Die Landschaft der Parteien in Deutschland ist langweilig und die Wahlprogramme sind sowieso alle gleich? Von wegen! Auf der Bewerberliste für die Bundestagswahl 2013 im September tummeln sich eine Vielzahl von kleinen und kleinsten Parteien mit großen Zielen. Da ist für jeden etwas dabei - sogar für Nichtwähler.

Wer die Welt verändern will, muss klein anfangen. Zum Beispiel mit der Gründung einer Partei. Sind erst einmal Name, Mitglieder und eine Satzung zusammen, kann sich die Partei für die Bundestagswahl bewerben. Der Bundeswahlausschuss trifft schließlich die Entscheidung, welche Parteien hierfür zugelassen werden. Neben der Einhaltung formeller Kriterien wie der fristgerechte Eingang der Bewerbung und ausreichend Unterstützungsunterschriften spielt auch das ernsthafte Interesse der Partei, die politische Willensbildung in Deutschland gestalten zu wollen, eine Rolle.

"Für ein wunderschönes Land in einer wundervollen Welt voll wunderbarer Menschen"

Um den bürokratischen Hürdenlauf auf sich zu nehmen, braucht man also eine gute Portion Idealismus. Über den scheint die "Union der Menschlichkeit" in ausreichendem Maß zu verfügen. Die neu gegründete Vereinigung aus Bayern will sich für das "Wohl aller" einsetzen, wozu auch Weltfrieden und die Förderung von Naturheilkunde gehören.

Einen ähnlichen Weg verfolgt auch die mittlerweile schon als etabliert anzusehende Partei "Die Violetten" (Partei-Maskottchen: ein lila Schmetterling). Seit 2001 wollen die Mitglieder mehr Spiritualität in die Politik bringen. "Die Violetten" setzen sich ebenso für das bedingungslose Grundeinkommen ein wie für eine liberale Drogenpolitik und mehr Miteinander in der Gesellschaft.

Auch bei "Frühling-in-Deutschland e.V." menschelt es gewaltig. Die Partei macht sich "für ein wunderschönes Land in einer wundervollen Welt voll wunderbarer Menschen" stark. Da darf man auch mal nach den Sternen greifen: Parteichef Robert Schmidtke stellt sich auf der Homepage selbstbewusst als "Ihr nächster Bundeskanzler" vor. Ehrgeizig sind auch die Ziele der Partei: Nach der Bundestagwahl 2017 will sich "Frühling" bereits an der Regierung beteiligen - nur vier Jahre nach Gründung der Partei.

Aber nicht hinter jeder Partei muss ein ganzes Weltbild stehen. Manche Vereinigungen spezialisieren sich auch auf bestimmte Themen. Vegetarier und "Peta"-Aktivisten können sich vielleicht mit der "Tierschutzpartei" anfreunden. Feminist(inn)en dürften mit der Partei "Die Frauen" glücklich werden, und wer die Gegend südlich des Weißwurstäquators von der deutschen Landkarte streichen will, macht sein Kreuz am besten bei der Bayernpartei: Deren oberstes Ziel ist nämlich der Austritt Bayerns aus dem deutschen Staatsverband.

Generell hat Alternativen zur Auswahl, wer oft darüber den Kopf schüttelt, was "die da oben" in Berlin so machen: Die "Partei der Vernunft" und die "Partei Gesunder Menschenverstand Deutschland" behaupten jedenfalls zu besitzen, was der gemeine Volksvertreter nach landläufiger Meinung vermissen lässt.

Auch Nichtwähler können jetzt wählen

Wer den religiösen Bezug bei den etablierten Parteien vermisst, ist bestens bei den klar christlich positionierten Vereinigungen aufgehoben. Gleich drei Parteien haben sich in Deutschland dasselbe politische Ziel auf die Fahne geschrieben: Ein Leben nach Gottes Geboten. Die "Partei Bibeltreuer Christen" und auch "Aufbruch C" zum Beispiel schwingen in ihrem Parteiprogramm vor allem die altbewährte Moralkeule.

Die "Christliche Mitte" hingegen fährt da schon schwerere Geschütze auf. "6. Gebot: Du sollst nicht Unkeuschheit betreiben! Die CHRISTLICHE MITTE sagt NEIN zu Porno und JA zu christlicher Sitte und Ordnung", schreit deren Parteiprogramm potenzielle Wähler förmlich an. Warum Gott etwas gegen Pornographie hat, wird leider nicht erklärt.

Ein Partei für Pornographie gibt es übrigens noch nicht. Wen diese Tatsache nicht in eine Spirale absoluter Politikverdrossenheit stürzt, der kann ruhig trotzdem wählen gehen. Denn auch für sogenannte "Nichtwähler" gibt es Parteien. Zum Beispiel die - Überraschung - "Partei der Nichtwähler". Diese will Nichtwählern ermöglichen, "ihre Stimme einer unabhängigen Kraft geben zu können, die den etablierten Parteien sagt: 'Stopp!'"

Eine ähnliche Zielsetzung verfolgt die Partei "NEIN!-Idee". Die vertritt nämlich des Wählers Recht, "zu allen aufgelisteten Parteien und Kandidaten NEIN! zu sagen." Veranschaulicht wird das Ganze in einem kleinen Filmchen, in dem eine Frau wahnsinnig oft nein sagt und am Ende von ihrem Mann ein Croissant bekommt.

Sollte Ihnen Nein-Sagen allein noch nicht rebellisch genug sein, dann gibt es immer noch die "Anarchistische Pogo-Partei Deutschlands". Seit 1997 nimmt die APPD an Wahlen teil und sorgt mit Zielen wie "Das Recht auf Arbeitslosigkeit bei vollem Lohnausgleich" für bis über die Stirn hochgezogene Augenbrauen bei den etablierten Partien. Sollten Sie sich ebenfalls die "totale Rückverdummung der der Menschheit" wünschen und "Arbeit scheiße finden", sind Sie bei der APPD bestens aufgehoben.

(com/ska)