Für Horst Seehofer wird die Luft dünner: Nach dem historisch schlechten Abschneiden der CSU bei der Bundestagswahl mehren sich die Rücktrittsforderungen.

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An der CSU-Basis formiert sich Widerstand gegen den Parteivorsitzenden und bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer.

Mehrere Parteimitglieder haben sich für einen Rücktritt Seehofers ausgesprochen, darunter der CSU-Bundestagsabgeordnete Alexander Hoffmann aus Marktheidenfeld. "Er hat große Verdienste um die CSU, unsere Glaubwürdigkeitskrise hat allerdings auch gerade mit ihm zu tun", sagte Hoffmann dem "Main-Echo".

Auch der CSU-Ortsverein Gemünden-Langenprozelten (Kreis Main-Spessart) will einen Wechsel an der Parteispitze.

"Wir brauchen einen neuen, glaubwürdigen Vorsitzenden", sagte der Vorsitzende Thomas Schmitt der Zeitung. "Seehofer sagt viele richtige Dinge, lässt aber keine Taten folgen."

Seehofer habe Misserfolg persönlich zu verantworten

Schmitt könnte sich Spitzenkandidat Joachim Herrmann als Nachfolger Seehofers vorstellen.

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Zuvor hatte schon der Chef des CSU-Kreisverbands Nürnberg West, Jochen Kohler, Seehofers Rücktritt gefordert.

Auf seiner Facebook-Seite schrieb Kohler: "Auch wenn Herr Seehofer selber gesagt hat, dass er 'keine Sekunde' an einen Rücktritt denke, wir tun dies! Für einen personellen Neuanfang!"

Ähnlich äußerte sich der mittelfränkische CSU-Ortsverband Großhabersdorf. "Horst Seehofer hat als Parteivorsitzender das historisch katastrophale Abschneiden der CSU bei der Bundestagswahl persönlich zu verantworten", erklärten die Ortsvorstände am Montag.

Die CSU war bei der Wahl am Sonntag in Bayern auf 38,8 Prozent gestürzt - ein Minus von mehr als zehn Prozentpunkten im Vergleich zur Bundestagswahl 2013 und das schlechteste Ergebnis seit 1949.

Rückendeckung von der Parteispitze

Die Parteiführung will von der Forderung der Basis jedoch nichts wissen. Alexander Dobrindt, der neue Chef der CSU-Landesgruppe, betonte: "Es gibt keine Personaldebatte in der CSU-Landesgruppe."

Manfred Weber, CSU-Politiker und Vorsitzender der EVP-Fraktion im Europaparlament, hat die Diskussion um Seehofers Zukunft gegenüber dem "Münchner Merkur" als "Gift" bezeichnet. Außerdem sagte er: "Ich finde es auffällig, dass viele aus dem Raum Nürnberg kommen" - der Heimat von Finanzminister Söder, der als Seehofers Nachfolger gehandelt wird.

SPD, aber vor allem CDU und CSU sind die Wahlverlierer - was das bedeutet.

Söder wiederum glaubt, die kritischen Stimmen werden bald wieder verstummen. "Nach so einem Debakel eines Wahlergebnisses ist es doch selbstverständlich, dass die Basis rumort und dass die Leute verunsichert sind - das wird auch nicht die nächsten Tage vorbei sein."

Unterstützung erhielt Seehofer auch von Parteivize Ilse Aigner: "Wir haben ja von 2007 schon unsere Erfahrungen mit einer Palastrevolte, das Wahlergebnis von 2008 kennt aber auch jeder", sagte sie der Deutschen Presse-Agentur.

Damals hatte die Partei Edmund Stoiber aus seinem Amt als Parteichef gedrängt, in der Folge verlor die CSU bei der Landtagswahl die absolute Mehrheit.

Und der Chef selbst? Der spielt auf Zeit. "Wir haben in sieben oder acht Wochen einen Parteitag", sagte er. "Das ist der richtige Ort, solche Debatten zu führen."

Die Ergebnisse zur Bundestagswahl im Detail

Zwei Faktoren schützen Seehofer: Die CSU braucht ihn trotz allem in den anstehenden - schwierigen - Koalitionsgesprächen in Berlin.

Und: Bis zur Landtagswahl sind es nur noch zwölf Monate. Der Stoiber-Sturz 2007, der ins Wahldebakel 2008 mündete, steckt der Partei noch in den Knochen. Das ist eine Art Versicherung für ihn - doch für wie lange? (dpa/mcf)