Theresa May hat für einen Paukenschlag gesorgt. Die britische Premierministerin kündigte überraschend vorgezogene Neuwahlen an. Was bezweckt May damit? Und wie reagieren die übrigen Parteien auf diesen Schritt? Ein Überblick.

Diese Ankündigung kam überraschend: Großbritanniens Premierministerin Theresa May lässt vorgezogene Neuwahlen abhalten - und das bereits am 8. Juni. Eigentlich hätten die Briten erst 2020 wieder an die Wahlurne gemusst.

May begründete den Schritt damit, dass sich das Parlament uneinig über den geplanten EU-Austritt ihres Landes sei. Zugleich betonte sie: "Vom Brexit gibt es kein Zurück."

Nach Einschätzung des renommierten britischen Politologen John Curtice hofft May bei der Neuwahl nicht nur zu siegen, sondern die Mehrheit ihrer Konservativen zu erweitern, wie er dem Sender BBC sagte.

Es könne dem Experten zufolge aber auch sein, dass Mays Mehrheit gar nicht so hoch ausfalle. Die Kernfrage sei nun, ob der Chef der oppositionellen Labour-Partei, Jeremy Corbyn, seine Partei einen könne - auch in Bezug auf den EU-Austritt Großbritanniens.

Deutscher Ökonom: "Riskantes Spiel für May"

Der deutsche Ökonom Marcel Fratzscher sieht in den vorgezogenen Neuwahlen "ein riskantes Spiel für Premierministerin May". Das erklärte der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin.

"Ich sehe die Entscheidung Mays als eine politische, um interne Konkurrenten aus dem Weg zu räumen", so der Ökonom. "Die Neuwahlen werden auch ökonomisch zu mehr Unsicherheit führen und somit die Wirtschaft schwächen."

Mays größter politischer Konkurrent Corbyn sieht die Entscheidung zur Ansetzung einer Neuwahl als Chance. "Ich begrüße die Entscheidung der Premierministerin, dem britischen Volk die Möglichkeit zu geben, eine Regierung zu wählen, die die Interessen der Mehrheit an erste Stelle stellt", schrieb er auf Twitter.

Corbyn hatte seine Abgeordneten bei der Abstimmung über das Brexit-Gesetz zum Ausstieg Großbritanniens aus der EU angewiesen, dafür zu stimmen. Seine Partei werde die Brexit-Verhandlungen nicht blockieren, hatte er angekündigt. Wie genau er sich nun vor der Neuwahl in Sachen Brexit positionieren will, ließ er zunächst offen.

Corbyn hatte schon vergangenes Jahr erklärt, er rechne 2017 mit vorgezogenen Parlamentswahlen, seine Partei bereite sich darauf vor. Mit Blick auf parteiinterne Grabenkämpfe äußerte der 67 Jahre alte Altlinke die Hoffnung, "dass alle Mitglieder unseren Wahlkampf unterstützen werden".

Ukip will harte Umsetzung des Brexit

Der Chef der EU-kritischen britischen Ukip-Partei, Paul Nuttall, will im Wahlkampf für eine harte Umsetzung des Brexit kämpfen. Jede Stimme für Ukip sei eine Mahnung an May, dass das britische Volk einen klaren EU-Austritt mit wiedererrichteten Grenzen wolle, schrieb der Chef der rechtspopulistischen Partei auf Twitter. Mays Entscheidung zur Neuwahl sei getrieben von der Schwäche der Labour-Partei.

Der Chef der britischen Liberaldemokraten, Tim Farron, appellierte an die Wähler, die Neuwahl als Chance zu nutzen. "Diese Wahl ist Eure Chance, die Richtung unseres Landes zu ändern", schrieb Farron auf Twitter. Die Liberaldemokraten stehen einem harten Austritt des Landes aus der Europäischen Union kritisch gegenüber.

Konservative liegen in Umfragen klar vorn

Mays Konservative Partei liegt in den jüngsten Umfragen von Forschungsinstituten weit vor der oppositionellen Labour-Partei. Das Institut YouGov sieht die Konservativen in ihrer Umfrage vom 12./13. April bei 44 Prozent der Stimmen. Corbyns Labour-Partei kommt auf 23 Prozent.

Die Liberaldemokraten erreichen 12 und die rechtspopulistische Ukip 10 Prozent. Die Hälfte der Wähler favorisiert May (50 Prozent) vor Corbyn als Regierungschefin. Der Labour-Chef wird von 14 Prozent unterstützt.

Ähnlich sieht das Ergebnis der jüngsten ComRes-Umfrage zwischen 11. und 13. April im Auftrag von "Independent" und "Sunday Mirror" aus. Demnach kommen die Konservativen auf 46 Prozent der Stimmen, während Labour 25 Prozent erhält.

Dahinter liegen die Liberaldemokraten mit 11 und Ukip mit 9 Prozent. In einer ICM-Erhebung von Anfang April für den "Guardian" ist die Größenordnung ähnlich: 43 Prozent für die Konservativen und 25 Prozent für Labour. (dpa/tfr)