Angela Merkel ist auf dem CDU-Parteitag in Essen als Parteivorsitzende wiedergewählt worden. Dabei erhielt sie 89,5 Prozent der Stimmen - ein deutlicher Dämpfer für die Kanzlerin. Zuvor hatte Merkel in ihrer Rede einen Appell an ihre Partei gerichtet.

Angela Merkel wurde am Dienstagnachmittag zum neunten Mal zur CDU-Vorsitzenden gewählt. Sie steht seit fast 17 Jahren an der Spitze ihrer Partei und will sie 2017 zum vierten Mal in den Bundestagswahlkampf führen.

Vor zwei Jahren war die heute 62-Jährige mit 96,7 Prozent der Stimmen bestätigt worden. Ihr bestes Ergebnis stammt aus dem Jahr 2012. Damals kam sie auf 97,9 Prozent - vor dem Wahljahr 2013, als die Union dann mit 41,5 Prozent Wahlsiegerin mit großem Abstand zur SPD wurde.

Ihr bisher niedrigster Wert war 88,4 Prozent im Jahr 2004. Damals war Merkel noch nicht Kanzlerin.

Merkel sagte nach der Wahl: "Liebe Delegierte, ich nehme die Wahl an und freue mich über das Ergebnis. Herzlichen Dank für das Vertrauen."

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Angela Merkel überlebt sie alle

Bundeskanzlerin Angela Merkel bleibt. Alle anderen müssen oder wollen gehen - zumindest die Regierungschefs der führenden Industrienationen, die sie beim G7-Gipfel in Deutschland im Jahr 2015 als Gastgeberin empfangen hat.

Angela Merkel hat Partei zuvor um Hilfe gebeten

Die CDU wertet anders als andere Parteien die Enthaltungen bei der Abstimmung als ungültig. So fallen die Ergebnisse meistens etwas besser aus. Bezieht man die Enthaltungen mit ein, kommt Merkel diesmal auf 89,1 Prozent. Sie wurde zum neunten Mal zur CDU-Vorsitzenden gewählt.

Das Ergebnis ist vergleichsweise mager für die Kanzlerin vor dem Wahljahr 2017. Merkel steht seit fast 17 Jahren an der Spitze ihrer Partei und will sie zum vierten Mal als Kanzlerkandidatin in den Bundestagswahlkampf führen.

Zuvor hatte die CDU-Vorsitzende ihre Partei auf einen harten Bundestagswahlkampf eingestimmt. "Ihr müsst mir helfen", sagte die 62-Jährige zu den rund 1000 Delegierten. "Die Bundestagswahl wird schwierig wie keine Wahl zuvor, zumindest seit der Einheit. Sie wird wahrlich kein Zuckerschlecken."

In ihrer 77-minütigen Rede wurde Merkel erst in der letzten Viertelstunde kämpferisch und persönlich. Ihre Entscheidung, nochmals als Kanzlerkandidatin anzutreten, sei alles andere als trivial gewesen - "weder für das Land, noch für die Partei, noch für die Person", sagte die Parteivorsitzende.

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Angela Merkels Weg zur Kanzlerin

Seit fast zwölf Jahren sitzt sie bereits am Ruder und es könnten noch mehr werden. Wir haben ihre Verwandlungen in Bildern für zusammengetragen.

CSU-Generalsekretär lobt Merkels Rede

CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer lobte am Rande des Parteitags, das Treffen in Essen sei eine "gute Startrampe" für den gemeinsamen Bundestagswahlkampf. Merkel habe eine gute Rede mit "sehr viel Selbstkritik" gehalten.

In der Aussprache nach Merkels Rede gab es teilweise heftige Kritik an der Vorsitzenden. Sie habe die CDU zu weit nach links gerückt und mit ihrer Flüchtlingspolitik die Alternative für Deutschland (AfD) erst möglich gemacht, erklärten mehrere Redner.

Es war Merkels erste Wahl bei einem Parteitag seit der Flüchtlingskrise 2015 und ihren umstrittenen Entscheidungen bei der Aufnahme von fast einer Million Menschen. Inzwischen hat die CDU ihre Asylpolitik massiv verschärft und will auf diesem Kurs bleiben.

Am Mittwoch sollen die Delegierten auf Vorschlag der Parteispitze beschließen, dass Abschiebehaft und Ausreisegewahrsam noch strenger geregelt und Verstöße gegen Vorschriften bei der Aufnahme oder gegen Integrationsmaßnahmen schärfer geahndet werden.

Heftige Kritik an Merkel in der Aussprache

Für viele Delegierte kommt diese Kursanpassung zu spät. In der Aussprache nach Merkels Rede haben mehrere Redner die Vorsitzende heftig kritisiert.

Die baden-württembergische Delegierte Christine Arlt-Palmer beklagte am Dienstag in Essen, die CDU habe es ermöglicht, "dass sich am rechten Rand die AfD gebildet hat. Dieses Terrain werden wir nicht zurückgewinnen".

In der Flüchtlingspolitik habe man "Herrn Seehofer gegen die Wand laufen lassen". Dabei habe sich der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer - von der Obergrenze abgesehen - bei allen Themen durchgesetzt. Deswegen könne sie die Euphorie beim Parteitag, der Merkel über zehn Minuten lang applaudiert hatte, nicht teilen.

Der ehemalige hessische CDU-Fraktionschef Christean Wagner, der immer wieder auf das konservative Profil der CDU pocht, sagte: "Ich halte viel davon, dass wir nüchtern die Realität betrachten und uns fragen, wo wir besser werden müssen."

Ein weiterer Delegierter aus Baden-Württemberg griff Merkel frontal an. "Sie haben im Kielwasser des Zeitgeists die CDU nach links geführt", sagte Eugen Abler. "Links gewinnen wir wenige Wähler, rechts verlieren wir viele."

Es sei falsch, die rechtspopulistische Alternative für Deutschland zu ignorieren. Viele Konservative seien "heimatlos" geworden. Merkels Flüchtlingspolitik sei grundfalsch gewesen. (cai/she/dpa)