Die Warnungen werden immer lauter: Sollten die USA Jerusalem als Israels Hauptstadt anerkennen, könnte das "einen neuen interreligiösen Konflikt" beschwören, sagt der türkische Ministerpräsident Yildirim. Staatschef Erdogan wählt noch drastischere Worte. Außenminister Cavusoglu befürchtet gar "Chaos und Instabilität".

Die türkische Regierung hat im Fall der Anerkennung Jerusalems als Hauptstadt Israels durch die USA vor einem neuen interreligiösen Konflikt gewarnt.

Während Präsident Recep Tayyip Erdogan das Vorhaben Donald Trumps als das Überschreiten einer "roten Linie" bezeichnete, warnte Ministerpräsident Binali Yildirim am Mittwoch bei einem Besuch in Seoul nach Angaben der staatlichen türkischen Nachrichtenagentur Anadolu, sowohl eine Anerkennung Jerusalems als Hauptstadt als auch eine Verlegung der US-Botschaft dorthin durch US-Präsident Donald Trump wären "rechtswidrig".

Yildirim betonte: "Es ist sowohl in Anbetracht der Zukunft der Region als auch des Weltfriedens von zentraler Bedeutung, dass der Präsident der USA keine Erklärung in diese Richtung abgibt."

Änderungen des Status Quo würden "einen neuen interreligiösen Konflikt" auslösen und Anstrengungen zunichte machen, einen Palästinenserstaat zu gründen.

Cavusoglu befürchtet "Chaos und Instabilität"

Außenminister Mevlüt Cavusoglu befürchtet gar "Chaos und Instabilität", wie er am Mittwoch kurz vor einem Gespräch mit US-Außenminister Rex Tillerson am Rande eines Nato-Treffens in Brüssel sagte.

Die einseitige Anerkennung Jerusalems als israelische Hauptstadt "wäre ein schwerer Fehler. Das wird keinerlei Stabilität und Frieden bringen", so Cavusoglu, der sich sicher ist, dass nicht nur Muslime dagegen seien und reagieren würden: "Die ganze Welt ist dagegen."

Iran reagiert mit Schärfe: "Verzweiflung der USA und Israels"

Auch der Iran reagierte scharf auf das Vorhaben der USA. Jerusalem zur Hauptstadt des besetzten Palästinas zu erklären, zeige "lediglich die Verzweiflung und Handlungsunfähigkeit (der USA und Israels)", sagt der oberste religiöse Führer, Ajatollah Ali Chamenei.

Aus seiner Sicht werde das die "Befreiung Palästinas von israelischer Besetzung" nicht stoppen.

Erdogan: "Herr Trump, Jerusalem ist die rote Linie der Muslime"

Bereits am Dienstag hatte Erdogan mit einem Abbruch der Beziehungen zu Israel gedroht und gesagt: "Herr Trump, Jerusalem ist die rote Linie der Muslime."

Erdogan empfängt am Mittwoch in Ankara den jordanischen König Abdullah II., den Trump über seine Pläne unterrichtet haben soll.

Am Nachmittag ist eine gemeinsame Pressekonferenz Erdogans und des jordanischen Königs geplant.

Israel rechnet mit gewaltsamen Reaktionen

Unterdessen rechnet Israel mit gewaltsamen Reaktionen auf die Ankündigung Trumps. Geheimdienstminister Israel Katz hat die Palästinenser vor gewaltsamen Protesten gewarnt. "Ich schlage vor, dass sie keine Spannungen verursachen und diesen Weg nicht einschlagen", sagte Katz nach Angaben seines Beraters vom Mittwoch. "Gewaltsame Proteste wären ein großer Fehler der Palästinenserbehörde."

Auswärtiges Amt warnt vor gewalttätigen Auseinandersetzungen

Die Bundesregierung warnt angesichts der Pläne von US-Präsident Trump vor Ausschreitungen in Jerusalem, dem Westjordanland und dem Gaza-Streifen.

Von diesem Mittwoch an könne es in diesen Gebieten zu Demonstrationen kommen, heißt es in den am Dienstag aktualisierten Reisehinweisen des Auswärtigen Amtes. "Gewalttätige Auseinandersetzungen können nicht ausgeschlossen werden."

Die Bundesregierung rief dazu auf, sich über die lokalen Medien zu informieren und die betroffenen Gebiete zu meiden. (szu/dpa)

US-Präsident Donald Trump schlägt sich in dem Streit klar auf eine Seite und erkennt Jerusalem als Israels Hauptstadt an. Die islamische Welt schäumt.


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