Immer neue Enthüllungen belasten Donald Trumps Anwalt. Michael Cohen kassierte Millionen Dollar von Konzernen und vom Cousin eines russischen Oligarchen. Was gab es dafür im Gegenzug?

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Die Lehre des Watergate-Skandals war: "Folge dem Geld." Das soll "Deep Throat" gesagt haben, der mysteriöse Informant, der sich später als damaliger FBI-Mann offenbarte.

In Wahrheit war der Satz eine Erfindung des Drehbuchautors für den Watergate-Kultfilm "Die Unbestechlichen". Trotzdem hat er sich eingebürgert: Das Geld führt ins Herz eines Skandals.

Das weiß auch US-Präsident Donald Trump. Im Wahlkampf 2016 rief er "Follow the money!", um Hillary Clinton als korrupte Marionette reicher Eliten zu verunglimpfen. Wie schnell sich der Spieß umdrehen kann. Die Spur des Geldes scheint inzwischen direkt in Trumps Weißes Haus zu führen.

Im Zentrum steht dabei Trumps Anwalt Michael Cohen - der "Pitbull" des Präsidenten, der der Pornodarstellerin Stormy Daniels 130.000 Dollar Schweigegeld zahlte und jetzt ins Visier der Justiz geraten ist.

Und da geht es plötzlich nicht mehr nur um Porno. Cohen unterhielt eine Schwarze Kasse, gefüllt aus bis zu siebenstelligen Zuwendungen globaler Großkonzerne, darunter von AT&T und des Schweizer Pharmakonzerns Novartis. Außerdem zahlte ein: der Cousin eines russischen Oligarchen.

"Die Spitze eines ganz neuen Eisberges"

Das Geld sollte politischen Einfluss erkaufen, doch genauer Verwendungszweck und Verbleib bleiben schwammig. Wohin flossen sie? An andere Frauen? An Trump? Und was gab es im Gegenzug?

Follow the money: Die Enthüllungen kommen in so rasanter Folge, dass selbst Experten Mühe haben, mitzuhalten. "Das ist längst mehr als die Vertuschung einer mutmaßlichen Affäre", sagt ein Insider dem SPIEGEL kopfschüttelnd. "Das scheint die Spitze eines ganz neuen Eisbergs."

Das jüngste Kapitel begann mit einem Tweet von Michael Avenatti, des Anwalts Daniels', dessen Medienkreuzzug gegen Trump immer weniger mit seiner Mandantin zu tun hat.

Darin publizierte er finanzielle Details über Cohens Strohfirma Essential Consultants, die Cohen drei Wochen vor der Wahl im November 2016 gegründet hatte, um Daniels unbemerkt abzufinden.

Dem Anwalt zufolge war Essential Consultants noch viel mehr, nämlich eine Schwarze Kasse für Beträge, die weit über die 130.000 Dollar für Daniels hinausgingen und teils aus suspekten Quellen stammten.

US-Medien berichten, Cohen habe mindestens vier Millionen Dollar eingestrichen, indem er sich aggressiv als direkter Draht zu Trump angedient habe. "Pay for play", wer mitmischen will, muss blechen. Oder: Präsident zu verkaufen:

Vieles bleibt unklar. Was geschah mit den Millionen? Was wusste Trump? Profitierte er persönlich? Was war legal, was dubios, was Korruption, was Landesverrat?

Das interessiert auch den Russland-Sonderermittler Robert Mueller, der AT&T, Novartis, Wekselberg und Intrater befragt hat - und wesentlich mehr wissen dürfte als die Öffentlichkeit.

Bestenfalls könnte Cohen versucht haben, sich im Alleingang mit seiner Nähe zu Trump zu bereichern. Schlimmstenfalls war er eine Schaltstelle für Geldtransfers an Trump - was wiederum eine ganz neue, juristische Situation für den Präsidenten darstellen würde.

Avenatti jedenfalls kündigte via Twitter "noch erheblich mehr Indizien und Fakten über Mr. Cohens Geschäfte und Mr. Trumps Wissen und Beteiligung" an. "Wir fangen gerade erst an."© SPIEGEL ONLINE

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