Tag zwei des "Shutdown" in den USA - Regierung und Verwaltung werden heruntergefahren. Während sich alle Seiten öffentlich gegenseitig die Schuld geben, wird hinter den Kulissen verhandelt und gerungen. US-Präsident Donald Trump steht in der Kritik.

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Begleitet von harschen gegenseitigen Vorwürfen gehen in Washington die Verhandlungen der Parteien über ein Ende des "Shutdown" weiter. Der Sonntag ist der zweite Tag, an dem weite Teile der US-Regierung und des öffentlichen Dienstes heruntergefahren werden. Grund ist ein Streit ums Geld, der mit Themen wie Einwanderung und Grenzsicherung weiter aufgeladen wurde. Da es keinen Kompromiss für ein Anheben der Schuldenobergrenze gab, wurde zum ersten Mal seit 2013 der "Shutdown" ausgelöst.

Republikaner und Demokraten sprechen parteiübergreifend und -intern auf verschiedenen Ebenen miteinander. Ein gangbarer Ausweg schien möglich, war aber zunächst nicht in Sicht.

Begleitet wurden die Gespräche von Anti-Trump-Protesten in vielen Städten der USA. Insgesamt gingen am ersten Jahrestag seiner Präsidentschaft Hunderttausende auf die Straße.

"Mit Trump verhandeln ist, als würde man mit einem Wackelpudding verhandeln"

"Mit Präsident (Donald) Trump zu verhandeln ist so, als würde man mit einem Wackelpudding verhandeln", sagte der demokratische Fraktionsführer im Senat, Charles Schumer. Seiner Schilderung zufolge war man einer Lösung nahe, bevor Trump eingeknickt sei. Trumps Finanz- und Rechtsberater wiesen das zurück und gaben den Demokraten die Schuld. Der Mehrheitsfraktionsführer im Senat, Mitch McConnell, warf den Demokraten vor, das amerikanische Volk als Geisel zu nehmen.

Trotz nach außen harter Fronten und scharfer Formulierungen gibt es die Hoffnung auf eine Lösung noch im Verlauf des Sonntags. Am Montag würden die Auswirkungen des "Shutdown" voll auf das öffentliche Leben durchschlagen. Außerdem macht der Stillstand der Regierung Trumps geplante Abreise zum Weltwirtschaftsforum in der Schweiz fraglich. Das Weiße Haus erklärte am Samstag, man plane von Tag zu Tag.

"Shutdown" kostet die USA bis zu 1,5 Milliarden pro Tag

Für den Staat ist ein "Shutdown" sehr teuer, Schätzungen zufolge bis zu 1,5 Milliarden US-Dollar pro Tag.

Während eines "Government Shutdown", einer Stilllegung weiter Teile von Regierung und öffentlichem Dienst, bleiben Ämter und Behörden ebenso geschlossen wie bundeseigene Museen, Zoos und andere Freizeiteinrichtungen. Etwa 850.000 Staatsbedienstete müssen in den Zwangsurlaub und bekommen vorerst auch kein Geld.

Von der Stilllegung ausgenommen sind nur "essenzielle" Bereiche wie Militär, Bundespolizei oder Geheimdienst. Auch die rund 1,3 Millionen uniformierten Mitglieder der Streitkräfte sind weiterhin im Dienst. Die zivilen Mitarbeiter des Verteidigungsministeriums müssen dagegen zum großen Teil Zuhause bleiben. Ausnahmen wären zum Beispiel Ärzte.

Für eine Einigung ist die Zustimmung der Demokraten nötig. Sie wollen unter allen Umständen ein Bleiberecht für die "Dreamer" durchsetzen. Das sind hunderttausende undokumentierter Einwanderer, die als Kinder illegal in die USA kamen. Moderate Republikaner sind zu einem Kompromiss bereit, Hardliner wie Trumps Stabschef John Kelly und sein Berater Stephen Miller nicht. Der rechte Flügel der Partei will das Einwanderungsrecht noch verschärfen. Daneben haben Trumps abfällige Äußerungen über "Drecksloch"-Staaten das Klima schwer belastet.

Das Weiße Haus beharrte am Samstag strikt darauf, solange die Regierung geschlossen sei, werde man über Einwanderungsthemen gar nicht sprechen. Zunächst solle ein Übergangsdeal verabschiedet werden, der die Regierung bis zum 8. Februar finanzieren würde. In dieser Zeit könne man dann über Einwanderungsthemen reden.

Trump will außerdem, dass der Haushalt Milliarden für den Bau einer Mauer zu Mexiko enthält. Die Demokraten wollen diese Mauer nicht, zeigten sich aber zu Kompromissen beim Thema Grenzsicherung bereit.

Am Samstag veröffentlichte Trumps Wahlkampfteam eine sehr polarisierende Anzeige. Sie erklärt Demokraten zu Komplizen von Morden, die illegalen Einwanderern vorgeworfen werden.

Übergangshaushalt scheitert im US-Senat

Der Versuch, einen "Shutdown" mit einem weiteren Übergangshaushalt zu verhindern, scheiterte in der Nacht zum Samstag am Widerstand des US-Senats. Zur Abstimmung stand ein Entwurf des Repräsentantenhauses, das von den Republikanern beherrscht wird. Im Senat sind 60 Stimmen für eine Zustimmung nötig. Die Republikaner haben derzeit 50.

Sollte der Senat in einem Kompromissverfahren die Vorlage ändern, muss das Repräsentantenhaus nochmals darüber abstimmen. Danach muss Trump unterschreiben.

Am Samstag hatte Trump den Jahrestag seiner Präsidentschaft eigentlich im Feriendomizil Mar-a-Lago im Rahmen einer Gala begehen wollen. Er setzte die Reise nach Florida aber aus.

Zuletzt gab es einen "Shutdown" im Jahr 2013 in der Regierungszeit des Demokraten Barack Obama. Er dauerte 16 Tage.© dpa

Der US-Bundesregierung ist das Geld ausgegangen. Der Versuch, noch im letzten Moment einen Übergangshaushalt durch den Senat zu jagen, ist gescheitert. Der "Shutdown" verhagelt Präsident Trump die Feier zum Jahrestag seiner Amtsübernahme.