Die USA steigen aus dem Pariser Klimaschutzabkommen aus - für diese Entscheidung erntet US-Präsident Donald Trump eine Menge Kritik. Auch Trump-Vorgänger Barack Obama und Bundeskanzlerin Angela Merkel melden sich zu Wort.

Die Entscheidung des US-Präsidenten Donald Trump, das Pariser Klimaschutzabkommen aufzukündigen, stößt weltweit auf enorme Kritik.

Trump-Vorgänger Barack Obama sagte: "Diese Regierung schließt sich einer kleinen Handvoll von Nationen an, die die Zukunft verleugnet."

Obama betonte, das Abkommen sei vor eineinhalb Jahren dank der "beharrlichen und charakterfesten" Führung der USA in der internationalen Gemeinschaft ermöglicht worden. Obama hatte das Abkommen mit vorangetrieben.

Vermonts Senator Bernie Sanders, 2016 einer der demokratischen Präsidentschaftsbewerber und überzeugter Trump-Gegner, teilte mit:

"Präsident Trumps Entscheidung, aus dem Pariser Klimaabkommen auszusteigen, ist ein Rückzug von Amerikas Führungsrolle und eine internationale Schande."

Sanders' Parteikollege Adam Schiff glaubt, dass der Ausstieg der USA "unseren Planeten ebenso endgültig beschädigen wie unsere Position in der Welt. Es gibt keinen Planet B, Mr. President."

EU-Kommissar: "Ein trauriger Tag"

Auch in Europa wurde der Rückzug der Amerikaner überwiegend negativ aufgenommen.

"Heute ist ein trauriger Tag für die Weltgemeinschaft", kommentierte der für Klimafragen zuständige EU-Kommissar Miguel Arias Cañete.

Angela Merkels Regierungssprecher Steffen Seibert teilte im Namen der Kanzlerin via Twitter mit: "Ich bedauere die Entscheidung des US-Präsidenten. Weiter alle Kraft für globale Klimapolitik, die unsere Erde bewahrt."

Kanzleramtsminister Peter Altmaier rief dazu auf, weiter für die Vereinbarung einzutreten. "Das Pariser Klimaabkommen hat die Welt vereint - zum Wohle des Planeten und jedem von uns", schrieb der CDU-Politiker auf Englisch bei Twitter. "Es wird überleben und Erfolg haben. Lasst uns dafür kämpfen."

SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz richtete seine Kritik direkt an den US-Präsidenten. "Sie können aus einem Klimaabkommen aussteigen, aber nicht aus dem Klimawandel, Mr. Trump", schrieb Schulz bei Twitter. "Realität ist kein Staatsmann, den man wegschubst."

Grünen-Spitzenkandidatin Katrin Göring-Eckardt bezeichnete Trump gar als "klimapolitischen Geisterfahrer". "Climate change is not fake news!" (auf Deutsch: Klimawandel ist keine fake news"), schrieb sie bei Twitter. "Der klimapolitische Geisterfahrer verkündet seinen Rückschritt ins fossile Zeitalter."

Klimaschützer und Wissenschaftler reagieren ebenfalls mit großem Unverständnis. Der Rückzug der Amerikaner sei "ein Schlag ins Gesicht der gesamten Menschheit und er schwächt die USA selbst", sagte Klaus Milke, Vorstandsvorsitzender der Entwicklungsorganisation Germanwatch. "Die Regierung des Staates, der historisch gesehen mit seinen immensen Emissionen den größten Anteil zur Krise beigesteuert hat, kündigt den vom Klimawandel betroffenen ärmsten Menschen auf der Welt die Solidarität auf." Der Ausstieg werde vor allem den USA selbst schaden. "Klimaschutz und Erneuerbare Energien sind riesige Wachstumsbereiche."

"Dem Fortschritt der weltweiten Klimapolitik wird es nicht substanziell schaden, wenn Amerika tatsächlich das Paris-Abkommen verlässt", sagte der Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung, Hans Joachim Schellnhuber. Schaden werde es aber den USA. "China und Europa werden globale Führer auf dem Weg zu einer sauberen und sicheren Energiezukunft, und sie werden ihre Position verstärken, wenn die USA zurückrutschen ins Nationale."

Experte: US-Ausstieg nicht entscheidend

Es gibt aber auch Experten, die Trumps Entscheidung nicht ganz so eine große Bedeutung beimessen.

"Wenn ein Land nicht mitmacht, ist das nicht entscheidend", sagte Johannes Cullmann, Leiter der Abteilung Klima und Wasser bei der Weltwetterorganisation (WMO). "Wenn 147 Länder dabei sind, die rund 80 Prozent der Emissionen ausmachen, die für den Klimawandel verantwortlich sind, dann ist es nicht entscheidend, wenn ein Land nicht mitmacht."

Das gelte, obwohl die USA etwa 17 Prozent der weltweiten Emissionen ausmachen. Ob die US-Emissionen nach dem Ausstieg stiegen, sei gar nicht gesagt. Schließlich hätten namhafte US-Firmen schon angekündigt, auf Kurs zu bleiben und ihre klimaschädlichen Emissionen auch bei Rückzug der US-Regierung aus dem Klimaabkommen zu senken.

"Der Prozess, die CO2-Emissionen in der Atmosphäre zu senken, wird sich höchstens verlangsamen", sagte Cullmann. Nach seinen Angaben werden im Jahr etwa acht bis zwölf Gigatonnen CO2-Äquivalent ausgestoßen. 120 Gigatonnen könne die Atmosphäre noch vertragen, um die Erderwärmung bis Ende des Jahrhunderts mit Zweidrittel Wahrscheinlichkeit unter zwei Grad zu bleiben. "Es wird sehr schwer werden, mit oder ohne USA, dieses Ziel zu erreichen.", sagte Cullmann.

Die französische Hauptstadt Paris setzte derweil ein Zeichen gegen Trumps Entscheidung. Das Pariser Rathaus wurde am späten Donnerstagabend grün angestrahlt. "Indem er die Vereinigten Staaten aus der Vereinbarung von Paris zurückzieht, begeht Präsident (Donald) Trump heute einen fatalen Fehler mit dramatischen Konsequenzen", teilte Bürgermeisterin Anne Hidalgo mit.

"Die Folgen des Klimawandels sind in allen großen Städten der Welt zu spüren", warnte Hidalgo. "Hurrikans in New Orleans und New York, Überschwemmungen in Paris, Houston und zuletzt Montreal, tödliche Sturzfluten und Hitzewellen in Sydney, Luftverschmutzung in Peking, Delhi und allen großen Städten ...". (dpa/tfr)