Israel feiert und feuert, während Hunderttausende Palästinenser demonstrieren. Die USA verlegen in einem demonstrativen Schritt ihre Botschaft nach Jerusalem. Und die Gewalt im Gazastreifen eskaliert.

Der 14. Mai 2018 geht nicht nur wegen der umstrittenen Verlegung der US-Botschaft von Tel Aviv nach Jerusalem in die Geschichte ein. Es ist auch der Tag mit den meisten Todesopfern seit dem Gaza-Krieg 2014.

55 Tote: Das ist die Bilanz der Konfrontationen mit israelischen Soldaten bei Massenprotesten, zu denen die radikalislamische Hamas im Vorfeld der Botschaftseröffnung aufgerufen hatte.

Weitere 2.000 Menschen wurden nach Angaben des palästinensischen Gesundheitsministerium in Gaza verletzt, davon rund die Hälfte durch Schüsse und 750 durch Tränengas.

Luftangriffe auf Hamas-Ziele

Israels Luftwaffe flog nach eigenen Angaben zudem einen Angriff auf die im Gazastreifen angesiedelte Hamas. Der Angriff habe sich gegen fünf Ziele im Norden von Gaza gerichtet, teilte die Armee via Twitter mit.

Die Türkei bezeichnete das Vorgehen Israels als "Massaker" und machte die USA mitverantwortlich. Man verfluche "das Massaker", das von israelischen Sicherheitskräften an friedlich protestierenden Palästinensern verübt worden sei, teilte das Außenministerium in Ankara am Montag mit.

Der Sprecher des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan, Ibrahim Kalin, sagte laut der staatlichen Agentur Anadolu, es sei eine "Schande", dass die Welt zu solch einer "systematischen Barbarei der Vernichtung" schweige.

Auch Russland und Israels Nachbarstaaten Jordanien und Ägypten reagierten mit Sorge auf die Entwicklungen. Es handle sich um "exzessive Gewalt gegen wehrlose palästinensische Menschen", sagt der jordanische Regierungssprecher Mohammed al-Momani. Das Außenministerium in Ägypten verurteilt die Bekämpfung "von unbewaffneten palästinensischen Zivilisten von den israelischen Besatzungstruppen".

UN-Generalsekretär Antonio Guterres erklärte, die Eskalation verdeutliche, dass es eine politische Lösung des Konflikts brauche. "Es gibt keinen Plan B zur Zwei-Staaten-Lösung", bekräftigte der UN-Chefdiplomat.

Laut Guterres ist das der einzige Weg, damit Israelis und Palästinenser in Frieden miteinander leben könnten.

Am Mittwoch kommt die Arabische Liga für eine Dringlichkeitssitzung zusammen, um über den Umzug der US-Botschaft nach Jerusalem zu beraten.

Das Treffen findet auf Wunsch des "Staates Palästina" statt, wie die panarabische Organisation mitteilte. Es soll darüber gesprochen werden, der "illegalen Entscheidung der USA" etwas entgegenzusetzen.

Donald Trump unterstreicht Selbstbestimmung Israels

Pünktlich um 15:00 Uhr hatten die USA ihre Botschaft in Jerusalem offiziell eröffnet. "Israel ist eine souveräne Nation mit dem Recht, seine Hauptstadt selbst zu bestimmen", sagte Trump am Montag in einer Videobotschaft, die bei den Feierlichkeiten in Jerusalem ausgestrahlt wurde. "Wir haben in der Vergangenheit das Offensichtliche nicht anerkannt."

Trump hatte im Dezember in einem international hoch umstrittenen Schritt Jerusalem einseitig als Israels Hauptstadt anerkannt. Dabei kündigte er auch die Verlegung der Botschaft an.

Zu der Eröffnung der Botschaft waren rund 800 Gäste eingeladen. Auch US-Finanzminister Steven Mnuchin, Präsidententochter Ivanka Trump sowie ihr Mann und Trump-Berater Jared Kushner nahmen teil. Die Botschaftsgebäude im Viertel Arnona war bisher nur für konsularische Angelegenheiten der USA genutzt worden.

