Zur Halbzeit seiner ersten Auslandsreise als Präsident hat Donald Trump eine gemischte Bilanz vorzuweisen. Er hat die Interessen der USA gut vertreten - gerade die wirtschaftlichen. Doch nicht nur beim Nahost-Konflikt folgte auf seine großmundigen Ankündigungen wenig.

Saudi-Arabien, Israel, die Palästinensischen Autonomiegebiete, Vatikan, Brüssel und Sizilien: US-Präsident Donald Trump tourt in dieser Woche erstmals als US-Präsident durch die Welt.

Welche Erfolge hat er zur Halbzeit im Gepäck - und welche Misserfolge? US-Experte Christian Hacke zieht Bilanz.

Herr Hacke, Trump ist mit großen Ankündigungen auf Reisen gegangen. Wie hat er sich bislang geschlagen?

Christian Hacke: Politisch hat er die Verbündeten Saudi-Arabien und Israel auf seine Seite gezogen und die militärische Macht seines Landes in der Region durch Rüstungsdeals gestärkt.

Da wird eine neue Achse Israel-Saudi-Arabien-USA geschmiedet. Ob das zu großen Erfolgen führen wird, bezweifle ich.

Auf der anderen Seite ist die neue Konfrontation mit dem Iran außerordentlich problematisch – auch wenn er zwischen Regime und der Bevölkerung unterschieden hat.

Insgesamt hat er die Interessen Amerikas aber gut vertreten.

Der erste Staatsbesuch ging nicht nach London, Berlin oder Paris, sondern nach Saudi-Arabien. Was sagt uns das?

Trump positioniert die USA wieder im Nahen Osten und stärkt die Achse gegen Assad. Interessant ist auch, wen er nicht erwähnt in seinen Reden – nämlich Russland.

Was bedeutet das?

Die große offene Frage ist, wenn er Iran kritisiert, ob er damit indirekt auch Russland kritisiert oder ob er Russland schont.

Dass Russland die neue Macht im Nahen Osten ist, thematisiert Trump überhaupt nicht.

Der 350-Milliarden-Dollar-Waffendeal mit den Saudis: Top oder Flop?

Man sieht klar, was Trump wollte: Geschäfte machen. Er ist ja auch als Waffenhändler gekommen, um Amerikas Militärindustrie wieder anzukurbeln.

Er ist ein Repräsentant, wie es Eisenhower früher nannte, des militärisch-industriellen Komplexes.

Im Sinne der großen amerikanischen Firmen war die Reise ein außerordentlicher Erfolg.

War die Rede über den Islam wirklich so bahnbrechend wie angekündigt?

Da war nicht viel Neues dabei. Trump sprach ähnlich wie Obama mit Würde, er hat Amerika zurückgenommen – das ist gut angekommen.

Wir dürfen nicht vergessen: Trump hat ein ganz, ganz schweres Erbe im Nahen Osten angetreten, es ist vieles vergeigt worden unter Obama.

Vor diesem Hintergrund hat er zwei Dinge gemacht: Er hat Menschenrechte nicht öffentlich erwähnt und er hat seine klare anti-iranische Ausrichtung herausgestellt.

Trump hat von islamischen statt islamistischen Terrorismus gesprochen, also nicht zwischen den normalen Gläubigen und Extremisten unterschieden. Schmälern solche Fettnäpfchen seine Bilanz?

Das sind Kleinigkeiten, auf die man sich in den Medien gerne stürzt. Das finde ich unwichtig.

Viel entscheidender ist der Punkt, dass er ein schweres Erbe angetreten hat.

In Israel und Palästina gab es hinsichtlich des Friedensprozesses ein paar nette Worte und viel heiße Luft – richtig oder falsch?

Richtig. Seit 50 Jahren wird dort um Frieden gerungen. Präsidenten wie Carter und Clinton haben sich mit Vehemenz reingehängt.

Wenn nun Trump kommt und ankündigt, er macht das mit einem Ruck, dann kann man nur sagen: Der Mann hat keine Ahnung, wovon er spricht.

Ich denke, an einen Frieden im Nahen Osten glaubt er selbst nicht. Das interessiert ihn letztlich auch gar nicht.

Er war als erster US-Präsident an der Klagemauer, besuchte die Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem und lobte den israelischen Premierminister Netanjahu. Eine Kehrtwende nach den israelkritischen Tönen Obamas?

Ja. Dass sich das israelisch-amerikanische Verhältnis unter Trump wieder verbessern würde, war klar. Das ist positiv.

Andererseits gibt es praktisch keine kritische Einflussnahme der Amerikaner auf Israel mehr. Ein Problem könnten auch die großen finanziellen Interessen von Trumps Schwiegersohn Jared Kushner in Israel werden.

Durch den politischen Kontakt wird das Wirtschaftsinteresse gefördert – eine ganz gefährliche Vermischung.

Warum war Trump das Treffen mit dem Papst am Mittwoch so wichtig. Immerhin hatte der seine Mauerbaupläne als unchristlich kritisiert?

Er hätte natürlich gerne, dass der Papst die Hand auflegt auf seine Politik (lacht). Aber Franziskus wird einen Teufel tun, er wird ihm privat schon die Meinung gegeigt und deutliche Kritik an seiner Regierungsführung geäußert haben.

Das Treffen hat substanziell keine große Bedeutung.

Was ist zur Rolle von Melania Trump und Ivanka Trump auf der Reise zu sagen?

Trump ist ein Familienmensch, das kann man positiv werten. Aber natürlich verfolgen die Frauen auch ihre eigenen Interessen.

Wie selbstbewusst und stilvoll sich Melania in Saudi-Arabien geschlagen hat, das hat mich schon beeindruckt.

Da kann sich manche Feministin, die dort hinreist und erst einmal alles überstülpt, eine Scheibe abschneiden.

Hat die Auslandsreise Trump etwas Luft in den innenpolitischen Skandalen verschafft?

Nein, überhaupt nicht. Eine Amtsenthebung ist zwar noch weit entfernt, aber die Vorwürfe werden doch immer massiver:

Beugung der Justiz, die Konfrontation mit den Geheimdiensten, die mögliche russische Intervention im Wahlkampf und die Verquickung von privaten und wirtschaftlichen Interessen.

Hinzu kommt die fehlende Würde im Amt. Aber warten wir ab: Totgesagte leben länger. Beim harten Kern seiner Anhänger ist der Präsident immer noch sehr beliebt, da hat ihm das Auftreten im Ausland weiteren Respekt verschafft.

Wir sind jetzt etwas schlauer, was Trump wirklich will.

Zur Person: Prof. Christian Hacke (Jg. 1943) war als Professor an der Universität der Bundeswehr Hamburg und der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn tätig. Der Politikwissenschaftler befasst sich u.a. mit amerikanischer Geschichte und Außenpolitik sowie den transatlantischen Beziehungen.