homeland Security Secretary, also für die innere Sicherheit der USA zuständig. Von Januar bis Juli 2017 diente Nielsen als Stabschefin ihres Amtsvorgängers John F. Kelly, der nun Trumps Stabschef ist. Sein Verhältnis zu Trump gilt als angespannt. Die Frage ist also, wem ihre Loyalität gilt.
Robert Wilkie steht dem Ministerium für Veteranen-Angelegenheiten vor. Welches Motiv er hätte, sich gegen Trump zu stellen? Über ein Dutzend leitende Ministerial-Angestellte fielen in den letzten Monaten einer trumpschen Säuberungswelle zum Opfer. Das Fehlen seiner Experten erschwert seine Arbeit.
Wohnungsbauminister Ben Carson gilt unter Rechtskonservativen als Verräter, da er Obamas Wohnungsbaupolitik fortsetzt, so deren Vorwurf. Im republikanischen Vorwahlkampf verglich zudem Trump Carsons Pathologie mit der eines Kinderschänders. Rache wäre ein mögliches Motiv.
Alex Azar ist Minister für Gesundheitspflege und soziale Dienste. Azar ist wie Trump ein entschiedener Gegner von Obamacare und zieht offiziell mit ihm an einem Strang. Er zeigte aber bereits, dass er nicht willens ist, Gesetze zu ignorieren, um politische Ziele zu erreichen. Das könnte ein Grund sein, Trump zu bekämpfen.
Arbeitsminister Alexander Acosta unterstützt zwar Trumps Agenda, fiel in der Vergangenheit aber auch als Kämpfer zum Schutz der Bürgerrechte amerikanischer Muslime auf. Trumps umstrittenes Einreiseverbot, das nach Ansicht vieler Experten Muslime diskriminiere, könnte ihn in das Lager interner Trump-Gegner getrieben haben.
Auch Handelsminister Wilbur Ross hat ein Motiv, den US-Präsidenten zu hintergehen. Im Januar erschienen Berichte, dass der Präsident Ross vor Kollegen gedemütigt habe. Er soll dessen Intelligenz und Kompetenz in Frage gestellt haben mit Sätzen wie: "Ihr Verständnis vom Handel ist furchtbar." Zeit also, eventuell zurückzuschlagen.
Agrarminister Sonny Perdues möglicher Grund, Trump zu bekämpfen, ist dessen Handelspolitik. Trumps Zollkrieg bedroht unter anderem die amerikanische Landwirtschaft. China reagierte darauf mit Zöllen etwa auf Sojabohnen, Mais, Weizen und Baumwolle. Die Farmer in den USA sind deswegen tief besorgt.
Innenminister Ryan Zinke wird von Trump persönlich geschätzt, doch der Minister hat in der Vergangenheit auch Ärger auf sich gezogen, als er etwa einseitig Floridas Gewässer von Öl-und Gasbohrlizenzen amerikanischer Bohrfirmen ausnahm. Und Zinkes Tochter nannte Trump wegen dessen Transgender-Politik "eine Schande". Vielleicht überzeugte sie ihren Vater, sich gegen ihn zu stellen.
Generalstabsanwalt Jeff Sessions scheint für Trump kein Verdächtiger zu sein. Immerhin beauftragte er ihn damit, nach dem Verräter zu fahnden. Dem Enthüllungsbuch "Fear" zufolge soll Trump aber Sessions als "mental zurückgeblieben" bezeichnet und ihn einen Verräter genannt haben. Auch Sessions hätte also Gründe, sich rächen zu wollen.
Erziehungsministerin Betsy Devos ist mit fünf Milliarden US-Dollar Vermögen die Reichste im Kabinett von Donald Trump. Und die unbeliebteste Ministerin. Sich an die Spitze einer Widerstandsbewegung gegen Trump zu schreiben, könnte der Versuch sein, Popularität zu gewinnen für die Zeit nach Trump.
Unter Buchmachern ist der wahrscheinlichste Kandidat für das Verfassen des Artikels aber keine einzelne Person, sondern "The Field". Damit gemeint ist jemand unterhalb der Führungsriege des Weißen Hauses. Vielleicht jemand aus der zweiten Reihe, der noch eine Rechnung offen hat oder bei einer Beförderung übergangen wurde.
Eine Möglichkeit ist auch der verstorbene Senator John McCain, der als schärfster Kritiker Trumps unter den Republikanern gilt. Er könnte verfügt haben, den Artikel erst posthum zu veröffentlichen.
Trumps Beraterin Kellyanne Conway ist auf der CNN-Liste möglicher Verdächtiger zu finden. Sie weiß, wie man politisch überlebt und könnte sich mit dem Artikel absichern wollen, falls sie auf Trumps Untergang spekuliert. Ihr Ehemann ist zudem ein scharfer Kritiker Trumps. Dennoch gilt sie als eher unwahrscheinliche Kandidatin.
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