In weniger als einer Woche findet die Bundestagswahl 2017 statt. Vor allem die kleinen Parteien liefern sich ein enges Rennen um Platz drei, während Union und SPD in Umfragen zuletzt Verluste zu verzeichnen hatten. Das eröffnet neue machtpolitische Optionen. Welche Koalitionen wie wahrscheinlich sind - und was Wähler und Politiker dazu sagen - ein Überblick.

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Der Wahlkampf geht in seine letzte Woche und das Rennen ist eng - zumindest, was den Kampf um Platz drei angeht.

Einer aktuellen Emnid-Umfage zufolge liegen FDP (9 Prozent), Grüne (8 Prozent), Linke (10 Prozent) und AfD (11 Prozent) recht dicht beieinander.

Dagegen scheint klar zu sein, dass die Union stärkste Partei und die SPD deutlich abgeschlagen auf Platz zwei landen dürfte.

Welche Koalitionen - neben der Großen Koalition - rein rechnerisch möglich sind, wird sich erst am Wahlabend endgültig klären.

Welche Koalition wie wahrscheinlich ist

Auch inhaltlich ist das letzte Wort noch nicht gesprochen. Alle Parteien haben bisher betont, keinen Koalitionswahlkampf zu führen.

Doch desto heißer der Wahlkampf wird, desto klarer werden die Aussagen zu möglichen, aber auch unmöglichen Optionen nach der Wahl - und Bedingungen für eine Zusammenarbeit.

Das zeigt: Eine Regierungsbildung könnte schwierig werden.

Wir haben daher einmal genauer hingeschaut, einerseits welche Koalitionen laut Umfragen eine Mehrheit überhaupt erreichen dürften, wie die Bürger diese finden und was Spitzenpolitiker der Parteien dazu sagen.

Große Koalition (Union und SPD)

Wahrscheinlichkeit für Mehrheit: 100 Prozent (zweitstimme.org; Stand: 17. September)

Sitzverteilung: 361, damit absolute Mehrheit (Emnid; Stand: 16. September)

Bewertung der Wähler: schlecht: 42 Prozent - gut: 40 Prozent (ZDF-Politbarometer)

Gemeinsamkeiten der Parteien: 20 (Uni Mannheim)

Konflikte bei den Parteien: 6 (Uni Mannheim)


Jamaika (Union, FDP und Grüne)

Wahrscheinlichkeit für Mehrheit: 88 Prozent (zweitstimme.org; Stand: 17. September)

Sitzverteilung: 330, damit absolute Mehrheit (Emnid: 16. September)

Bewertung von den Wählern: schlecht: 52 Prozent - gut 25 Prozent (ZDF- Politbarometer)

Gemeinsamkeiten der Parteien: 9 (Uni Mannheim)

Konflikte bei den Parteien: 21 (Uni Mannheim)

Schwarz-Gelb (Union und FDP)

Wahrscheinlichkeit für Mehrheit: 29 Prozent (zweitstimme.org; Stand: 17. September)

Sitzverteilung: 280, damit keine absolute Mehrheit (Emnid; Stand: 16. September)

Bewertung der Wähler: schlecht: 40 Prozent - gut 39 Prozent (ZDF-Politbarometer)

Gemeinsamkeiten der Parteien: 20 (Uni Mannheim)

Konflikte bei den Parteien: 6 (Uni Mannheim)

Schwarz-Grün (Union und Grüne)

Wahrscheinlichkeit für Mehrheit: 18 Prozent (zweitstimme.org; Stand: 17. September)

Sitzverteilung: 274, damit keine absolute Mehrheit (Emnid; Stand: 16. September)

Bewertung der Wähler: schlecht: 44 Prozent - gut 30 Prozent (ZDF-Politbarometer)

Gemeinsamkeiten der Parteien: 15 (Uni Mannheim)

Konflikte bei den Parteien: 13 (Uni Mannheim)

Ampel (Rot-Grün-Gelb)

Wahrscheinlichkeit für Mehrheit: 3 Prozent (zweitstimme.org; Stand: 17. September)

Sitzverteilung: 243, damit keine absolute Mehrheit (Emnid; Stand: 16. September)

Bewertung der Wähler: schlecht: 53 Prozent - gut 22: Prozent (ZDF-Politbarometer)

Gemeinsamkeiten der Parteien: 11 (Uni Mannheim)

Konflikte bei den Parteien: 20 (Uni Mannheim)

Rot-Rot-Grün (SPD, Linke, Grüne)

Wahrscheinlichkeit für Mehrheit: 3 Prozent (zweitstimme.org; Stand: 17. September)

Sitzverteilung: 249, damit keine absolute Mehrheit (Emnid; Stand: 16. September)

Bewertung von den Wählern: schlecht: 63 Prozent - gut: 24 Prozent (ZDF-Politbarometer)

Gemeinsamkeiten der Parteien: 19 (Uni Mannheim)

Konflikte bei den Parteien: 12 (Uni Mannheim)

Die Wahrscheinlichkeit der Koalitionsoptionen beruhen auf den Berechnungen von Zweitstimme.org. Mit Hilfe statistischer Verfahren hat das Team um Professor Thomas Gschwend ein Modell entwickelt, das die Koalitionsmöglichkeiten auslotet.
Vor 15 Jahren hatte seine Formel erstmals funktioniert. Entgegen der Umfragen hatte sie die Wiederwahl von Rot-Grün unter Gerhard Schröder exakt vorhergesagt. Allerdings gab es nach 2005 auch Kritik an der Methode. Matthias Jung von der Forschungsgruppe Wahlen, sagte unserer Redaktion, "dass die Formel von Herrn Prof. Gschwend höchst umstritten ist."
Zudem gibt es eine Auswertung des Mannheimer Zentrums für europäische Sozialforschung für die inhaltlichen Schnittmengen der Parteien, auf die wir uns hier beziehen.
Die Zahlen zur möglichen Sitzverteilung beruhen auf den angegebenen Umfrageergebnissen. Ebenso die Zahlen zur Bewertung der Wähler.

(fab/thp/cai)