Mitch McConnell zählte bislang eigentlich zu den treuen Unterstützern von Donald Trump. Den Syrien-Kurs des US-Präsidenten hat der republikanische Mehrheitsführer im Senat nun mit ungewöhnlich scharfen Worten kritisiert. Die Entscheidung, Truppen aus Nordsyrien abzuziehen, sei ein "strategischer Fehler".

Mehr aktuelle News finden Sie hier

Der republikanische Mehrheitsführer im US-Senat, Mitch McConnell, hat sich in einem Gastbeitrag in der "Washington Post" mit ungewohnt harschen Worten gegen den Syrien-Kurs von US-Präsident Donald Trump gestellt.

"US-Truppen aus Syrien abzuziehen, ist ein schwerer strategischer Fehler", schrieb McConnell in dem Beitrag, der am Freitag veröffentlicht wurde. Dies mache Amerika unsicherer, stärke die Feinde der USA und schwäche wichtige Partner.

McConnell, der normalerweise ein treuer Unterstützer des US-Präsidenten ist, hatte die Entscheidung bereits zuvor kritisiert.

"Strategischer Alptraum" für die USA

Aus dem Kampf gegen den internationalen Terrorismus habe er in den vergangenen Jahren drei Lehren gezogen: Die Bedrohung verschwinde nicht einfach, eine Führungsrolle der USA sei hier alternativlos und Amerika führe diesen Kampf nicht alleine, sondern sei auf lokale Partner in der jeweiligen Region angewiesen.

"Leider spiegeln die jüngsten Schritte der Regierung in Syrien diese wichtigen Lehren nicht", beklagte McConnell. "Die Kombination aus einem Rückzug der USA und den eskalierenden Feindseligkeiten zwischen Türken und Kurden schafft einen strategischen Alptraum für unser Land."

Er mahnte: "Selbst wenn die am Donnerstag verkündete Waffenruhe von fünf Tagen hält, haben die Geschehnisse der vergangenen Woche den Kampf der USA gegen den Islamischen Staat und andere Terroristen zurückgeworfen." Der Rückzug amerikanischer Truppen werde - wenn er nicht gestoppt werde - dem syrischen Machthaber Präsident Baschar al-Assad, dem Iran und Russland in die Hände spielen.

McConnell rief dringend dazu auf, eine begrenzte Zahl von US-Soldaten in Syrien zu belassen, auch die Militärpräsenz im Irak und anderswo in der Region aufrechtzuerhalten und Afghanistan nicht zu verlassen, bevor der Job dort erledigt sei. "Amerikas Kriege sind nur dann 'endlos', wenn Amerika sich weigert, sie zu gewinnen." Den Namen des US-Präsidenten nannte McConnell in seinem Gastbeitrag nicht.

Truppenabzug sorgt für massive Kritik

Trump verfolgt seit langem das Ziel, US-Truppen aus Auslandseinsätzen heimzuholen und die US-Beteiligung an "endlosen Kriegen" zu beenden.

Mit der überraschenden Ankündigung, amerikanische Soldaten aus Nordsyrien abzuziehen, hatte der Republikaner Anfang Oktober den Weg für eine Militäroffensive der Türkei gegen Kurdenmilizen in dem Gebiet freigemacht, was national wie international auf massive Kritik stieß.

Selbst enge Verbündete in der eigenen Partei, wie der republikanische Senator Lindsey Graham, liefen öffentlich Sturm gegen Trumps Kurs. Mit McConnell ist nun eine noch gewichtigere Stimme in den eigenen Reihen hinzugekommen. (jwo/dpa/afp)  © dpa

Umfrage: 52 Prozent der US-Amerikaner wollen US-Präsident Donald Trump aus Amt jagen

Einer aktuellen Umfrage zufolge wollen 52 Prozent der US-Amerikaner Donald Trump aus dem Amt jagen. Im Juni waren es noch 45 Prozent.