Viele sehen Rex Tillerson als eine Stimme der Vernunft innerhalb der Regierung Donald Trumps. Der Präsident könnte seinen Chefdiplomaten bald ablösen lassen, sollte ein Bericht der "New York Times" stimmen. Bereit stünde wohl CIA-Chef Mike Pompeo.

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Hat sich der amtierende Bundesaußenminister Sigmar Gabriel am Donnerstag in Washington mit einem künftigen Ex-Amtskollegen getroffen? Das Weiße Haus hat einem Bericht der "New York Times" zufolge Pläne, US-Außenminister Rex Tillerson durch CIA-Chef Mike Pompeo zu ersetzen.

Der Wechsel könnte bereits in den nächsten Wochen stattfinden, schreibt die Zeitung unter Berufung auf hochrangige Regierungskreise. Andere US-Medien sprachen von einem Zeitrahmen von "Monaten".

US-Präsident Donald Trump selbst wich Fragen zur Zukunft des Außenministers aus: "Er ist hier. Rex ist hier", sagte Trump am Donnerstag am Rande eines Besuchs des bahrainischen Kronprinzen Scheich Salman bin Hamad Al Chalifa. Ein klares Dementi der Medienberichte vom Plan eines "Rexits" hätte vermutlich anders geklungen.

Sanders gibt Stellungnahme ab

Trumps Sprecherin Sarah Sanders ließ den Präsidenten wenig später eine windelweiche Stellungnahme abgeben: "Derzeit stehen keine Personalien an", sagte sie. "Minister Tillerson führt weiterhin das Außenministerium und das gesamte Kabinett konzentriert sich darauf, dieses unglaublich erfolgreiche erste Jahr von Präsident Trumps Administration zu beschließen", sagte Sanders.

Um die Zukunft des Texaners Tillerson gibt es bereits seit längerer Zeit Spekulationen. Vor Wochen war bereits die UN-Botschafterin Nikki Haley als mögliche neue Außenministerin gehandelt worden. Haley erklärte jedoch, sie habe kein Interesse. Nun könnte Mike Pompeo bereitstehen.

Der CIA-Chef gilt als Trump-Gefolgsmann und konservativer Hardliner. Ihn wiederum könnte an der Geheimdienst-Spitze Senator Tom Cotton aus Arkansas ersetzen, ebenfalls ein glühender Verfechter der Trump-Linie.

Tillerson selbst war vor wenigen Wochen vor die Öffentlichkeit getreten und hatte erklärt, er habe keine Rücktrittsabsichten. Er werde als Außenminister zur Verfügung stehen, solange Trump ihn in der Regierung benötige.

Allerdings ist das Verhältnis zwischen dem Präsidenten und dem früheren Öl-Manager gespannt. Tillerson soll in einem Meeting Trump als "Idioten" bezeichnet haben. Der Außenminister ließ das zwar über seine Sprecherin dementieren, äußerte sich jedoch öffentlich nicht selbst zu entsprechenden Berichten. Trump forderte ihn später zum IQ-Test auf.

Tillerson vertritt andere Auffassungen als Trump

Tillerson vertritt unter anderem beim Klimaschutz und bei der Iran-Politik andere Auffassungen als Trump. Der Außenminister hat sich für den Verbleib im Pariser Klimaschutzabkommen ausgesprochen, ebenso hält er im Gegensatz zu Trump das Atomabkommen mit dem Iran für sinnvoll.

Die vorsichtigere Linie Tillersons zu Nordkorea hatte Trump als "Zeitverschwendung" kritisiert. Noch am Mittwoch hatte Tillerson von "diplomatischen Lösungen" gesprochen. Trump sprach in Bezug auf Nordkoreas Staatsführer Kim Jong Un von einem "kranken jungen Hund".

Gabriel bezeichnete Tillerson als einen "exzellenten Außenminister". Er war einer der ersten, der Tillerson nach dessen Amtsantritt in Washington besucht hatte. Beide wollen sich bereits nächste Woche wiedertreffen.

Auch der Trump-kritische republikanische US-Senator Bob Corker hatte sich positiv über den Außenminister geäußert. Gemeinsam mit Ex-Generälen wie Stabschef John Kelly und Verteidigungsminister James Mattis sei Tillerson einer derjenigen, der die Regierung Trump "vor dem Chaos" bewahre.

Corkers Partei- und Senatskollege Lindsey Graham, ebenfalls einer der Trump-kritischeren Köpfe innerhalb der Republikaner, kritisierte Tillersons Arbeit indirekt. "Er ist nicht kraftvoll genug, zu erklären, was er zu tun gedenkt", sagte Graham am Donnerstag. Der Job des Außenministers sei, die Politik des Präsidenten im Ausland zu erklären. Tillerson tue, "was er kann".

90 Prozent des nordkoreanischen Außenhandels liegen mit Hilfe von Sanktionen schon auf Eis. Doch als Lebenselixier des Landes gilt das Rohöl. Trotz wiederholten Drängens der USA macht China bisher keine Anstalten, seine Öllieferungen an Pjöngjang zu kappen.


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