Nach Informationen des Bayerischen Rundfunks soll Markus Söder Horst Seehofer als Ministerpräsident von Bayern ablösen. Jedoch dementiert die CSU, dass eine Entscheidung bereits gefallen sei.

Nach Informationen des Bayerischen Rundfunks hat die CSU in der parteiinternen Personaldebatte eine Entscheidung gefällt: Der Franke Markus Söder soll statt Horst Seehofer Ministerpräsident von Bayern werden.

Die CSU dementierte diese Meldung jedoch umgehend - es sei noch keine Personalentscheidung gefallen:


CSU will sich erst Anfang Dezember entscheiden

Tatsächlich will der CSU-Vorstand wohl erst Anfang Dezember offiziell eine Empfehlung zur künftigen Personalaufstellung beschließen. Dies kündigte Landtagsfraktionschef Thomas Kreuzer am Donnerstag in München nach einer Sondersitzung der CSU-Fraktion mit Parteichef Horst Seehofer an. "Er (Seehofer) wird in den nächsten Tagen mit allen Beteiligten, der Partei, aber auch der Fraktion Gespräche führen", betonte Kreuzer. Seehofers Vorschlag sei in der Fraktion in allen Wortmeldungen "sehr begrüßt worden". Es habe keine Kritik gegeben. "Über Namen und Personen wurde nicht gesprochen."

Zuvor hatte der BR weiter berichtet, dass Seehofer sein Amt als Parteivorsitzender trotz des Wechsels an der Landesspitze behalten werde.


Das erscheint trotz Dementi als wahrscheinliches Szenario. Seehofer wäre dann immer noch in Lage, die CSU durch die unsicheren Zeiten in Berlin zu lotsen: die nächsten Sondierungen, mit der SPD oder wem auch immer, oder in mögliche Neuwahlen.

Es gilt auch nicht als ausgeschlossen, dass er als Bundesminister nach Berlin wechseln würde. Denn dort fühle sich der bundespolitische Stratege sichtlich wohl, heißt es, das hätten die Jamaika-Sondierungen wieder gezeigt.

Dieses Szenario hätte für die CSU von außen betrachtet den Reiz, dass die beiden Alphatiere den Karren gemeinsam ziehen: Seehofer als gewiefter Bundespolitiker in Berlin; und Söder, der bei der Landtagswahl das Maximale für die CSU herausholen soll. Andererseits: Vielen scheint eine Doppelspitze Söder/Seehofer aufgrund des schon seit langem miserablen Verhältnisses der beiden kaum vorstellbar.

Welche Szenarien gibt es noch?

Allerdings gibt es auch noch weitere Szenarien:

Seehofer könnte weiter auf stur schalten und ankündigen, beide Ämter über 2018 hinaus weiterführen zu wollen.

Dann, heißt es, würde es die Partei zerreißen. Der Parteitag wäre völlig unkalkulierbar, Seehofer würde allenfalls mit einem miserablen Ergebnis wiedergewählt.

Und die Folgen für das Landtagswahljahr wären wohl verheerend. Deshalb gilt diese Variante in der Partei inzwischen als sehr unwahrscheinlich.

Da ist es schon vorstellbarer, dass Seehofer tatsächlich hinschmeißt und ankündigt, seine beiden Ämter abzugeben - wohl aber nicht vorzeitig, sondern erst zum Ende der Legislatur.

Dann dürfte die Spitzenkandidatur für die Landtagswahl 2018 auf Finanzminister Markus Söder zulaufen.

Wer wird Parteichef?

Und wer wird dann Parteichef? Genannt für ein solches Szenario wird vor allem Landesgruppenchef Alexander Dobrindt, der sich auch bei den Jamaika-Sondierungen auffällig profiliert hat.

Parteivize Manfred Weber scheidet wohl aus, weil er als Chef der EVP-Fraktion im Europaparlament räumlich zu weit weg ist. Oder doch der CSU-Wunsch-Bundesinnenminister Joachim Herrmann?

Als realistischste Variante gilt vielen in der Partei jedenfalls eine Doppelspitze Söder-Dobrindt - auch weil dann ein regionales Gleichgewicht zwischen dem Nürnberger Söder und dem Oberbayer Dobrindt gegeben wäre.

Die Frage ist nur, ob das Söder-Lager einfach akzeptieren würde, dass der Nürnberger bis zur Landtagswahl ohne Spitzenamt auskommen muss. Aber: Auch Ilse Aigners Urwahl-Idee ist noch keineswegs ganz aus der Welt.

Noch scheint also entgegen lautender Berichte noch nichts entschieden. Und wie sagte Seehofer zuletzt: "Es ist alles denkbar - und auch das Gegenteil."