Der US-Präsident will sich beim Wahlparteitag feiern lassen. Seine Berater versprechen "aufmunternde Botschaften" - und vollen Familieneinsatz. Dabei lief die Vorbereitung chaotisch.

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Der Präsident habe eine wichtige Nachricht, hieß es im Weißen Haus. Dann erschien Donald Trump persönlich und verkündete die Genehmigung einer Blutplasma-Therapie für Covid-19-Patienten durch die US-Gesundheitsbehörden.

Die Therapie sei eine "historische Sache", erklärte Trump. Man werde mit der "kraftvollen" Behandlungsmethode "unzählige Leben retten". Sie habe ein "unglaubliches Potenzial". Und: Bald werde es auch neue Nachrichten zu möglichen Impfstoffen geben, versprach der Präsident.

Tatsächlich wird die von Trump angekündigte Therapie bereits seit einiger Zeit an Patienten ausprobiert. Sie hat auch schon einigen Kranken geholfen. Doch nach Ansicht vieler Wissenschaftler ist sie weit davon entfernt, der entscheidende Durchbruch im Kampf gegen Covid-19 zu sein.

So oder so dürfte Trumps große Ankündigung zu diesem Zeitpunkt vor allem einem Zweck dienen: Zu Beginn des Wahlparteitags der Republikaner an diesem Montag will der Präsident unter seinen Anhängern und beim Wahlvolk maximalen Optimismus in der Krise verbreiten. Es geht um einen Auftakt nach Maß für das viertägige Treffen, das in Charlotte, North Carolina und in der Hauptstadt Washington abgehalten wird.

Das Programm lautet: Trump, Trump, Trump

Der Präsident steht unter Druck, wieder einmal. In 71 Tagen wird in den USA gewählt und sein Herausforderer Joe Biden liegt praktisch in allen Umfragen klar in Führung. Trump muss sich gewaltig ins Zeug legen, wenn er doch noch das Comeback schaffen will. Der Parteitag markiert für ihn den Startschuss zum Beginn seiner Aufholjagd. Er ist davon überzeugt, dass er wie schon 2016 alle Kritiker überraschen kann - und am Ende doch wieder als der große Sieger dasteht.

Zu erwarten ist in den kommenden Tagen eine Trump-Show voller Eigenlob, saftiger Attacken auf die politischen Gegner und nationalistischer Töne. Das Programm lautet: Trump, Trump und noch mal Trump. Er soll ganz im Zentrum des Parteitags stehen. Der Kandidat will jeden Abend zur besten Sendezeit entweder in Charlotte oder Washington sprechen. Für Donnerstag ist dann Trumps offizielle Hauptansprache geplant, die er vor dem Weißen Haus halten will.

Trumps Berater sprechen davon, der Präsident wolle eine "aufmunternde Botschaft" ins Land senden. Anders als Joe Biden und seine Demokraten bei ihrem Parteitag werde Trump eine positive Vision für das Land aufzeigen.

Ob die Parteitagsshow so glatt laufen wird, wie von Trump und seinen Strategen erhofft, ist indes völlig offen. Die Planung des Parteitags verlief in etwa so wie Trumps bisherige Präsidentschaft, reichlich chaotisch.

Wegen der Coronakrise war das Trump-Team mehrfach dazu gezwungen, die Pläne für das Spektakel über den Haufen zu werfen. Von Trumps Lieblingsidee einer Massenveranstaltung in Charlotte oder Florida kam man erst in letzter Minute ab. Eine Art offizielles Programm für den Parteitag gibt es erst seit einigen Tagen. Selbst die großen TV-Sender, die das Ereignis übertragen wollen, wissen in Teilen noch nicht, was sie erwartet. Für Ärger sorgte auch, dass Trump nun vor dem Weißen Haus sprechen will. Der Amtssitz des Präsidenten wird üblicherweise nicht für reine parteipolitische Veranstaltungen genutzt.

Parteifunktionäre als Nebendarsteller

Klar ist: Anders als die Demokraten, die ihren Parteitag praktisch komplett im virtuellen Raum ohne Publikum abhielten, wollen die Republikaner auf die Ansammlung von Jublern nicht gänzlich verzichten. In Charlotte sollen immer noch einige hundert Parteimitglieder in einer Halle zusammenkommen, um Trump offiziell für die Präsidentschaftskandidatur zu nominieren.

Auch bei Trumps Schlussauftritt vor dem Weißen Haus und bei weiteren Reden, die unter anderem aus einem feudalen Festsaal in Washington DC übertragen werden sollen, wollen die Planer ausgewählte Fans des Präsidenten versammeln. Man werde alle Gesundheitsrichtlinien einhalten und alle Teilnehmer würden ständig auf das Coronavirus getestet, versprechen die Organisatoren.

Ein Reality-TV-Mensch soll für die große Show sorgen

Ohne Jubel geht es bei Trump einfach nicht: Trump braucht den Applaus für sein Ego, und er braucht TV-Bilder von begeisterten Anhängern, um den Eindruck zu vermitteln, das Volk stehe hinter ihm. Die Zuschauer daheim an den Bildschirmen sollen einen möglichst guten Eindruck von ihrem Präsidenten und seiner Partei bekommen. Für die Regie der viertägigen Trump-Festspiele hat der Präsident eigens einen früheren Verantwortlichen seiner Reality-TV-Show "The Apprentice" als Berater angeheuert.

Den virtuellen Parteitag der Demokraten verspotteten Berater des Präsidenten wie Kellyanne Conway als langweilig, sie versprechen eine bessere, lebendigere Show. Trump selbst sagte im Sender Fox-News: "Wir werden mehr live machen." Was immer das bedeuten mag.

Die Liste der Redner liest sich derweil wie das Who-is-Who der Trump-Welt: Kritische Geister der Partei mit eigener Meinung wie etwa Senator Mitt Romney sind unerwünscht. Nur die Treuesten der treuen Unterstützer dürfen sprechen.

Auffällig dabei ist, dass vor allem Familienmitglieder des Präsidenten als "wichtige" Redner angekündigt sind. Neben seiner Frau Melania sollen die Söhne Eric und Donald Junior sowie die Töchter Ivanka und Tiffany zur Primetime sprechen. Daneben dürfen dann auch führende Funktionäre der Republikaner wie Senatschef Mitch McConnell auftreten, um Trump zu preisen. Die klassischen Partei-Oberen werden bei der Familienfeier aber sicherlich eher wie Komparsen wirken.

Auch einige Bürger sollen zu Wort kommen - und Trump ordentlich loben

Zur Auflockerung des Programms hat Trump auch einige Bürger eingeladen. Sie sollen erklären, warum sie ihn wählen wollen. Unter anderem werden einige Schwarze sprechen, die Trump unterstützen. Offenkundig will man so etwas gegen Trumps schlechte Umfragewerte speziell in dieser Wählergruppe tun.

Mit dabei sind aber auch Vertreter jenes immer währenden Kulturkampfs, den Trump und seine Getreuen gegen Linke, die Medien und Bürgerrechtsgruppen führen. Eingeladen ist zum Beispiel das Ehepaar aus Missouri, das es zu einiger Berühmtheit brachte, weil es während einer Black-Lives-Matter-Demonstration vor der eigenen Villa mit Gewehr und Colt herumfuchtelte.

Die beiden Eheleute gehören zu den Ehrengästen. Man darf gespannt sein, welche "aufmunternde Botschaft" für das Land mit ihrem Auftritt verbunden sein soll.  © DER SPIEGEL

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