Das Ergebnis dieses Treffens kam für die meisten Beobachter überraschend: Im Handelsstreit zwischen den USA und der EU konnte die Eskalation abgewendet werden; Zölle - unter anderem für Autos - und weitere Handelsbarrieren sind vorerst vom Tisch. Während sich Wirtschaftsminister Altmaier erfreut zeigt, bleiben Vertreter aus der Wirtschaft skeptisch. Auch die EU-Kommission und Frankreich reagieren zurückhaltend.

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Im transatlantischen Handelskonflikt haben sich US-Präsident Donald Trump und EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker auf einen gemeinsamen Kurs zur Beilegung der Streitigkeiten verständigt.

Geplant sei nun unter anderem, auf einen fast vollständigen Abbau von gegenseitigen Restriktionen im Handel mit Industriegütern hinzuarbeiten.

Vereinbart wurde, über die Annullierung sämtlicher Zölle und sonstiger Handelsbarrieren sowie aller Subventionen für industriell gefertigte Waren zu verhandeln.

Autos sind davon zwar explizit ausgenommen, die von Trump bislang angedrohten Strafzölle auf europäische Autos sind nach EU-Angaben aber vorerst vom Tisch.

"Wir haben heute einen Deal geschlossen", sagte Juncker bei einem Auftritt mit Trump im Rosengarten des Weißen Hauses. Trump sprach von einem "sehr großen Tag für den freien und fairen Handel" und einer "neuen Phase" in den Beziehungen zur EU.

Das sind die Ergebnisse aus dem Treffen von Juncker und Trump

Keine Zölle auf Autos

Wie es aus dem Umfeld Junckers verlautete, werde es "keine neuen Auto-Zölle" geben. Der Kommissionspräsident sagte, dass dies gelte, solange die Handelsgespräche weitergingen.

Die US-Zölle für Autos hätten besonders deutsche Autobauer getroffen.

Stahl und Aluminium

Trump betonte, dass der Streit um Stahl und Aluminium sowie auch um "Vergeltungszölle" beigelegt werden solle.

Er hatte Anfang Juni Strafzölle auf Stahl und Aluminium aus Europa in Kraft gesetzt, worauf die EU mit Gegenzöllen auf US-Waren im Gesamtwert von 2,8 Milliarden Euro antwortete.

Fossile Energie

Trump und Juncker vereinbarten eine stärkere transatlantische Kooperation im Energiesektor. Die EU-Kommission sagte eine Erhöhung der Importe von Flüssiggas aus den USA zu.

In diesem Punkt hat sich Trump klar durchgesetzt, denn die USA treten damit in Konkurrenz zu der von Trump heftig kritisierten Gas-Pipeline Nord Stream 2. Dieses Projekt wird derzeit gemeinsam von Deutschland und Russland vorangetrieben.

Mehr Sojabohnen aus den USA nach Europa

Sojabohnen klingen nicht so spannend wie Stahl oder Autos, doch ist dieser Punkt für Trump besonders wichtig. Die Bohnen werden vor allem von Bauern im Mittleren Westen angebaut, die traditionell große Unterstützer Trumps sind.

"Sojabohnen sind eine große Sache", sagte Trump am Mittwoch. "Ich danke Dir dafür, Jean-Claude."

Der Abnehmer von Sojabohnen ist weltweit China. Doch der Handelskonflikt der USA mit dem Land hatte zu massiven Einbußen bei amerikanischen Bauern geführt. Nach Meinung des Weißen Haus habe China "den internationalen Sojabohnenmarkt manipuliert".

Wohl gegen China richtet sich auch ein anderer Punkt: Die USA und die EU wollen zusammen an der Reform der Welthandelsorganisation (WTO) arbeiten und gemeinsam gegen "unfaire Handelspraktiken" vorgehen.

Gemeint ist damit offenbar eine gemeinsame Strategie gegen China, auch wenn das Land nicht namentlich genannt wurde.

Reaktionen auf das Treffen

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) sprach von einem "Durchbruch" und gratulierte Trump und Juncker.

Sie hätten einen Handelskrieg abgewendet, schrieb der Minister im Kurzbotschaftendienst Twitter. Dies sei "großartig" für die Weltwirtschaft, Millionen von Jobs würden so gesichert.

Die Chefin des Internationalen Währungsfonds, Christine Lagarde, erklärte, die Weltwirtschaft profitiere davon, "wenn sich die Länder konstruktiv für die Lösung ihrer Handelsstreitigkeiten einsetzen".

Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) bewertete den Ausgang der Gespräche hingegen kritisch.

DIHK-Chef Eric Schweitzer hingegen erklärte, es bleibe "eine gehörige Portion Skepsis". "Von Verhandlungen auf Augenhöhe sind wir noch entfernt", auch seien "die ungerechtfertigten Autozölle" noch nicht endgültig vom Tisch.

EU-Kommission will sich öffentlich nicht äußern

Grund zur Skepsis liefert auch die Tatsache, dass sich die EU-Kommission zu den Details des Handelsdeals mit Trump nicht äußern will. Ein Sprecher beantwortete Fragen zum Import von Soja und zur Rückendeckung für Juncker und seinen Deal von den EU-Mitgliedstaaten nicht.

Er verwies lediglich darauf, dass Juncker sich vor seinem Treffen noch einmal mit Bundeskanzlerin Angela Merkel, Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und anderen europäischen Staats- und Regierungschefs beraten habe.

Auch Frankreich reagiert kühl auf die Grundsatzvereinbarung von Trump und Juncker. Die Rückkehr zum Dialog sei zwar zu begrüßen.

Über Handel müsse aber auf einer klaren Grundlage und nicht unter Druck verhandelt werden, forderte Wirtschafts- und Finanzminister Bruno Le Maire. Es gebe noch Klärungsbedarf. (dh/afp/dpa)

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