Während die CDU Merkel erneut ins Rennen schicken will, herrscht bei der SPD noch Zwiespalt. Grüne und Linke setzen auf Pluralität, die AfD hingegen verzichtet wohl auf den Kanzleranwärter. Wir stellen die möglichen Kanzler-Kandidaten der wichtigsten Parteien im Überblick vor.

Trotz starker Verluste in Umfragen kann die CDU noch immer die Mehrheit der Stimmen für sich verbuchen. Ob Angela Merkel wieder als Kanzlerkandidatin für die Partei antreten wird, ist bislang noch unklar. Medienberichten zufolge wolle Merkel ihre Entscheidung erst im Frühjahr 2017 bekanntgeben.
Die CSU will Berichten des "Spiegel" zufolge notfalls einen eigenen Wahlkampf bestreiten. Horst Seehofers Stellvertreterin Ilse Aigner erklärte bereits, die CSU werde in diesem Fall wenig überraschend auf Merkels Gegenspieler aus Bayern setzen.
Sollte Merkel sich für einen Rückzieher entscheiden, mischen sich die Karten neu. Finanzminister Wolfgang Schäuble war in der Vergangenheit bereits häufig als Kanzlerkandidat im Gespräch. Momentan ist davon zwar nicht die Rede – dies könnte sich dann aber ändern.
Eine weitere mögliche Merkel-Nachfolgerin ist Ursula von der Leyen. Die amtierende Verteidigungsministerin hat große Ambitionen und ist innerhalb der CDU nach Merkel die beliebteste Politikerin.
Auch Thomas de Maizière würde sich als Merkel-Nachfolger eignen. Als Unterstützer der Flüchtlingspolitik Merkels ist er einer der wichtigsten Männer in der Union.
Die SPD will Anfang Januar über den Kanzlerkandidaten entscheiden. Ob der Parteivorsitzende Sigmar Gabriel die Genossen anführen kann, ist bislang noch umstritten. Gabriel gab bei "Spiegel Online" an, er wünsche sich einen Mitgliederentscheid zwischen mehreren Kandidaten.
In Frage käme auch Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier, der bereits 2009 als Spitzenkandidat ins Rennen gegangen war. Trotz der damaligen Niederlage mit nur 23 Prozent der Stimmen ist er unter SPD-Anhängern um einiges beliebter als Parteichef Gabriel.
Hannelore Kraft können sich ebenfalls viele als SPD-Spitzenkandidatin vorstellen. Sie selbst sagte dazu allerdings im November 2013 in einer Sitzung der SPD-Landtagsfraktion, sie werde niemals als Kanzlerkandidatin antreten. Es bleibt zu sehen, ob sie ihre Meinung ändern wird.
SPD-Parteivize und Hamburgs erster Bürgermeister Olaf Scholz schließt eine eigene Kandidatur nicht aus. Zu der Vielzahl der möglichen Anwärter sagte er im "Spiegel"-Interview: "Es ist gut, dass die SPD eine Reihe von Personen hat, denen man das Kanzleramt zutraut".
Zu diesen Personen gehört auch Martin Schulz, seit 2012 EU-Parlamentspräsident. Er äußert sich in letzter Zeit vermehrt zu innenpolitischen Themen. In einer Talkrunde bei "Anne Will" sagte er zu Oscar Lafontaine: "Du hattest die exekutive Macht, ich bisher noch nicht". Deutet dies auf Kanzlerambitionen hin?
Die Linke stellt gleich vier mögliche Spitzenkandidaten, die den Wahlkampf wie bereits 2002 als Quartett bestreiten könnten. Eine bisher diskutierte Option war der Antritt der Fraktionschefs Sarah Wagenknecht und Dietmar Bartsch, gemeinsam mit den Parteivorsitzenden Katja Kipping und Bernd Riexinger.
Anfang Oktober gaben Sarah Wagenknecht und Dietmar Bartsch jedoch bei einem Treffen in der Parteizentrale bekannt, dass sie den Wahlkampf nun gemeinsam als Duo bestreiten wollen. Das letzte Wort hat allerdings die Parteiführung.
Bei den Grünen gibt es vier potenzielle Spitzenkandidaten: Fraktionschef Anton Hofreiter, den Bundesvorsitzenden Cem Özdemir, Fraktionschefin Katrin Göring-Eckhardt und den schleswig-holsteinischen Landtagsabgeordneten Robert Habeck.
Katrin Göring-Eckhardt sagte schon 2015 im "Spiegel"-Interview, sie wolle gern kandidieren. Als einzige weibliche Kandidatin unter den Bewerbern hat sie damit den Frauenplatz für das Spitzenkandidaten-Duo inne.
Anton Hofreiter wird seine Bewerbung für den zweiten Platz des Duos einreichen. Der Grünen-Fraktionschef gilt als Parteilinker und sitzt seit 2005 im Bundestag.
Auch Cem Özdemir, der als erster Abgeordneter türkischer Herkunft seit 1994 im Parlament sitzt, und der eher unbekannte Schriftsteller Robert Habeck kandidieren um den Männerposten. Die Grünen-Mitglieder bestimmen per Urwahl welches Spitzenkandidatenteam 2017 die Bundestagswahl bestreiten wird.
Die FDP kürte den Landtagsabgeordneten Christoph Rasche zum Spitzenkandidaten für die Bundestagswahl. Aktuelle Umfragen deuten darauf hin, dass die Partei gute Chancen hat, 2017 wieder ins Parlament einzuziehen.
Wird die AfD ebenfalls einen Spitzenkandidaten nominieren? AfD-Vizeparteichef Alexander Gauland sprach sich dagegen aus. Er sagte dem "Kölner Stadt-Anzeiger", ein Spitzenkandidat sei nur nötig, wenn er auch als Kanzlerkandidat antrete.
Zuvor war neben Gauland auch die umstrittene Parteivorsitzende Frauke Petry als Kandidatin diskutiert worden. Innerhalb des Bundesvorstands der Partei gibt es jedoch Stimmen, die sich gegen ein alleiniges Antreten Petrys aussprechen. Bisher gibt es aus den Reihen der AfD noch keine weiteren Informationen zum Vorgehen.