Die Liberalen hatten Jamaika kurz vor Abschluss der Sondierungen spektakulär zum Scheitern gebracht. Jetzt denkt FDP-Vize Kubicki über eine Wiederaufnahme nach, sollten sich Union und SPD nicht einigen.

"Lieber nicht regieren als falsch" - mit diesem Spruch hatte die FDP das Jamaika-Aus besiegelt. Seither inszenieren sie sich als standhafte Verhandler, die zu ihren Prinzipien stehen und im Zweifel auf die Macht verzichten.

Doch offenbar ist ein Bündnis mit Union und Grünen für die Liberalen noch nicht vom Tisch.

"Scheitert die GroKo, haben wir eine andere Lage"

Parteivize Wolfgang Kubicki sagte dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND): "Eines ist doch klar: Scheitert die GroKo, haben wir eine andere Lage."

Nach dem Ende der Jamaika-Sondierungen hatten die Sozialdemokraten auf Drängen von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier ihre harte Ablehnung einer Regierungsbeteiligung aufgegeben.

Jetzt wollen sie in Gesprächen mit CDU und CSU ausloten, ob es eine Zusammenarbeit geben kann. Allerdings gibt es in den Reihen der SPD weiterhin große Vorbehalte gegen eine Große Koalition.

Beim bevorstehenden Parteitag in Berlin wollen sich die Parteispitzen das Einverständnis zu Gesprächen von der Basis holen.

Wolfgang Kubicki widerspricht Christian Lindner

Zuletzt war die Stimmung zwischen SPD und Konservativen jedoch angespannt. Parteichef Martin Schulz hat wiederholt deutlich gemacht, dass am Ende der Gespräche auch die Duldung einer Minderheitsregierung oder Neuwahlen stehen könnten.

FDP-Politiker Kubicki sagte nun: "Selbstverständlich werden die Freien Demokraten im Licht der Entwicklung neue Bewertungen vornehmen. Wir sind schließlich keine Dogmatiker."

Damit widerspricht Kubicki seinem eigenen Parteichef Christian Lindner. Dieser hatte kürzlich dem SPIEGEL gesagt, "auf absehbare Zeit" sei eine Zusammenarbeit mit den Grünen auf Bundesebene für die FDP "nicht vorstellbar. Eine Wiederaufnahme der Gespräche schließe ich aus."

Die SPD-Fraktionsvorsitzende Andrea Nahles ist für markige Worte bekannt, gerade auch gegen CDU und CSU. Es gibt Gründe, warum sich Nahles so lautstark positioniert.


© SPIEGEL ONLINE