Im Wahlkampf braucht Donald Trump dringend positive Entwicklungen an der Corona-Front. In einem Townhall-Gespräch hat der US-Präsident nun einen konkreten Zeitplan umrissen - der ihm selbst sehr gelegen käme.

Mehr aktuelle News finden Sie hier

In 48 Tagen wählen die USA - und in den allermeisten Umfragen liegt Donald Trump deutlich hinter seinem demokratischen Herausforderer Joe Biden.

Will der Amtsinhaber am 3. November eine realistische Chance haben, muss er den Rückstand rasch verringern. Trump versucht es nun mit positiven Signalen in der Coronakrise - für viele Amerikaner das alles beherrschende Thema im Wahlkampf.

Der US-Präsident geht von einem wirksamen Coronavirus-Impfstoff in den nächsten drei bis vier Wochen aus. "Wir stehen kurz vor einem Impfstoff", sagte er dem Sender ABC News am späten Dienstagabend.

Trump weiter: "Wenn Sie die Wahrheit wissen wollen, hätte die vorherige Regierung aufgrund der FDA und aller Zulassungen vielleicht Jahre gebraucht, um einen Impfstoff in den Händen zu halten. Und wir könnten ihn innerhalb von Wochen, drei Wochen oder vier Wochen, nun haben."

Bundesstaaten sollen sich auf Impfstoff-Verteilung vorbereiten

Zudem bemühte sich Trump, die Reaktion der eigenen Regierung auf das Virus schönzureden. In der vergangenen Woche waren Ton-Aufnahmen aufgetaucht, auf denen Trump gegenüber dem Journalisten Bob Woodward offen einräumt, die Gefahren durch Corona gezielt heruntergespielt zu haben.

Bei ABC behauptete er nun das genaue Gegenteil: "Ich habe es nicht runtergespielt. In Wahrheit habe ich es sogar heraufgespielt, wenn es um konkrete Handlungen geht." Die Pharmakonzerne Pfizer und Biontech hatten vergangene Woche bekräftigt, bei erfolgreichen Ergebnissen ihrer Phase-III-Studie eines gemeinsamen Impfstoffkandidaten bereits im Oktober die Zulassung zu beantragen.

Nun gibt es einen Grund, warum Genehmigungen für Impfstoffe oft lange dauern. Deshalb sind viele Experten in den USA besorgt, dass politischer Druck die medizinischen Regularien aushebeln könnte. Tatsächlich gab es in den vergangenen Wochen mehrfach Meldungen über Einflussnahme etwa auf Behörden und Offizielle, die mit der Genehmigung eines Impfstoffs befasst wären.

So hat die US-Regierung die Bundesstaaten Anfang September aufgefordert, für die Verteilung eines möglichen Corona-Impfstoffes ab dem 1. November bereit zu sein. Der Chef der Gesundheitsbehörde CDC, Robert Redfield, appellierte in einem Brief an die Gouverneure, die Fertigstellung von Verteilzentren bis zu diesem Datum sicherzustellen.

Experten warnen vor überstürztem Einsatz von Impfungen

Der Brief zeigt den Willen der Regierung, noch vor der Präsidentschaftswahl einen Impfstoff zu genehmigen. Trump hatte zuvor wiederholt die Hoffnung geäußert, dass ein Impfstoff zur Eindämmung der Pandemie bald zur Verfügung stehen könnte.

Allerdings warnen Experten davor, einen Impfstoff ohne ausreichende wissenschaftliche Grundlage auf den Markt zu bringen. Unter diesen Experten befindet sich auch Anthony Fauci, der wichtigste Virusberater des Weißen Hauses.

Zudem sorgte der Chef der US-Arzneimittelaufsichtsbehörde FDA, Stephen Hahn, Ende August mit der Aussage für Aufsehen, ein Impfstoff in den Vereinigten Staaten könne noch vor abschließenden Tests zugelassen werden.

Bei einem Antrag des Herstellers auf Zulassung noch vor Ende der dritten und finalen Testphase werde seine Behörde eine Entscheidung auf wissenschaftlicher Grundlage treffen. Kritiker befürchten, dass Trump politischen Druck auf die FDA aufbaut, um seine eigenen Wahlchancen zu verbessern.  © DER SPIEGEL

Bildergalerie starten

Die einen werden hofiert, die anderen beschimpft: So telefoniert Donald Trump mit Regierungschefs

Insider aus dem Weißen Haus berichten bei CNN über die Telefongespräche von US-Präsident Donald Trump mit verschiedenen Regierungschefs. Während er sich vor den einen aufplustern soll, werden andere offenbar beschimpft.
Teaserbild: © picture alliance / Consolidated