"Vor 70 Jahren hat David Ben Gurion die Unabhängigkeit (des Staates Israel) erklärt", sagte US-Botschafter David Friedman. "70 Jahre später gehen die Vereinigten Staaten endlich den nächsten Schritt." Dieser historische Moment sei "dem Mut einer Person" zu verdanken: Präsident Trump.

Benjamin Netanjahu feiert "glorreichen Tag"

Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu bezeichnete die Eröffnung der US-Botschaft in Jerusalem als "glorreichen Tag". Israel habe "keine besseren Freunde auf der Welt" als die USA. "Danke, Präsident Trump, dass Sie den Mut hatten, ihre Versprechungen einzuhalten!"

Es sei auch "ein großer Tag für den Frieden", sagte Netanjahu. "Ein Frieden, der auf Lügen basiert, kann nur an den Felsen der nahöstlichen Realität zerschellen. Und die Wahrheit ist, dass Jerusalem immer die Hauptstadt des jüdischen Volkes bleiben wird."

Kushner betonte, die US-Regierung werde sich weiter um ein Friedensabkommen zwischen Israelis und Palästinensern bemühen. Die USA seien entschlossen, dabei zu helfen, "einen nachhaltigen Frieden zu schaffen".

In Bezug auf die zeitgleichen tödlichen Proteste an der Grenze zwischen dem Gazastreifen und Israel sagte Kushner: "Diejenigen, die Gewalt provozieren, sind Teil des Problems, nicht Teil der Lösung." Kushner gehört zu Trumps Team, das sich um eine Friedenslösung für den Nahen Osten bemühen soll.

Mitt Romney kritisiert Gästeliste

Der frühere republikanische Präsidentschaftskandidat Mitt Romney kritisierte die Teilnahme des Baptistenpredigers Robert Jeffress bei der Eröffnungszeremonie.

Jeffress habe in der Vergangenheit gesagt, man könne "nicht dadurch gerettet werden, dass man Jude ist" und "Mormonismus sei Ketzerei aus dem Höllenloch". Über den Islam habe Jeffress dasselbe gesagt.

"Ein so bigotter Mensch sollte nicht das Gebet sprechen, dass die Botschaft der Vereinigten Staaten in Jerusalem eröffnet", schrieb Romney.

Islamischer Ostteil Jerusalems wurde im Sechstagekrieg erobert

Israel hat den Ostteil Jerusalems im Sechstagekrieg 1967 erobert. Den Anspruch der Palästinenser auf Ost-Jerusalem als Hauptstadt für einen eigenen Staat Palästina lehnt Israel ab.

Doch die internationale Gemeinschaft pocht darauf, dass der künftige Grenzverlauf in Verhandlungen beider Seiten geklärt wird. Dies hat auch Trump gesagt.

Der US-Kongress hatte schon 1995 ein Gesetz beschlossen, das die Verlegung der Botschaft nach Jerusalem vorsieht. Seitdem hatten aber alle US-Präsidenten aus Sorge vor politischen Turbulenzen alle sechs Monate ein Dekret unterzeichnet, das die Gültigkeit des Gesetzes aussetzte.

Trump ließ den Termin im Dezember jedoch verstreichen. Er hatte die Verlegung der US-Botschaft nach Jerusalem im Wahlkampf versprochen.

Noch keine Entscheidung über langfristigen Standort der Botschaft

Die Umwandlung des Konsulatsgebäudes in Arnona ist noch keine Entscheidung über den langfristigen Botschaftsstandort.

"Zunächst wird die Übergangsbotschaft in Arnona Bürofläche für den Botschafter und einen kleinen Stab enthalten", sagte ein Vertreter des US-Außenministeriums im Vorfeld.

Bis Ende kommenden Jahres sei die Eröffnung eines Botschaftsanbaus auf dem Gelände geplant. Zudem sei mit der Suche nach einem Standort für die ständige Botschaft begonnen worden.

Rund 450 Bewohner einer Wohneinrichtung für ältere Menschen im Diplomat-Hotel, das Teil des neuen Komplexes ist, müssen aber vermutlich binnen zwei Jahren ausziehen. (ank/dpa)