Donald Trump gegen alle: In den vergangenen Tagen hat der US-Präsident zu einem Rundumschlag ausgeholt, der selbst für ihn beachtlich ist. An Argumenten sind seine Verbalattacken rar. Stattdessen verteilt er Beleidigungen und Vorwürfe, die jeder Grundlage entbehren.

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Attacke auf die Medien: "Feinde des Volkes"

Binnen weniger als 30 Minuten hat Donald Trump am Donnerstag gleich drei Tweets in Richtung der Medien gefeuert. Er beschuldigte den Fernsehsender NBC, ein Interview mit ihm gefälscht zu haben, das der Nachrichtenagentur Reuters zufolge im März 2017 erschienen ist. Einen Beweis für den drastischen Vorwurf lieferte er nicht.

Die gute Nachricht sei, schrieb Trump weiter, dass der NBC-Vorsitzende Andrew Lack kurz davor sei, gefeuert zu werden, "wegen Inkompetenz und Schlimmerem". Woher Trump die Gewissheit nimmt, bleibt offen.

Dem Sender CNN warf er vor, ihm gegenüber voreingenommen zu sein und vor lauter Hass auf ihn nicht mehr zu funktionieren.

Abschließend gab es dann noch eine Generalschelte: "Ich kann nicht mit genug Nachdruck sagen, wie unehrlich die meisten Medien sind. Die Wahrheit bedeutet ihnen nichts, ihnen geht es nur um ihren Hass und ihre Agenda." Das gelte zuweilen auch für Bücher. "Pure Fiktion. Feinde des Volkes."

Attacke auf Watergate-Reporter: "Bernstein denkt wie ein verdorbener Idiot"

Die Wut des US-Präsidenten auf die Medien im Allgemeinen und CNN im Besonderen traf auch Carl Bernstein. Die Recherchen des Journalisten zur Watergate-Affäre brachten einst Richard Nixon zu Fall, weshalb Bernstein in den USA bekannt und bei vielen Bürgern hoch angesehen ist. Nicht so bei Donald Trump.

"Der schlampige Carl Bernstein, ein Mann, der in der Vergangenheit lebt und wie ein verdorbener Idiot denkt, eine Geschichte nach der anderen erfindet, wird im ganzen Land verlacht", twitterte Trump vor einigen Stunden.

Hintergrund der Attacke ist ein Bericht des Fernsehsenders CNN zur Russland-Affäre, an dem auch Bernstein mitgewirkt hat. Es geht darin um ein Treffen von Vertrauten des US-Präsidenten mit einer russischen Anwältin im Präsidentschaftswahlkampf 2016. Der Sender zitiert Informanten, die unter Berufung auf Trumps ehemaligen Anwalt Michael Cohen gesagt haben sollen, dass der US-Präsident selbst von dem Treffen wusste.

Einer der Informanten hat seine Aussage nach Erscheinen des Berichts zurückgezogen. CNN aber hält an dem Bericht fest.

Attacke auf Google: "Stoppt die Verzerrung"

Donald Trump wittert eine Manipulation durch Google zuungunsten konservativer Meinungen. Wer in die Suchmaschine "Trump News" eingebe, bekomme nur negative Nachrichten von "Fake News Medien" angezeigt, hatte er dem Unternehmen am Dienstag vorgeworfen. In der Nacht zum Donnerstag unserer Zeit legte er nach:

Auf Twitter postete Trump ein Video, das einen Beweis für seine These liefern soll. Versehen hat der US-Präsident den Post mit dem Hashtag #StopptdieVerzerrung.

Google habe Barack Obamas Reden zur Lage der Nation auf der Homepage intensiv beworben, nicht aber die von Donald Trump, so die Aussage des Videos. Google konterte: Trump habe 2017 - anders als das Video suggeriert - gar keine Rede zur Lage der Nation gehalten, teilt das Unternehmen mit - was der Wahrheit entspricht. Seine erste Rede dieser Art hielt Trump im Januar 2018. Diese sei sehr wohl per Livestream verbreitet worden, heißt es von Google.

Attacke auf China: "China hat Clintons Mails gehackt"

Wie ein Damoklesschwert schwebt die Russland-Affäre über Donald Trumps Präsidentschaft, doch der bleibt dabei, dass die Vorwürfe, Russland habe sich in den Wahlkampf eingemischt, Unsinn seien.

Stattdessen hat er am Mittwoch via Twitter chinesische Hacker beschuldigt, in das E-Mail-Konto seiner Gegenkandidatin Hillary Clinton eingedrungen zu sein.

China weist die Anschuldigung zurück. Einen Beweis hat Trump nicht. Er beruft sich auf einen Bericht des rechtspopulistischen Blogs "Daily Caller", der die Information wiederum aus Geheimdienstkreisen haben will. Näher wird die Quelle nicht benannt.

Attacke auf die Demokraten: "Das sind gewalttätige Menschen"

Ob der aktuelle Rundumschlag des US-Präsidenten an seiner Angst liegt, die Republikaner könnten bei den "Midterm"-Wahlen im November ihre Mehrheit im Kongress verlieren? Zumindest ein Vorfall vom Montag legt diesen Schluss nahe.

Trump hatte rund einhundert evangelikale Priester zu einem Abendessen im Weißen Haus zu Gast. Laut einem Bericht der "New York Times", der ein Mitschnitt der Veranstaltung vorliegt, hat Trump seine Unterstützer dabei ungewöhnlich drastisch vor einem Wahlsieg der Demokraten gewarnt. "Ihr seid eine Wahl davon entfernt, alles zu verlieren, das ihr habt."

Die Demokraten würden "schnell und gewaltsam" alle Erfolge seiner Regierung zunichtemachen. "Wenn man sich manche dieser Gruppen ansieht, das sind gewalttätige Menschen."

Trump forderte die Seelsorger der Zeitung zufolge auf, ihre Gemeindemitglieder zum Wählen aufzurufen. Die Menschen für die Zwischenwahlen zu mobilisieren sei allerdings nicht ganz leicht, meinte Trump. "Ich glaube wir sind beliebt, aber es ist fraglich, ob die Leute zur Wahl gehen, wenn ich nicht auf dem Stimmzettel bin."

Verwendete Quellen:

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