Das US-Justizministerium will die milliardenschwere Übernahme des Medienunternehmens Time Warner durch AT&T verhindern. Präsident Donald Trump fürchtet eine Machtkonzentration. Oder steckt doch seine Freundschaft mit dem Medienmogul Rupert Murdoch dahinter? Der Murdoch-Kanal "Fox News" gilt als Haussender Trumps.

Es gibt Medien, auf die sich Donald Trump verlassen kann. Dazu gehört der Nachrichtensender "Fox News" oder das konservative "Wall Street Journal". Und dann gibt es jene, die der US-Präsident gerne als "Fake News" bezeichnet: "CNN", die "New York Times" oder auch die "Washington Post".

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Die Erstgenannten gehören zum Imperium des Medienmoguls Rupert Murdoch (86). Der australische Milliardär bezeichnet Trump (71) als Freund, beide denken konservativ, man geht schon mal gemeinsam eine Runde zum Golfen.
Eine aktuelle Entscheidung des US-Justizministerium sorgt angesichts der Verbindung der Männer für Kritik. Es steht die Frage im Raum, ob die angekündigte Klage gegen die Fusion des Medienunternehmens Time Warner mit dem Telekommunikationsriesen AT&T auch persönlich motiviert sein könnte.

Denn Murdoch würde durch die Fusion ein gigantischer Konkurrent entstehen. Besonders pikant ist dieses Detail: Es heißt, die Kartellbehörden würden dem Deal zustimmen, wenn Time Warner CNN – ein ständiges Ziel von Angriffen des Präsidenten – verkaufen würde.

Donald Trump und die Medien: eine schwierige wie komplexe Beziehung.

Trump und Murdoch: "Langjährige Freundschaft"

US-Präsident droht Sendern mit dem Lizenzentzug. Was steckt dahinter?


Verlassen konnte sich Donald Trump in seiner Präsidentschaft meist auf Fox News. Kritiker sprechen vom "Haus- und Hofsender". Moderatoren wie Sean Hannity und Tucker Carlson berichteten wohlwollend bis eindeutig positiv, die Russland-Untersuchung von Sonderermittler Robert Mueller kommt bei Fox höchstens am Rande vor.

Trump lobte den Sender auf Twitter schon mehrfach für seine Berichterstattung oder bedankte sich mit exklusiven Interviews. So wie er Fox braucht, um seine Botschaft unters Volk zu bringen, nutzt Trump dem Sender, indem er die Einschaltquoten in die Höhe treibt.

Als die etwas kritischere Moderatorin Megyn Kelly "Fox" verließ und der frei gewordene Sendeplatz mit dem Pro-Trump-Moderator Carlson besetzt wurde, titelte das New York Magazine: "Rupert Murdoch macht Fox News zu Trump TV".

In einer Liste der New York Times mit Persönlichkeiten, die Trump häufig um Rat fragt, landete Murdoch ganz oben.

"Es gibt eine langjährige Freundschaft zwischen Rupert Murdoch und Donald Trump, die die konservativ denkenden Persönlichkeiten eng verbindet", sagt der Medienwissenschaftler Prof. Stephan Weichert von der Hamburg Media School im Gespräch mit unserer Redaktion. "Und die hat ganz eindeutig Auswirkungen auf die Berichterstattung und die journalistische Unabhängigkeit."

Widerstand beim Wall Street Journal

Allerdings hatte Trumps Beziehung zu den Murdoch-Medien auch Tiefen. Noch im Wahlkampf beschwerte er sich über die Berichterstattung im Wall Street Journal und bei Fox.

Mit der kritischen Starmoderatorin Kelly lieferte er sich eine Fehde, bevor sie zu "NBC" wechselte. Erst mit seinem Sieg bei den Republikaner-Vorwahlen schwenkte der Kanal allmählich auf Trump-Linie um.

Zu Beginn der Vorwahlen favorisierte Murdoch laut "Guardian" noch Jeb Bush.

"Bei Fox gibt es schon seit Jahren eine Parteinahme für die Republikaner, das weiß man. Beim Wall Street Journal schlägt das jetzt auch durch. Hier darf man jetzt auch vermuten, dass die Unabhängigkeit stark gefährdet ist und es eine Vereinnahmung gibt", erklärt Medien-Kenner Weichert.
Der neue Kuschelkurs kommt bei der preisgekrönten Zeitung nicht überall gut an. Einem leitenden Redakteur war wegen zu viel Kritik an Trump gekündigt worden.

"Wenn Sie sich eine antagonistischere Berichterstattung wünschen, dann gibt es bessere Orte, an denen Sie das tun können", teilte Chefredakteur Gerald Baker laut "Zeit Online" im Frühjahr der Belegschaft mit.

Das bedeutet indes nicht, dass Widerworte nun nicht mehr möglich sind. In einem Leitartikel hieß es im Sommer: "Trump und seine Familie scheinen ahnungslos gegenüber der brutalen Wirklichkeit des Regierens in Washington."

Es gebe beim Wall Street Journal ein Investigativteam, das auch kritisch berichte, erklärt Medien-Experte Weichert. "Aber das wird durch den Besitzer der Zeitung in einen Interessenskonflikt gestürzt."

Ferner weist er darauf hin, dass in der US-Presselandschaft die politische Ausrichtung eines Blattes "noch stärker vorgegeben" sei als hierzulande.

"Fake News" besinnen sich auf Tugenden

Gar nicht auf Trump-Kurs sind dagegen die New York Times, Washington Post und der TV-Sender CNN – für den Präsidenten allesamt "Fake News".

Besonders auf CNN, den großen Konkurrenten vom Murdoch-Kanal Fox, hat sich Trump eingeschossen. Im Juli teilte er auf seinem Twitter-Kanal ein Video, in dem er einen Mann mit einem CNN-Logo auf dem Kopf verprügelte.

Die "guten" Medien werden durch Lob, Interviews und Zugang zum engen Zirkel belohnt. Die "Bösen" werden bestraft, indem ihnen der Zugang zu Interviews oder Pressekonferenzen verwehrt wird.

"Da sind wir schon nah dran an der Türkei oder Russland", bemängelt Stephan Weichert von der Hamburg Media School. Zugleich spiegelt die gespaltene US-Medienlandschaft auch die Zerrissenheit der Gesellschaft als Ganzes wider.

"Trump-Wähler schauen Fox, Demokraten lesen die New York Times oder Washington Post. Jeder schwimmt so ein bisschen in seiner eigenen Blase", erklärt Weichert.

Eines haben die von Trump gescholtenen Medien allerdings nicht gemacht: sich einschüchtern lassen. Investigativteams wurden verstärkt, Recherchen vertieft, Verfehlungen aufgedeckt.

"Sie haben sich den Anspruch der Unabhängigkeit bewahrt, da gab es nach der Wahl eine `Jetzt-Erst-Recht-Haltung`", so Weichert. Sie hätten gut daran getan, sich auf ihre journalistischen Tugenden zu besinnen: nicht feindlich, aber professionell Kritik üben.

Weichert geht davon aus, dass sich der US-Präsident mit seiner Medien-Feindschaft am Ende keinen Gefallen tun wird. "Mein Eindruck ist, dass sie an vielen Geschichten dran sind, die Donald Trump zu Fall bringen könnten."

Sollte es tatsächlich dazu kommen, würde Trump vermutlich eine altbekannte Antwort geben: "Fake News!".

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