Mit Erleichterung und Zustimmung reagiert die Union um Kanzlerin Angela Merkel auf das "Ja" der SPD-Mitglieder zur großen Koalition. Auch aus der FDP gibt es positive Reaktionen, Kritik dagegen von der Linkspartei - und von GroKo-Gegner Kevin Kühnert, den Chef der Jusos.

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CDU-Chefin Angela Merkel hat sich erleichtert über die unerwartet deutliche Zustimmung der SPD-Mitglieder zu einer neuen großen Koalition gezeigt.

"Ich gratuliere der SPD zu diesem klaren Ergebnis und freue mich auf die weitere Zusammenarbeit zum Wohle unseres Landes", twitterte die CDU im Namen Merkels am Sonntag.

Es wurde zunächst nicht erwartet, dass sich die Kanzlerin im Laufe des Tages etwa bei einem Auftritt in der Parteizentrale oder in einem Fernsehsender zum Ausgang des SPD-Entscheids äußern würde.

Die neue CDU-Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer sprach von einer guten Entscheidung für die SPD und vor allem für das Land. Nach CDU und CSU hätten sich nun auch die Sozialdemokraten bereit erklärt, Verantwortung in einer gemeinsamen Regierung zu übernehmen.

"Vor dieser neuen Bundesregierung liegt viel Arbeit, die jetzt zügig angegangen werden muss", sagte Kramp-Karrenbauer.

Dafür sei der gemeinsam ausgehandelte Koalitionsvertrag eine gute Grundlage, weil er die Weichen für die Zukunft richtig stelle und den Menschen konkrete Verbesserungen bringe. "Jetzt heißt es: an die Arbeit und zupacken", schrieb Kramp-Karrenbauer weiter.

Seehofer lobt, Lindner zollt Respekt

CSU-Chef Horst Seehofer lobte die Zustimmung der SPD zur neuen großen Koalition als wichtigen Schritt zu mehr Zusammenhalt in der Gesellschaft. "Ich gratuliere der SPD zum erfolgreichen Mitgliederentscheid. Das Ergebnis ist eine gute Grundlage für eine stabile Bundesregierung", sagte der 68-Jährige am Sonntag in München der Deutschen Presse-Agentur.

Der FDP-Vorsitzende Christian Lindner zollte den SPD-Mitgliedern Respekt für das Ja zur Fortsetzung der großen Koalition. Aber "es wäre auch ein Rätsel gewesen, wenn die SPD sich einem Koalitionsvertrag mit 70 Prozent eigenem Inhalt verweigert hätte", schrieb Lindner am Sonntag auf Twitter.

Seine Partei freue sich nun "auf smarte Oppositionsarbeit", fügte er hinzu, ohne genauer zu erläutern, was "smart" in diesem Zusammenhang bedeutet.

Der frühere Grünen-Chef Cem Ödzemir beglückwünschte Union und SPD zum Ergebnis des SPD-Mitgliederentscheids. "Habemus GroKo: Glückwunsch!", twitterte er nach Bekanntgabe des Ergebnisses.

"Konstruktive Opposition, bereit zum Dialog – für Infrastruktur der Chancen & für unsere liberale Gesellschaft – in der man sich frei bewegen, frei atmen & frei äußern kann. Für Klima, Europa & wertegeleitete Außenpolitik frei von schmutzigen Deals."

Kühnert will GroKo kritisch begleiten

Der Juso-Vorsitzende und GroKo-Gegner Kevin Kühnert will eine Neuauflage der großen Koalition sehr kritisch begleiten. Man lasse sich weder abbinden noch einkaufen noch mit neuen Ämtern ruhigstellen, kündigte er an. "Wenn Kritik nötig ist, dann wird sie von uns kommen."

Ein programmatischer Erneuerungsprozess der SPD sei dringend notwendig. Die Jusos wollten Garanten dieses Prozesses sein.

"Wir werden eine grundlegende Erneuerung einfordern und wir werden dieser Partei auch so lange aufs Dach steigen, bis wir das Gefühl haben, das passiert jetzt in einem ausreichenden Rahmen."

Der Anführer des Nein-Lagers soll in den geplanten Erneuerungsprozess der SPD eingebunden werden. Gelegentlich sei spekuliert worden, man müsse ihm in der Partei ein Angebot machen. "Meine Rolle ist die des Juso-Vorsitzenden (...) Niemand muss Kevin Kühnert oder irgendeiner anderen Person ein Angebot machen", so der Juso-Chef.

"Wer glaubt, den Konflikt, der da in den letzten Wochen und Monaten zu Tage getreten ist, sei dadurch aufzulösen, dass irgendjemandem ein Posten angeboten wird, hat im Kern nicht verstanden, worum es in unserer Kampagne eigentlich gegangen ist - nämlich um eine grundlegend andere politische Kultur."

Auch die Linke äußert Kritik

Auch Linksfraktionschef Dietmar Bartsch sieht das SPD-Mitgliedervotum für eine Neuauflage der großen Koalition kritisch.

"Union und SPD lassen die brennenden sozialen Fragen in unserem Land unbeantwortet", twitterte er. "Wie die SPD den Spagat zwischen Koalitionstreue und angekündigter Erneuerung schaffen will, bleibt ihr Geheimnis. Eines ist klar: Wir brauchen einen Aufbruch von links."

Die Parteivorsitzende Katja Kipping kritisierte ebenfalls das Votum. Ein Drittel Nein-Stimmen zeigten, dass die SPD-Mitglieder "Merkel satt" hätten. "Von sozialdemokratischer Aufbruchstimmung und Euphorie keine Spur", schrieb Kipping auf Twitter. (dpa/ms)

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